Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1886)
- Date
- 1886-05-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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siedelten, cnsschloß fich eine Anzahl rumänischer wurde hierfür unter dem Borsitz eines Herrn Jakob Löbel ein Komüe in Galatz gebildet, das die Leitung der llebersiedelung übernahm; jede Familie, die nach Palästina auswandern wollte, mußte eine genüge Summe bei dem Komite cinzahlen, für welches Geld dasselbe Ländereien kaufen, den Familien eine Existenz begründen und dieselben auch in der ersten Zeit in Palästina unterhalten wollte. Es kamen auf diese Weise und durch freie Beiträge 260000 Franken zusammen. Durch eine Deputation wurden verschiedene Ländereien eingesehcn und schließlich ein Landgut, 15 Kilometer von dem alten Cäsarea entfernt, ca. 360 Hektar enthaltend, um den Preis von 44000 Franken gekauft. Dieses Land wurde auf den Vorsitzenden des Komite's Herrn Jakob Löbel eingeschrieben. Die Juden fingen nun an hierher überzusiedeln, wobei ihnen aber bald von der Türkischen Behörde große Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden. Man ließ die meisten mit dem Oesterreichischen Lloyd Ankommenden nicht landen, sondern sandte sie auf das Schiss zurück. Herzzerreißend war cs oft mit anzuseheu, wenn die seekranken Frauen und Kinder in der Hoffnung, jetzt die Leiden einer unruhigen Seefahrt bald hinter sich zu haben, auf dem' Boot an die Landungsbrücke gefahren kamen und ihnen dann die Erlaubnis zum Aussteigen verweigert wurde. All ihr Bitten, Weinen, Jammern blieb immer erfolglos, indem die hiesige Behörde strenge Vorschrift aus Konstantinopel hatte, keine Juden landen zu laffen. So mußten die Unglücklichen, oft entblößt von Mitteln und ohne Nahrungsmittel, die Reise weiter fortsetzen. Zuwellen gelang es ihnen in Beirut ans Land zu kommen, oder sie mußten zurück nach Jassa, wo auch öfters einige durchkamcn. Diejenigen, die schon früher eingcwandcrt. waren, mußten, da sie meistens aus Rumänien ausgewandert waren. Türkische Unterthanen werden, um dableiben zu können. Da die Familien zunächst in Haifa bleiben mußten und keinen Verdienst hatten, waren die znsammrngekommenen 200000 Franken bald aufgebraucht und es trat drückende Not unter den Juden ein. Zum Unglück noch starb der Vorsitzende des Komitees, Herr I. Löbel, der die Seele des Komites gewesen war, und dieses löste sich auf. Die Türkische Negierung benutzte diesen Todesfall, um dem Ilulernehmen neue Schwierigleiten zu machen; sie wollte nämlich das Landgut an sich ziehen, obschon Löbel Kinder hatte. Der Prozeß, lvclchcr { über die Erbfolge w Konstantinopel geführt wurde und durch Deputation, Reisen und dergleichen die Juden sehr viel Geld kostete, wurde schließlich zu Gunsten der Juden entschieden und das Land auf den Namen eines französischen Juden in Paris, namens Erlanger, eingeschrieben. So lange der Prozeß dauerte, erhielten die Juden keine Erlaubnis, aus dem Lande Häuser zu bauen und mußten mit ihren Familien in Haifa zur Miethe wohnen, wo dann ihr letztes Geld aufgebraucht, darauf das, was an Werthsachen vorhanden war, verkauft wurde, um kümmerlich das Leben zu fristen. Allein es hätte das alles bei weitem nicht gereicht, und die Meisten hätten Hungers sterben müssen, wenn nicht andre sich ihrer angenommen und sie unterstützt hatten. Der Direktor von „Mikweh Israel (der jüdischen Ackerbauschule) sandte öfter Geld, um ihre Noth zu lindern, auch von der Alliance Jsraclite wurden größere Summen hierzu verwendet. Baron Rothschild aus Paris sandte einen Abgeordneten, her, um seinen Stammesgenossen zu helfen, forderte aber für seine Hilfe Vas Versprechen von den Emigranten, sich allen seinen Anordnungen und denjenigen seiner Vertreter bedingungslos zu unterwerfen. Die größte Anzahl war so im Elend, daß sie dieses Versprechen, wie es gefordert wurde, ohne weiteres unterschrieben, worauf ihnen Monatsgclder ausgezahlt wurden, und zwar erhält jedes Famllienglied, auch die Kinder mitgcrechnet, monatich 12 Franken. Diejenigen, welche noch einiges Vermögen hatten, weigerten sich, das geforderte Versprechen zu leisten; sie wollten wenigstens die Bedingungen genauer festgestellt haben und etwas näheres über die etwa in Aussicht genommenen Anordnungen des Barons wissen. Allein als auch sie aller Mittel entblößt waren, übergaben sie sich ebenfalls bedingungslos der Gnade Rothschilds. Es wurde nun noch ein angrenzendes Landstück gekauft, so daß das ganze Landgut jetzt etwa 5OO Hektar beträgt. Da die Bauerlaubniß sehr lange nicht erlangt werden konnte, ließ der Baron in Rumänien hölzerne Häuser Herstellen ä 8 Meter lang und 4 Meter breit, die durch eine ebenfalls hölzerne Wand in zwei gleich große Zimmer eingethcilt sind. Von diesen Häusern kamen vor mehreren Monaten 30 per Segler hier an und wurden, nachdem sic bei unruhiger See ausgeschifft worden und naß einige Wochen in Magazinen ge. legen Hutten, nach dem Ansiedelungsplatz Samarin rvcitcrtransportirt; 30 weitere Häuser kommen dieser Tage an. Bis jetzt sind 29 von den zuerst ange« kommcncn Häusern von deutschen Handwerkern aus der Kolonie Haifa ansgestcllt worden, während an der Ansstellnng der übrige» gearbeitet wird, so daß