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Der Israelit · 1886-05-13 · Heft 38 (13.5.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 38 (13.5.1886)
Date
1886-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Anstalt hat das frühe Hinschcidcn des Verwalters der ÄnabcnadrhcÜrrna, des Herrn Dr. Lanincl Speier, zu beklagen, welcher nach'längerem Leiden am 16. Juli vorigen Jahres stärd. Seit der Begründung der Anstalt hatte cr der gedachten Abtheilung derselben zwölf Jahre hindurch vorgcstandcu und die Pflichten seines verantwortungsvollen Amtes mit Ernst und Treue erfüllt. Das ihm eigene freundliche und sanfte Wesen hat sich besonders in seinem Verkehr mit den seiner Obhut anverttauten Zöglingen in hohen! Grade geltend gemacht, deren Lebensgang er stets mit dem herzlichen Antheil eines liebevollen Vaters und wohlwollenden Freundes begleitete. Die Anstalt wird ihm ftir die Liebe, welche er ihren Pfleglingen in so reichem Maste bewiesen hat, in aller Zukunft eine dankbare und ehrende Erinnerung bewahren. — Die Stelle des scl. Herrn Dr. Speier verwaltet zur Zeit Herr F. Sondhcimer, welcher, vor drei Jahren als zweiter Lehrer an die Anstalt berufen, derselben seitdem seine ganze Thätigkeit mit gutem Erfolge gewidmet hat; die Funktionen einer Verwalterin des Hauses werden, wie bisher, von Frau Dr. Speier versehen. Jur Laufe des Jahres wurden in diese Abthcilnng vier Knaben, im Alter von 6—10 Jahren stehend, ausgenommen, von welchen einer, elternlos, in hiesiger Gegend heimathsbercchtigt, die übrigen dagegen Söhne hier wohnender und äußerst hilfsbedürftiger Wittwen sind. Ein Zögling wurde vor wenigen Wochen auf den Wunsch seiner Mutter entlassen, nachdem ein Bruder der Mutter, der selbst kinderlos, sich jetzt in günstigen Vcrmögcnsverhältnissen befindet, sich bereit erklärt hatte, den Knaben zu sich zu nehmen, und für ihn, wie für seine übrigen Geschwister, zu sorgen. Es genießen dcmnach zur Zeit die Wohlthaten der Anstalt in dieser Abtheilung 30 Zöglinge, mit einem Erfolg, welcher sowohl in den Schullcistungen wie auch in der Entwickelung und dem Verhalten der Knaben im klebrigen in erfreulichem Maße zu erkennen ist. Aus den! Moses und Elara Schiss'schen Fond wurden im Laufe des Jahres 10 der Anstalt entwachsene und in den bürgerlichen Beruf eingctretene Lehrlinge nach Maßgabe des Bedarfs unterstützt. Noch immer legt uns ein Ucbcrblick über die von der Stiftung zu erfüllenden Ansprüche und eine Vergleichung derselben mit den ihr dafür zu Gebote stehenden Mitteln die Pflicht nahe, für die Zwecke dieser Stiftung eine regere Vcthcilignng der Freunde unserer Anstalt recht dringend zu erbitten. Zn Ostern vorigen Jahres erfolgte in der Madchcnabthcllung die Aufnahme von drei Waisen, von welchen jedoch eine bald darauf, eines chronischen Leidens halber, der Mutter zurückgcgeben werden mußte, so daß die Anstalt in dieser Abtheilung 14 Zöglinge zählt. Auch hier sehen wir die der Anstalt znfallcnde Aufgabe an allen dieser Abtheilung überwiesenen Zöglingen in befriedigendster Weise erfüllt. - Für die im Laufe des Jahres der Anstalt zugekommencn Spenden, sei den edlen Geben» von ganzem Herzen gedankt. Wenn wir hier die dringende Bitte anfügcn, unserer Anstalt nicht nur die bisherige Gunst zu bewahren, sondern ihr in gesteigertem Maße die ihre Zwecke fördernde Theilnahme znznwcnden, so liegt dieser Bitte eine Erfahrung zu Grunde, die, so unerfreulich sie auch ist, wir - dennoch den Freunden unserer Anstalt nicht vorenthaltcn dürfen. Die Einkünfte der Anstalt sind in dem abgclaufencn Jahre für beide Abthcilungen hinter dem Bedarf derselben weit zurückgeblieben. Die oben berichtete Vermehrung der Zöglinge war angesichts der Dringlichkeit der vorliegenden Fälle so unabweisbar, daß ein edler Menschenfreund und vielbewührtcr Gönner unserer Anstalt sich bewogen fühlte, die daraus entstehenden Kosten aus eigenen Mitteln zu decken. Und dennoch wären wir nicht davor bewahrt geblieben, mit einem erheblichen Deficit abzuschließen, wenn nicht von verehrungswürdiger Seite mit gewohnter dankenswerther Hochherzigkeit die zur Ausgleichung erforderlichen Mittel für dieses Mal uns bewilligt "Wörden wären. Je begründeter daher die Sorge um die zukünftige ungeschmälerte Wirksamkeit unseres Instituts erscheint, desto dringender sind wir veranlaßt, dasselbe der wohlwollenden Menschenliebe zu empfehlen, welche in frohen und in ernsten Stunden durch Unterstützung wohlthätig wirkender Anstalten sich zu bethätkgcn strebt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. —r— Prag, 6. Mai. In Oesterreich zeigen sich jetzt die Nachwehen, welche der Antisemitismus zur Folge hat. Ueberall, in politischen, nattonalen, wissenschaftlichen und Gesclligkcitsvereinen gibt es hierzulande antisemitische Sektionen und Filialen, die gar oft dem Ganzen die-Richtung geben. Wo man sich der Inden nicht ganz entledigen kann, wie im deutschen Schnlverein, weil man zu Vercinszwccken Geld braucht und die Juden welches haben, da gibt inan zinnindcst, vornehm zwar, doch offen, , über die gemischte Gesellschaft sein Unbehagen kund. Die Inden hätten allen Bereinigungen, die auf Exclustvität wie in nationalen Dingen beruhen, fern bleiben sollen. Sie am allermeisten hätten cS sollen, l>cmi

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