Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1886)
- Date
- 1886-05-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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655 3 e st i II ei 9 tu Mechamak. - XVIIL Am kaiserlichen Hofe war die Verlobung des kaiserlichen Prinzen mit der Prinzessin Maria seicr- Lichst verkündet worden. Zu Ehren des frohen Ercignipcs wurde ein großes Banguct veranstaltet, und die Klänge der Musik tonten hinüber in das entlegene Zchurmzimmer, in welchem Daniel von Gernsheim gefangen saß. Aus besonderer Gnade hatte der Kaiser den Befehl, ihn ins Burgverließ zu versenken, zuruckgenommen und dem ehemaligen kaiserlichen Nath ritterliche Hast gewährt. Irr ein Zimmer im Thurm des kaiserlichen Nesidcnzschlosscs, dessen Fenster mit Eisenstäben vergittert waren, hatte man ihn verbringen lagen. Ein Tisch, ein Stuhl und eine hölzerne mit einer wollenen Decke bedeckten Attischc bildeten das ganze Mobiliar. Auf dem Tische stand eine brennende Lampe und lagen einige hebräische Bücher, sowie Talith und Tephillin, die mitzunchmen man dem Gefangenen gestattet hatte. In der Ecke des Zimmerchcns^ stand ein großer Wasserkrug und eine Waschschügel. Bis jetzt hatte Daniel am Tische gesessen und in den Psalmen gelesen. Sie kräftigten und stärkten sein Herz und gewährten ihm einen wunderbaren Halt in seiner trauttgen Lage. Al« er die Töne der Musik vernahm, schloß er das Buch, stand auf, nm in dem Zimmcrchen auf- und abznschreiten. „Sie feiern ein Fest bei Hose," sagte er. „Was mag das bedeuten? Haben vielleicht meine Feinde cs veranstaltet, um über mich zu triumphiren? Nicht doch, der Kaiser haßt mich nicht. Allein, er muß einen besonderen Beweggrund gehabt haben, mich zu stürzen. Aus seinen Anlaß hin wurde ich gezwungen, jene unglückselige Wette einzugehen, trotzdem ich mich dessen standhaft geweigert hatte!" Man hörte, wie die schweren Schlösser der Thüre geöffnet wurden. Gespannt blickte Daniel nach dem Eingänge, und eine Helle Freude überflog sein, blasses Angesicht, als der Kerkermeister den Grafen von Basscnhcim hercinführtc. Der Wärter zog sich zurück und schloß die Thüre wieder. „Erlauchter Herr Graf," rief Daniel, „Ihr seid ein guter Mann und bringt gewiß eine gute Botschaft." „„Armer Freund,"" entgegncte der Angeredcte, „„es kränkt mich, Euch sagen zu müssen, daß Ihr Euch in Euren Erwartungen täuscht. Zwar bin ich von des Kaisers Majestät hicrhergeschickt worden, um Euch einen Weg zllr Nettnug vom Tode zu eröffnen; allem ich fürchte, daß Ihr diesen Weg nicht betteten werdet."" „Ich kann errathen, was man mir anbietet," sagte Daniel, und seine Züge verfinsterten sich. „Der Kaiser wttd verlangen, daß ich dem Glauben meiner Väter nntteu werde.". „„Ihr habt es errathen. Der Kaiser entbehrt Euch ungern. Der allgemeine Haß richkH sich nicht gegen Eure Person, sondern gegen den Juden. Auch der Ritter von Trachenstein hat eingewilligt, von seinem Rechte auf Euer Leben abzustehcn, wenn Ihr das Judenthum abschwören wollt."" „Ihr lvißt, erlauchter Herr Graf, daß es vergebens ist, hierüber ein Wort nur zu sprechen. Hat der allmächttge Gott nieinen Tod beschlossen, so will ich gerne sterben, aber als Jude sterben. Will Er mich aber erretten, 10 ist des Kaisers Macht zu geringe, um meinen Tod herbeizuführen. Doch sagt mir, Herr Gras, was bedeuten die Klänge der Musik, die ich vernehme?" „ „Man feiert das Verlobungsfest unsres Prinzen mit der Prinzeß Maria. Ihr wißt, daß der Gesandte des Vaters der Braut seit Monaten an unsrem Hofe wellt."" „Das war also der Zweck der Gesandschast, den mir der Kaiser beharrlich geheim hielt! Sollte vielleicht die ganze schändliche Jnttigue, die man mir gespielt, mit dieser Verlobung im Zusammenhänge stehen?" „„Ihr sprecht von einer schändlichen Jntttgne; was berechtigt. Euch dazu? Ist nicht Alles ordnungsmäßig zugegangen?"" „Erinnert Euch, Herr Graf, daß der Kaiser mich gezwungen, jene unglückselige Wette cinzugehen. Und daß ich sie verloren, glaube ich nimmermehr. Vor wenigen Wochen schrieb mir meine Braut, daß ihre Mutter ihr verboten, das väterliche Hans zu verlassen. Die Geliebte meines Herzens ist rein und unschuldig: deß bin ich gewiß. Der Ritter von Trachenstein hat sie nicht einmal gesehen, wie viel weniger ihre Liebe genossen! Der Ring ist gestohlen, und die Zeugen haben falsch geschworen." „„Wenn das, was Ihr sagt, erwiesen werden könnte!"" „Ihr habt, erlauchter Herr Graf, mir stets so viel Liebe und Freundschaft erwiesen, daß ich es wage, Euch zu bitten, für die Rettung meines Lebens thätig zu sein. Ich würde diese Bitte nicht an Euch richten, wenn ich nicht bcsürchtctc, daß mein Tod auch für mein Volk schlimme Folge haben würde. Ohne diese Besorgnis; würde ich gern und freudig beut Tode cntgcgeuschauen; denn ich mürbe cs als ein großes Glück ansehen, lvcnn jr-nr*>*~~.m,?%raGrr 5 -'-»