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Der Israelit · 1886-05-10 · Heft 37 (10.5.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 37 (10.5.1886)
Date
1886-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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634 eindrucksvoll sein und bleiben. Diejenigen daher, welche die Thora lernen und vergcffcn, zeigen dadurch, dag sie die Thora nicht mit so heißer Liebe ersaßen wie es sich geziemt; sic veruichren gleichsam selbst die einzelnen Tropfen des heiligen Gcwäffers, von denen sie glauben, daß sie ihnen entfallen seien. Nicht so Nabbi Eliescr; er ließ sich nicht ein Tröpfchen entgehen, hielt alles vielmehr uncnrrcißbar fest. Dian könnte auch sagen, daß der'ganze Zusatz 7-Lv iivs überflüssig sei, da diese Tharsache schon in den Worten td -jo inbegriffen ist. Wir müffcn jedoch erwägen, daß stehendes, in der Eisterne augesammcltes Wasser manche Nachthcile hat; es wird leicht trübe und nimmt den Geschmack des td,. des Ecments an, mit welchem die Eiftenre verdichtet wurde. Daher fügt Rabbon Jochanan die Worte, nrv -orr2 vrw hinzu. Nur in dieser Beziehung gleicht Rabbi Elieser der ccmentincn Cistenie, daß er keinen Tropfen vernichtet; aber das Wasser, das man aus dem Brunnen seiner Gelehrsamkeit schöpft, ist klar und rein und wohlschmeckend. Dieser Gedanke ist in der von uns oben angeführten Stelle ausdrücklich erwähnt: Als einst Rabbi Elieser an einem Nenmondstage seinen Lehrer besuchte, fragte ihn Rabbon Jochanan den Sackai: -.'io: p \invb -ps na Vd'j rroso np:s ,D'D bar -jnd Du Brunnen, angefüllt mit Wasser, das frei ist von allen schlechten Bestandtheilen, wozu bedarfst Tu des Jochanan ben Sackai? — „Josua — Heil der Mutter, die ihn geboren!" Es gibt wohl kaum ein größeres Lob, das man einem Menschen spenden kann als das, daß man die Mutter glücklich preist, die einen solchen Sohn geboren. In der That erscheint die Persönlichkeit des Rabbi Josua ben Ehananja als eine in allen Beziehungen harmonisch vollendete. Sein Geist umfaßte die ganze Gotteölehre und alles übrige menschliche Wissen. Nicht allein von seinem Volke ward er als dessen großen Lehrer hochverehrt, auch am kaiserlichen Hofe genoß er eines großen Ansehens, und Kaiser Hadrian suchte bei ihm vielfach Belehrung. In gelehrtem Wettstreite besiegte Rabbi Josua die Weisen von Alexandrien und die Weisen von Athen. Dabei war er sanft und liebevoll gegen Jedermann und uneigennützig im höchsten Grade, derart, daß er bis in sein spätes Alter sich von seinem Handwerke — er war Nadelmacher — ernährteer war der'Wohlthäter seines Bolkes und schützte es in trüber Zeit vor Verzweiselung: er war demüthig und bescheiden und tief; selbst schwere Beleidigungen über sich ergehen. Wahrlich, man darf die Mutter glücklich preisen, die einen solchen Sohn geboren! Die Erklärer unsrer Maßechta hüben sich vielfach mit der Frage beschäftigt, warum Rabbon Jochanan die Mutter dieses Sohnes glücklich pries und nicht auch den Vater. Wir haben bereits an ariderer Stelle erwähnt, daß nach der ErHhlnag unsrer Weisen die DKttter Rabbi Josuas ein besonderes Verdienst um die Heranbildung ihres Sohnes hatte. Sie brachte es, als das Küü» noch in der Wiege lag, in das Lchrhaus, damit die ersten Eindrücke, die dcrKnabc in sich ausuahm, Thora und nichts als Thora seien. — Manche Erklärer finden in de» Worten Rabbon Jochanans ausgesprochen, daß vorzugsweise die RKitter es ist, welche.in religiöser und sittlicher Beziehung aus die Kinder einwirkt. So lehren auch die Weisen, daß die meisten Söhne nach den Brüdern der Mutter. arte», da naturgemäß die Mutter ihren Kindern eine solche Erziehung gibt, wie sie gesehen, daß ihre Eltern ihre Brüder erzogen haben. Und weil Rabbon Jochanan die hohe Sittlichkeit, die innige Frömmigkeit, die liebenswürdigen Eharaktereigenschasten seines Schülers Josua noch höher schätzte als dessen große Weisheit und unermeßliche Gelehrsamkeit, deßhalb hob er die Mutter hervor, deren Einfluß ans den Sohn in Bezug auf dessen Sitten ein ungleich größerer ist als der des Vaters. Unterstützt wird diese Ansicht durch eine Mischnah in Jdioth (C. 2. Halachah 9), in der angegeben wird, daß der Einfluß des Vaters auf den Sohn sich bezieht auf Schönheit, Stärke, Reichrhum, Weisheit und Lebensdauer, woraus man folgern will, daß die Eigenschaften des Gemüths und des Charakters vorzugsweise von der Mutter stammen. ' Das Alles schließt jedoch nicht aus, daß nicht auch der Vater eines vorzüglichen Sohnes glücklich Lu preisen sei. Wir wollen daher s. G. w. im nächsten Kapitel eine andere Erklärung zu geben versuchen, welche das Verhältniß der beiden Eltern zu ihren.Kindern aus der Tiefe der darüber geltenden religiösen Vorschriften entwickeln wird. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. Schädigen die Kirchhöfe die Gesundheit derLebenden? Vonvr.meck.Rudolph Müller. Verlag vonE.L. Knecht. Dresden — A. Bismarlplatz 7. 1885. Preis 0,50 M. Es ist bei der m's Maßlose sich steigernden Agitation für die Verbrennung der Leichen ein gradczu wohlthiicndes Gefühl auch einmal der gegnerischen Ansicht von competmter Seite her Aus-

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