Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1886)
- Date
- 1886-05-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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633 Frankfurt a. M., 26. April. Eine sehr große Zahl von Leidtragenden bewegte sich heute früh von der Taunusstraßc zum israelitischen Friedhöfe, um Hern: Raphael Rießcr die letzte Ehre zu erweisen. Ter Verstorbene (Gründer des weit bekannten Stickcrcigeschästcs) war als Mensch und als Gesellschafter gleich beliebt. Von seinen Söhnen hat sich Herr Dr. Jacob Rießcr als Jurist bereits einen Namen gemacht. Der Verstorbene war Bruder des Dr. Gabriel Rießcr, bekannt durch seine Thätigkeit zn Gunsten der Emanzipation der Inden und im deutschen Parlament. SUtottt, 19. April. Die Bestattung der irdischen Uebcrrcstc des Iustkzraths Warburg fand gestern Vormittag von der Wohnung des Verstorbenen nach dem Friedhof der hochdeutschen Israelitcngcmeindc in Ottensen statt. Im Trauerhause hatten sich eine große Anzahl-Leidtragender, die Angehörigen des Verstorbenen, die Verwandten, sowie zahlreiche Bekannte und Freunde des Verstorbenen eingefunden. Unter Anderen waren erschienen Mitglieder des Magistrats und des Stadtverordneten-Collegiums, der Stadtcommandant, höhere Gerichtsbcamte, Vorstandsmitglieder des Vereins der deutschen freisinnigen Partei in Altona und Hamburg, der Gesammtvorstand des Vereins für Handel und Schifffahrt in Altona, viele Rechtsanwälte rc. In der Mitte des schwarz decorirtcn Saales stand der nach jüdischem Ritus aus unbchobclten Bretter znsammengefügte Sarg, der die irdische Hülle des Entschlafenen barg, mit einem schwarzen Tuche verdeckt, ohne jeglichen Schmuck, während ringsumher zwischen blühenden Blumen die Gaben der Liebe und Verehrung, aus prächtigen Lorbeer- und anderen Kränzen, Palmenzwcigen bestehend, aufgeschichtct lagen. Die Zahl derselben war eine so große, daß zwei Wagen kaum genügten, um dieselben fortzuschaffen. Der Reichstags- und Landtagsabgcordnete Prof. Hänel, der Dichter Claus Groth und viele Andere, die zu dem Heimgegangenen in freundschaftlichen Beziehungen standen, aber am Erscheinen bei der Beerdigung verhindert waren, hatten Kränze gesandt. In nahezu dreiviertelstündiger ergreifender Rede schilderte Oberrabbiner Tr. Löb die vielen hervorragenden Eigenschaften des nunmehr Verstorbenen, seine Herzensgute, seine Thätigkeit als Mensch und als Vater, sowie den großen Verlust, den nicht allein die Familie, sondern auch die Vaterstadt und insbesondere die Armen durch sein Ableben erlitten. Etwa 70 Equipagen, sowie viele Gemeinde-Mitglieder schlossen sich dem Sarge an. Ans dem Friedhöfe wurde die Leiche von dem Syuagogeu-Ehor vnrcr Leitung des Cantors Nathansohn empfangen und zue Gruft getragen. Während der Einfenkung. die ohne jede weitere Feierlichkeiten stattfand, trug der Chor einen Psalm vor. Damit war die einfache, aber würdige Feier beendet. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, im April. Wie ein Wunder kann die Thatsache verzeichnet werden, daß cs einem rührigen Vereine gelungen ist, in Ungarns Hauptstadt, inmitten einer sehr zahlreichen, doch leider zumeist höchst indolenten israelitischen Bevölkerung, für die hochheilige Lehre des Iudeuthums, eine würdige und. beständige Stätte zn errichten. Dieses Verdienst hat sich der Budapcster Talmudvercin erworben, indem er auf dem ihm gehörigen Gelände ein zwar einfaches aber dennoch hervorragendes Gebäude aufführen ließ, dessen einzige und alleinige Bestimmung cs ist, das Thorastudinm zu hegen und zu Pflegen. Die Einweihung und gleichzeitig die feierliche Schlußstcinlegung des neucrbautcn Lehr- und Bethanses '(Bet-Hamidrasch) fand am Dienstag den 13. d. M., Nachmittags um 5 Uhr statt. Das neue Gotteshaus war aus diesem Anlaffe glänzend beleuchtet und in allen seinen Räumen von einem geladenen Publikum dicht besetzt. Ter Vorhof war mit frischem Grün bestreut und die Tempeleingänge mit Teppichen belegt. Ans der Straße standen die Leute in dichten Schaareu, man mußte ihnen — wegen Mangel an Raum — den Eintritt verwehren. Die Doppelfctcr nahm folgenden Verlauf: Vereins-Präsident Taub begrüßte die zahlreichen Anwesenden, gedachte der Wohlthäter und Spender, welche bcu pictatsvollcn Bau ermöglichten, der dem Talmudftndium eine bleibende Stätte sichen: soll, und forderte schließlich die Anwesenden aus, in die Eljennrfe auf de« König, die Königin, das Kronprinzenpaar und die konstitutionelle Regierung einzuftimmen. Nach Verlesung der umfangreichen Baugeschichte durch den Vcreinssecrctar, wurde diese Urkunde in eine Glaskapsel geborgen und in den mit Goldfchrift gezierten, marmornen Schlußstein gesenkt. Es erfolgten sodann die üblichen Hammcrschläge auf den Schlußstein. Instituts-Rabbiner Snßmann leitete diesen Alt mit einem erbaulichen homiletischen Festvortrage ein. Auch Abgeordneter Moriz Wahrmann als Präsident der Pcsthcr israelitischen Religionsgemeinde und die übrigen anwesenden Vertreter des Vorstandes, des Rabbinats und andere Honoratioren thatcn Hammcrschläge und zeichneten ihre Namen in daö Gcdenkbuch. Hierauf zündete Rabbi Snßmann das „ewige