Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1886)
- Date
- 1886-05-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449636--24262-2514006- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
639 Licht*, bann tosrben die Thsrarvlleu m das Gotteshaus gebracht und nach den üblichen LmHgcn in den prächtigen Orrn hakodesch hinemgcftellr. Nun erst hielt der Veremsrabömer Wolf Sußmaun die eigenüiche Weiherede, welche sehr gefallen hat. Aus ihr wehre ein echter, unverfälschter jüdischer Geist. Mittlerweile war cs Abend geworden und ward nun mit dem rituellen Abendgottcsdicnste begonnen, mit dem auch die heilige Feier ihren würdigen Abschluß gefunden. — Für die Lamdonim veranstaltete der Talmudverein am selben Abend einen Szijum, an welchem sich bei 80 Personen beiheiligten. Das einfache, ganz natürlich, streng rituelle Mahl, dauerte bis gegen DÜtternacht. Es gab viele sinn- und geistreiche Tischreden, an denen der Rabbi, der Präses, der Vorstand und die Lamdonim des Talmudvcreins parttzipirten. — Jetzt nur noch ein Wort über den gelungenen Bau selber. Der Bau kostet ungefähr 45,000 Rm. (ohne Grund und ohne Nebcnbauten) und hatte allerdings billiger gebaut werden können, wenn nicht zur Bedingung gemacht worden wäre, daß an den Sabbat- und jüdischen Festtagen in keinem Falle gebaut, ja nicht das Geringste angefertigt werden dürfe! Sowohl der Architekt, sowie die Baumeister und die meisten bei diesem Bau beschäftigten Handwerker waren Juden und bei Vergebung der einzelnen Arbeiten hatten Diejenigen unbedingt den Vorzug, von denen man genau wußte, daß sie den Sabbat nicht entweihen! D. H. S. Fe u ille ton. Aechamah. XVII. Der Kaiser, die Prinzen, die am Hofe anwesenden Fürsten und Herren, sowie die fremden Gesandten waren zu einer großen Jagd ansgeritten; ein sechszehnendiger Hirsch sollte erlegt werden. Der zweite Sohn des Kaisers ritt neben dem Gesandten des Königs, deffcn einzige Tochter für den Prinzen bestimmt war. „Laffet uns langsam reiten, mein Prinz," sagte der Gesandte. „Mögen die Andern den Hirsch erjagen; ich möchte mit Euch von einer Angelegenheit reden, die Euch von ungleich größerem Werthe sein wird." Der Prinz zog die Zügel an und zwang sein Roß zu einer langsamen Gangart. „„Redet, Herr Gesandter,"" sagte er, „„ich stehe zu Euren Diensten.""; „Hat Euer Kaiserlicher Vater Euch rrichK von dem Zwecke meiner Anwesenheit am kaiserlichen Hofe anvertraut?" ~ „„Ich bin noch zu jung, als daß des Kaisers Majestät in Staatsaugelegenhetteu mich mit ihrem Vertrauen beehren möchte."" „Diesmal handelt es sich aber um Euch, mein Prinz. Zwar hat mir Euer Herr Vater befohlen, gegen Jedermann in Bezug auf diese Angelegenheit zu schweigen. Mein, mein König wird ungeduldig, uud er sandte mir gestern den strikten Befehl, mich mit Euch selbst in Verbindung zu setzen. Ich bin meines Königs Untetthan und muß ihm mehr gehorchen als einem fremden Herrscher. Habt Ihr schon, mein Prinz, von unserer Prinzessin vernommen?" „„Wer hätte noch nicht von ihr gehört? Die ganze Welt ist ihres Ruhmes voll. Sie ist die Krone der Jungfrauen, gleich ausgezeichnet durch Schönheit, Geist und Anmuth!"" „Es freut mich, mein Prinz, daß Ihr von unserer Prinzessin so gute Meinung hegt. Ich kann Euch versichern, daß das Gerücht nicht übertreibt. Was Ihr da eben gesagt, ist Alles vollkommen wahr. Aber Eines habt Ihr zu erwähnen vergessen. Prinzessin Mariä ist zugleich die Erbin einer Königskrone, die künftige Herrin eines großen, mächtigen Volkes, eines herrlichen, reichen Landes, und ihr künftiger Gatte wird in jeder Beziehung glücklich zu preisen sein.". „„Wohl, das wird er'."" „„Nun, mein Prinz, dieses große Glück wird Euchbeschieden sein, wenn Euer kaiserlicher Vater sich entschließen möchte, eine kleine Bedingung zu genehmigen, die mein König gestellt hat."" „Welches ist diese Bedingung?" „„Mein König verlangt, daß des Kaisers Majestät den Juden Daniel aus ihren 'Diensten entlasse und vom Kaiserlichen Hose entferne."" „Und mein Vater?" „„Der Kaiser will erst eine passende Gelegenheit abwarten. Aber mein König wird ungeduldig und verlangt einen bestimmten Bescheid. Auch der König von Frankreich hat einen Sohn, schön und ritterlich, wie Ihr. Frankreich wirbt mit aller Macht für seinen Prinzen, und wenn der Kaiser noch lange zögert, so fürchte ich."" „Lasset mich machen, Herr Gesandter, ich werde mit meinem Vater reden und seine Entscheidung beschleunigen." „„Aber Ihr dürft mich nicht verrathen, mein Prinz, dürft nicht vergessen, daß mir der Kaiser befohlen, gegen Jedermann, also auch gegen Euch