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Der Israelit · 1886-05-17 · Heft 39 (17.5.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 39 (17.5.1886)
Date
1886-05-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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xxvü. Jahrgang. J|| AN. ' /. : ■ Ern Kentrak - Hrgan für das orthodoXe ZudenIHum. HerauZgegeben von Di-. Lehmauu m Mainz. Montag, den 17. Mai 5646 (1886). Leitende Artikel. Me Sprüche der Wüter. H. Buch, zweite Abtheilung. VI. Mainz, 13. Mai. Rabbi Jose ha Koheu wird von seinem Lehrer als Ehaßid bezeichnet. Wir haben den Begriff des Ehaßiduth bei dem Ausspruche Hillels (Mischnah 7 dieses Abschnittes) ausführlich erörtert und wollen hier nur kurz wiederholen, daß Derjenige Ehaßid heißt, welcher stets bemüht ist, mehr zu thnn als die Pflicht ihm auflegt, stets fortzufchreitcn in der Heiligung seines Lebens, zuzunehmen an Gotteserkenntniß, und selbstlos, ohne Erwartung von Lohn oder Dankbarkeit, allen Mitmenschen Gutes zn erweisen. — Auch bei der dem Rabbi Schimeon ben Neßauel zuerkannren. Eigenschaft eines san s-,' können wir uns ans unsere Erklärung zu der erwähnten Mischnah beziehen.. Wir wollen hier nur hervorheben, daß mit dieser Bezeichnung eine hohe Stufe der Frömmigkeit angegeben wird. Die Sünde ihrer selbst wegen zu fürchten, das bedingt, daß man die Sünde als etwas Schlechtes und Schlimmes verabscheut und jede Gelegenheit ängstlich vermeidet, die dazu Anlaß geben könnte, etwas Unrechtes oder was dem ähnlich sicht zu thun. So lehren auch die Weisen: *p2 . vn rw wen sazn ns mns. „Liebe das „Vielleicht" und Haffe das „Was schadete!" Frage Dich bei Allem, was Du zu thun im Begriff stehst, bei wichtigen und unwichtigen Dingen, ob nicht viel! eicht Dein Wort, Deine That, Dein Schritt geeignet seien, Dich in Lagen zu bringen, in denen die Sünde unvermeidlich wird, und hüte Dich, bei jeder Gelegenheit zu sagen: Was kann es schaden, was ist Unrechtes dabei V Es gibt so manche Dinge, die den meisten Menschen klein und unbedeutend erscheinen wie Geldausgaben am Sabbat, Tragen am Sabbat, das Trinken von Milch, die nicht rituell beaufsichtigt wurde, das Essen und Trinken mit unbedecktem Haupte rc. re. Da hört man sooft fragen: Was schadet das? Dabei ist ja nichts: Und doch sind diese anscheinend so kleinen Sünden die Anfänge zu immer weiter gehendem Abfalle. Oder, cs ist Jemand genothigt, sein Kind in die Fremde zu senden. Derjenige, welcher die Sünde fiirchtet, wird jedes „vielleicht" erwägen und vorher alle Verhältnisse sorgfältig prüfen, damit sein Kind nicht an Leib und Seele, a» Tugend und Frömmigkeit Einbuße erleide. Demjenigen aber, welcher spricht: Was schadet das? Mein Kind ist gut erzogen, es wird festbleiben! — der wird meistens die Folgen seines Leichtsinnes schwer zu tragen haben. — Rabbi Schimeon ben Neßauel fürchtete die Sünde um ihrer selbst willen und vermied auf das Sorgfältigste jeden Anlaß, der zu ihr hätte führen können. Das höchste Lob ertheilte Rabbi Jochanan ben Sackai seinem Schüler Rabbi Elasar ben Arach; er nannte ihn einen -ranan ppa, einen Quell, der sich kräftigt und sich stets verstärkt. Von uralten Zeiten her sind die Philosophen in Bezug auf das Wesen der menschlichen Seele nicht einerlei Ansicht. Die Einen nennen sie eine tabula, rasa. Die Seele, sagen sie, ist einer leeren Schreibtafel vergleichbar, auf welche Unterricht und Erfahrung ihre Schrkftzeichen einprägen: die Seele ist nichts als ein Gefäß, welches seinen ganzen Inhalt von außen empfängt. Die Andern hingegen behaupten, daß die Seele einen inner» Fonds besitzen, der, durch die äußern Erscheinungen und Eindrücke angeregt, ans sich selbst Schönes und Herrliches hervorznbringen int Stande sei. Diese letzte Ansicht ist auch

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