Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1886)
- Date
- 1886-05-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Ritterorden IL Klasse und der Religiouslehrer Keller in Zttlingen durch die goldene Verdienstmedaille. Durch diese allerhöchsten Auszeichnungen, sind nicht nur die Betreffenden, sondern mit ihnen die ganze badische Zudepheit^geehrt. Es «t ocshaw auch kein Wunder, wenn Alles, was die hohe Familie Sr. Kgl. Hoheit des Grotzhcrzogs betrifft, bei sämmtlichen Jchndim des Laubes die innigste Theilnahmc erweckt: nnd so werden heute noch täglich bei dem Schachrithgebet, besondere Gebete zum Allmächtigen gerichtet sür die völlige Wiedergenesung Sr. Kgl. Hoheit des Erbgroßherzogs; der zu unserer Freude mm auf dem Wege der Besserung ist. : nste-, .72^1 'b rfrer .csn. Berlin, 5. Mai. Thierschutz und Mensch e n t r u tz — unter diesen! recht bezeichnendem Titel hat Herr Rabbiner Dr. Ehrmaun vor kaum einem Jahre eine Schrift erscheinen lassen, in welcher er die alberne und zum größten Theil aus antisemitischen Gründen entsprungenen Angriffe auf das religionsgesetzlich gebotene Schächten einer meisterhaften Beleuchtung unterzog und alle dasselbe betreffende Gutachten der hervorragendsten Fachgelehrten zusammenstellte. Wer hätte geglaubt, daß die Schrift in kürzester Frist eine aktuelle Bedeutung zu erlangen berufen sein sollte. Die Agitation gegen das Schächten, welche unter der Flagge des . Thierschutzes proklamirt wurde und . zuerst in der Schweiz und zwar zunächstin den Spalten gewissenloser Hetzblätter ihr Unwesen trieb, ist von kundiger Hand auch in die Thierschutzvercine hineingetragcn worden. Die größten Fachautoritäten traten sür das Schächten als die humanste und schmerzloseste Todesart ein, die schlagendsten Argumente wurden gegen die Scheingründe der Agitatoren ins Treffen geführt, die Ritter der Humanität ließen sich nicht bekehren, im Namen des Schutzes der Thicre wurde die unerhörteste Rücksichtslosigkeit sowohl gegen religiöse, als auch wissenschaftliche Bedenken, wurde die leidenschaftlichste Voreingenomheit zu Tage gefördert, nian hat,' wie es in der citirtcn Schrift heißt, den konfessionellen Hader mit so vollen Händen in die zur friedlichen Wirksamkeit berufenen Thicrschutzvereinskrcisc getragen, man hat, um den Schein der Berechtigung für diese Agitation zu retten, zu Bernnglimpfnngen, Fälschungen und Unwahrheiten gegriffen nnd nunmehr hat, um das erbauliche Werl zu krönen, der „Verband der Thierschutzvercine des deutschen Reiches" an den Reichstag die Petition gerichtet, daß Sch lacht- Ihierc nur nach vorausgegangener Bc- 636 t äu bnng durch Dl u tentziehunggerödret, und daß Schlachtungen überhaupt nur durch geprüfte, licenrirtePersouen und in allgemeiucu Schlachthäusern nur durch angeürllre Schlächter üllsgefuhrt werden dürfen. Wir können es uns nicht versagen, ewige Sätze aus der von einer geradezu verblüffenden Unkenntniß der Verhattmffc zeugenden Petition zur Erheiterung der Leser zu eitiren. Nach einer längemr Betrachtung über „den verrohenden Einfluß, den der Anblick auch der unvermeidlichen Tödtung der Schtachtthiere ans den Zuschauer,' namentlich die Zugend haben muß", heißt es: „Die Tödtung des Schlachtviehes geschieht im Allgemeinen durch Blutcntzichnng, wenigstens hier in Deutschland. Die englische Methode durch binpressen eomprimirter Lust in die Brusthöhle hat wohl nirgendwo bei uns Verbreitung gefunden. Der Tod durch Verbluten ist an und für sich sür das Thier, darin sind alle Aurontäten ans dem Gebiete der Thierheilkunde nnd Physiologie einig, ein schmerzvcller. Schmerzvoll durch den dazu nöthigen Schnitt, aber noch mehr durch die bei. der Blütentleernng austretenden Krämpfe und die lange Dauer des Vorganges bei nur langsam schwindendem Bewußtsein. Es ist daher von thierschützerischem Standpunkte aus in erster Linie erforderlich, daß vorher eine Betäubung des Thieres stattfinde. Einstimmig sind die Fachleute der Ansicht, daß diese durch plöö liehe Erschütterung, noch besser durch Zerstörung des Gehirnes herbeigeführt werden kann. Bei Großvieh wird diese Art der Betäubung, sei es durch Schlagen mit dem Beile, was, gut ausgeführt, vollkommen zweckentsprechend ist, sei cs durch die Bouterole, die Schlacht- oder Schußmaske, welche die gute Ausführung dieser Procednr ohne Mißlingen zu sichern bestimmt sind, herbeigeführt. Nicht zweckentsprechend ist das Knicken oder der Genickstich, j welcher nur die Verbindung des Rückenmarks mit dem Gehirn unterbricht und dadurch Bewegungslosigkeit herbciführt, das Bewußtsein, und damit das Schmerzgefühl, aber bestehen läßt, daher gänzlich zu verwerfen ist. Ganz ohne Betäubung findet das Schlachten bei dem sogenannten Schächten der Israeliten statt. . - „Hier wird das Thier geknebelt (!)rmd gewaltsam zur Erde geworfen, wodurch oft schwere Verletzungen, Nippcnbrüche und Brüche des Hüftbeines, das Abstößen eines Horncs rc. (?) Vorkommen, was an nnd sür sich als eine Grausamkeit zu betrachten ist. Dann bringt man das Thier in die Rückenlage, wobei der Kopf, gewaltsam ans die Hörner gestützt, umgedrcht wird, so daß die untere Hals-