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Der Israelit · 1886-05-17 · Heft 39 (17.5.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 39 (17.5.1886)
Date
1886-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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670 die unserer Weisen, welche dieselbe in einem schönen Bilde zur Darstellung bringen. Ehe die Seele mit dem Körper vereinigt wird, also vor der Geburt des Menschen, führt ein Engel Gottes die ungeborcne Seele durch alle Welrenräume, zeigt ihr alles, lehrt sic alles, was wisscnswcrth ist; nichts bleibt ihr verborgen, nicht der Himmel Himmel, nicht des Abgrunds Tiefe; sie lernt kennen die Welt der Engel, die großen Himmelskörper, die ganze Erde, alle Thiere, alle Pflanzen und alles Gestein; sie lernt kennen die Kräfte der Natur, ihr Wesen und ihre Ursachen. Sobald aber der Mensch das Licht der Welt erblickt, vergißt er das alles, und was er während seines ganzen Lebens lernt, ist nicht als die Erinnerung an das vor der Geburt Erschaute. Ihm selber unbewußt schlummern demnach in jedem Menschen unendlich große Schatze des Wissens und Könnens, die nur der Anregung bedürfen, um zu regem Leben zu erwachen. Wie die Quelle, die dem Erdboden entquillt, unaufhörlich und ununterbrochen, das klare, crqinckende Wasser hervorsprudelt, weil die reiche Wasserader im Schooße der Erde ihr stets und immer unerschöpfliche Vorräthe zufuhrt, also schöpft die Menschcnseele aus dem eignen Borne. Aber auch die reichste Quelle müßte bei fortwährendem Regenmangel versiegen; denn der Regen, der von oben kömmt und den Erdboden dnrchdringt, ist cs, welcher jener Wasserader die nöthige Nahrung spendet. Auch das Wasser, welches die Quelle uns gibt, entstammt dem vom Himmel herniederflkeßeuden Regen. Allein, das köstliche Quellwasser ist anders und wohlschmeckender als das Regenwasser; aus dem Gestein und andern Bestandthcilen des Erdbodens führt die Quelle dasjenige mit empor, welches ihrem Gewässer den eigentlichen Reiz und Wohlgeschmack verleiht. Also ist die Menschcnseele. Die großen Denker und Dichter haben ihr Wissen nur zum Theil von außen ausgenommen. Das Beste, was sie uns gegegeben, entstammt ihrem eigenen Fonds. Aber nicht jeder Mensch erreicht diese hohe Stufe der Entwickelung. Die meisten Menschen bringen cs nicht dahin, daß ihre Erinnerung sie bis zu jenen verborgenen Schätzen zurückführt. Erinnerung! das bloße Wort lehrt uns eine große Wahrheit, die nämlich, daß des Menschen geistiger Blick mehr nach innen als nach außen gerichtet sein soll. Wer, von der Außenwelt ganz befangen und eingenommen, sich den Zerstreuungendes Lebens hingibt, wird nie den tiefen Blick in sein Inneres thun, er wird sich nicht erinnern, so daß er zn schauen vermöchte die in der eigenen Seele verborgenen Schätze. Selbst große Gelehrte und hervorragende Männer der Wissenschaft gelangen nicht auf diese hohe Sture. Sie begnügen sich, das wiederzngeben, was sie gelernt haben. Bei allem ihrem K önnen und Wissen bleibt ihnen dasjenige fern, was wir in unserer Umgaugssprache „Genius" neunen. Der echte Künstler, der sich des Ideals, das er dereinst geschämt, zu erinnern vermag, bringt znr Darstellung, was kein Menschenauge vorher aus Erden gesehen, kein Menschcnohr vorher aus Erden vernommen hat. Aehnlich ergeht es den großen Dichtern und wahrhaften Förderern der Wissenschaften. Wenn sie nicht ans eigenem Fonds zu schöpfen vermöchten, so blieben sie ja nur Nachbildncr oder Wiedergeber des längst Dagewesenen. — Das Lob, welches Rabbon Jochanau den Sackai seinem Schüler Rabbi Elasar den Arach spendet, ist daher das größte und bedeutendste. Rabbi Elasar nahm nicht nur auf. was ihn sein Lehrer lehrte, sondern das Ausgenommene gab ihm Anlaß, aus dem eigenen Fonds seiner gottbegnadeten Seele zu schöpfen, und die Lehren der Thora so zu verstehen, in sich zu verarbeiten und wiederzugeben, wie sie einst Moschch vom Sinai herniedergebracht. Der Geist der Weisen ist es, der uns die Thora erschließt, und dieses Schlüssels kann kein Geschlecht entbehren. Ein solcher Erschließer der schriftlichen wie der mündlichen Lehre war Rabbi Elasar ben Arach. In seinem Herzen wohnte die Weisheit, die einer stets sich aufs dient kräftigenden Quelle gleich in die Welt hinansströmte, sie erquickend und befruchtend. (Fortsetzung folgt.) 15mm „Esra". In Folge der im Januar d. I. vollzogenen Reorganisation des Vereines „Esra" ergehen au uns so zahlreiche Anfragen, daß wir dieselben privatim zu beantworten nicht mehr im Stande sind. Wir sehen uns daher genöthigt die Anfragen auf dem Wege der Oeffentlichkeitzu erledigen und über die Entwickelung des Vereines, sowie über die Nothwendigkeit einer Reorganisation desselben hiermit Bericht zu erstatten. — Der Verein „Esra" wurde im Jahre 1884 von einigen jungen Männern gegründet, welche in dem Ackerbau das einzige Mittel erblickten, den sittlichen und ökonomischen Zustand unserer Glaubensgenossen im heiligen Lande dauernd zu heben. Man wollte statt der bisherigen planlosen Privatfammlungen in dem Verein in der Metropole Deutschlands eine Eentralstel l e schaffen, von der ans ein zielbewusstes, einheitliches Vorgehen in Scene .gefetzt werden sollte. Um den Jttdifserentismns nnsrcr ........ .„ifr, -IIV--,-

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