Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-05-13 · Heft 38 (13.5.1886) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 38 (13.5.1886)
Date
1886-05-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449637--24278-2514023
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

BhbBSE522253S 654 hojachin iii cüicm .besondere» Kerker gefangen saß, den Jeremias nicht Kerker, sondern „das Haus des Gefangenen" nannte. Als spater König lynnl Mcrodoch den Thron feines Ahnherrn Ncduchadnczar bestieg, schenkte er dem gefangen gehaltenen jüdischen König feine Freiheit wieder, ließ ihn vor sich kommen und sprach mit ihm recht freundlich': r.aa -an heißt der darauf bezügliche Ansdruck der heiligen Schrift. Er erhöhte auch seinen Thron d. h. er gestattete ihm, wenn er zum Besuche im königlichen Palaftc erschien, auf einem bedeutend höheren Throne zu sixcn, als es die waren, auf denen die anderen damals in Babylon gefangen gehaltenen Könige saßen, eine Auszeichnung, die noch heute am persischen Hofe für die Lieblinge des Schah üblich ist. Wenn es dann von Iehojachin weiter heißt: -rcn ent* tew (er aß stets sein Brod vor ihm), so glaube ich, daß darunter keinesfalls gemeint wird, Iehojachin halte an der Tafel Ewil Mcrodach's gespeist, denn dazu dürfte sich derselbe als ein Sprößling Tavid's, da doch selbst nicht einmal Daniel uud seine drei Genost cn, die doch nur einfache Pagen am babylonischen'Königs- Hose waren, sozusagen Terefoth essen wollten, schwerlich herbcigelasscu haben. Uebcrhaupt verstieß es bei allen alten morgcnlandischen Königen gegen die Etikette, daß Jemand mit dem Souveräne zugleich an der Tafel saß. Der König saß daher immer allein an seinem Tischchen, während vor jedem der geladenen Gäste gleichfalls ein Tischchen stand. Bor den König Iehojachin wurden dann dieselben Gerichte "gestellt, wie vor die anderen Gäste; er berührte indcß dieselben gar nicht und nahm nur, damit man glaube, er speise mit, ein Stückchen Brod zu sich. Seine eigentlichen Mahlzeiten nahm er zu Hause ein und wurden ihm die nöthigcn Gelder dazu ans der königlichen Eivillifte angewiesen. Daher heißt es dann: nm» inrnw n nso 'b n:n: -ren: Und feine gewöhnliche Tafel wurde ihm vom Könige gewährt re. Iehojachin sott mm nach den Ueberliefernngcn der babylonischen Juden die heißen Sommermonate in Amara Angebracht haben, wo er einige Landgüter besaß. Auf einem dieser königlichen Landgüter soll später auch Esra Hassofer, nachdem er Jerusalem verlassen und wieder nach Babel zurückgekehrt war, gestorben und daselbst auch begraben worden sein; man zeigt dessen Grab noch heute dort. Zn demselben strömen gleichfalls, wie zu dem Grabe des Propheten Jchcstel in Tschislik bei Hilleh Tansende von jüdischen Pilgern ans allen Gegenden Borderasiens herbei und ist die Hanptwallsahrtszeit zwischen dein Pcßach- und Schabnolhscste. lieber bem Grabe erhebt sich cm kleiner viereckiger Ban, der die Form eines Parallelogramms har nnd zwei Fcnftcrchen besitzt. Auf dem Grabe steht cm hölzerner Sarg, der zwar schon mehrere hundert Jahre zählt, aber noch immer gut erhallen ist. Derselbe ist mit einer schwarzen Decke umhüllr, 'die gewöhnlich von den Pilgern gespendet wird. Ms ich vor zwei Jahren dieses Grab besuchte, da ruhte auf demselben eine schwarzseidene Decke, welche cm Kaufmann aus der persischen Hafenstadt Bnschir gespendet hatte und die mir folgender aufgenähtcr Widmung versehen war: ms raanrn rnjrn Trx nari p-nv rzz: rer*. .... c*,a rctr» nrn ninr ra ena 5J? ürm -msa mns nrm tth .rrrya sra* na be rspanrnrnr«.. .(3um Andenken an meine thenere und liebe Gattin Mirjam, Tochter der Schoschanah Mose),' die am ... ans diesem Lebten schied und zu ihrem Vater heimkchrtc. Möge ihre Seele cingeschlosscn sein in dem Bund des Lebens mit den Seelen Sarah's, Rebekka's rc.)^ Neben dem Sarge steht eine große zinnerne Schüstel, in welche die Pilger ihre Geldspenden werfen, die dann zur Erhaltung des Grabes und des -ran -u (ewiges Licht), das hier in einer silbernen Lampe Tag und Nacht * brennt, dienen. Außerdem bringt noch jeder Pilger sein eigenes ewiges Licht mit und wird von demselben zugleich auch Kadisch für die Seelenruhe des hier schlummernden großen Todten gesprochen. Diese fromme Spenden werden von der Gemeinde in Amara verwaltet. Ta nun Amara unweit vom Meere liegt, so sieht man daselbst auch viele jüdische Pilger aus Persien und Indien; ja, sogar aus Kalkutta und Batavia traf ich Juden dort, welche die weite Seefahrt nicht scheueten, um das Grab Esra's, von dem es heißt: mra rrnra tto -so nü»: „und er war fertiger Schreiber der Lehre Mosis" zn besuchen. Ueberhaupt machen fast alle Juden, welche zu-Wasser von Bagdad nach Bassorah oder retour fahren, in Amara Halt, um das erwähnte Grab zu besuchen und dort ihre Andacht 31t verrichten. In der heiligen Schrift wird zwar nirgends erwähnt, daß Esra von Jerusalem wieder nach Babylonien zurückgekehrt sei; aber wir brauchen deßhalb noch nicht an der Echtheit dieses Grabes zn zweifeln, von besten Dasein schon in den Zeiten der sau« Erwähnung geschieht und das schon leit Jahrbnnderten einen Wallfahrtsort für die Juden im Euphrat- und Tigristhale und an den Gestaden des persischen Meerbusens bildet. ' * r ~~ 1 '~if.fi *f~'g »järwaa»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.