Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-05-10 · Heft 37 (10.5.1886) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 37 (10.5.1886)
Date
1886-05-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449636--24265-2514009
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

642 allein er galt mit Recht als einer der hervorragendßen Zünften Ungarns und wußte sich als solcher in dem.Kabmet unentbehrlich zu machen, so Laß er sich trotz vielfacher Differenzen auf seinem Ministerseffel behauptete. Erinnerlich ist noch, wie Dr. Pauler gelegentlich des famosen Tisza-Eßlaer Prozcffes ganz offen antisemitische Sympathiccn bekundete. Fra n k r e t ch. Paris. In Algier starb der in GelchrLcnkrcisen durch seine wiederholten Reisen nach Tombucm (Afrika) bekannte Rabbiner Mordechai Abi- Stroun, geboren in Atta (Marocco). Enne seiner Reisen unternahm er im Aufträge des französischen Viccconsuls in Magador und der All. Isr. England. In London beabsichtigt man eine Ausstellung englisch-jüdischer archeologischer Gegenstände zu veranstalten. Ein provisorisches Eomitö, an dessen Spitze Herr Dr. H. Adler steht, hat sich bereits gebildet. ' Rußland. Odessa, 27. April. Gestern um 8 Uhr, Abends, als das hiesige russische Theater gelegentlich der zweiten Vorstellung der hier gastirenden deutschen Theater-Gesellschaft des -Directors Paradies aus Moskau unter Mitwirkung des Schauspielers Barnay als Othello massenhaft besucht war, machte sich plötzlich eine außerordentliche Bewegung im Publicum bemerkbar, welche dadurch veranlaßt worden war, daß der Stadtgouvernenr auffallend rasch seine Loge verlassen hatte und daß auch einige Polizei-Beamte sich von ihren Plätzen entfernten. Alsbald verbreitete sich das Gerücht, daß in der Stadt Unruhen ausgebrochen seien, und die meisten Familien beeilten sich, noch vor dem Abschlüsse das Theater zu verlassen und nach Hause zurückzukehren. Als sie auf die Straße gelangten, bot. die Straße. bereits ein außergewöhnliches Bild. Bon den Thürmen sämmtlicher Polizei-Reviere leuchteten je zwei rothe Laternen nach allen Seiten hin, was den Ausbruch von Unruhen und die Consignirung der Militärtrnppen zu signalisircn pflegt. Die wichtigsten Stadltheile waren bereits mit Militär besetzt, das auf den Plätzen aufgestellt war, von wo aus Patrouillen zu Fuß nnd zu Pferd die umliegenden Straßen durchstreiften. Bon Unruhen selbst war jedoch in der Stadt nichts zu sehen, nnd Alles fragte daher die Polizeiposten nach der Ursache I dieser außerordentlichen Maßregel«. „Gehen Sie I nach Hause,- lautete die stereotype Antwort der Koucistcn, „denn in den Vorstädten haben bereits Jndenhetzcn begonnen, und dieselben können sich sehr bald in die Stadt verpflanzen." In Wirklichkeit hatten sich mehrere Banden der sogenannten „Bossa kominanda* (Barfüßler), etwa fünf- bis sechshundert Mann, auf dem Knlikowofelde, einem großen Platze vor dem Bahnhöfe,, zusammengerottet und Excesse gegen einige Juden begonnen. Als die Excedenten von berittenen Kosaken verjagt wurden, liefen sie unter Hurrahgefchrei und Gejohle in die nächstgelegenen Straßen und plünderten en passant niedrere Tabaksladen (andere Lokale waren nicht offen) und schlugen die Fensterscheiben derselben ein. Ta jedoch die Kosaken nachfolgten und in die Menge hincinrittcn, so zerstreute sich dieselbe sehr rasch, uyd nur hie und da tauchten einzelne Banden aus, welche Thüren und Fenster der niedrigen Häkchen demolirtcn, aber durch sofortiges Einschreiten des consignirtcn Militärs am Plündern verhindert wurden. Doch waren bei dem Excesse zwei Juden schwer verwundet worden, und erlitten auch der Polizeimeifter Major Bonin, sowie der Pristaw des Alexander-Reviers gefährliche Verletzungen, als sie von der Menge mit Steinen beworfen wurden. Ein Brief vom 28. d. M. meldet uns aus Odessa: Während die Versuche, hier Jndenhetzen zu arrangiren, durch das energische Einschreiten des Militärs gescheitert sind und die Stadt allerdings noch immer das Aussehen eines Kriegslagers hat, kommt heute die Nachricht aus Sebastopol herüber, daß die Kapazen am ersten Osterfeiertage unter der dortigen jüdischen Bevölkerung arg gehaust haben. Den ganzen Tag hindurch soll Sebastopol der Schauplatz großer Exceffe und Plünderungen jüdischer Wohnungen gewesen sein. Das Militär, welches nicht rechtzeitig cingeschritten war, mußte von den Waffen Gebrauch machen, wobei zahlreiche Leute verwundet worden sein sollen.. Feuilleton. Eine jüdische Kokonie in Lalästma*). Als vor einigen Jahren in Rußland und später dann auch in Rumänien die Aufregung gegen die Inden in Bedrohungen nnd Schädigungen ausartete und viele russische Juden nach Amerika über- *) Aus der in Stttttgarl rrfchrinrnden Wochenschrift Wrtitf drc> rempris". « Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.