Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1886)
- Date
- 1886-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXYIL Zahrgasg. 3 V. Kentrak - Hrgan für das orLHodore Zudenthum. Herausgegebeu von Dr. Lehman« in Maiuz. - " - /5-7 i Montag, de u LV. Mai «S4S (I88S). '7''7"- Leitender Artikel. Me Sprüche der Mater. IX. Guch, zweite Abtheilnng. - IV. ' Mainz, 6. Mai. „Er- (Nabbon Jochanan ben Sackai) pflegte ihr (der obengenannten fünf Schüler) Lob zu bestimmen: Elicser ben Horkinas gleicht einer cementirten Cisterne, die keinen Tropfen verliert, Josua: Heil der^die ihn geboren, Jose ist ein Ehaßid, Schimeon ben Neßanel fürchtet die Sünde und Elasar ben Arach gleicht einer sprudelnden Quelle." Im heiligen Lande, wie in vielen andern südlichen Ländern, wird das Regenwasfer zur Regenzeit in wohlausgemauerten Bassins, die man Eisterncn nennt, gesammelt, um zur Zeit der Trockenheit, da die Quellen versiegen, für alle Bedürfnisse des Lebens bereit gehalten zu werden. Einer solchen Eisterne, in die der himmlische Regen hinemströmt und oie von dem aufgenommenen Segensstrome keinen Tropfen verliert, vergleicht der Lehrer feinen Schüler Elieser ben Horkinas. Alle religiösen Vorschriften und alle Gegenstände des Wissens, die Rabbi Elieser von seinen Lehrern ausgenommen, waren bei ihm wohl verwahrt und blieben unverloren. Nicht etwa, daß Nabbon Jochanan das große und vorzügliche Gedächtniß seines Schülers rühmen wollte; es gibt Leute, die von Statur ein umfassendes Gedächtniß besitzen und darin allerlei unnütze Dinge ablagern, und wiederum gibt es Leute, deren Gedächtniß von Statur gar nicht besonders stark ist, die aber aus Liebe zu den Wissenschaften cs in wunderbarer Weise zu stärken verstehen. So pflegten Zeitgenossen in Bezug auf den durch seine unermeßliche Gelehrsamkeit weltberühmten Rabbi Moscheh Sofer 5"p"i"s"r zu sagen,' er habe „einen gemachten Sickoraun" gehabt, das heiß^ er habe sein natürliches Gedächtniß durch seine. unendliche Willenskraft gestärkt und gekrästigt. « In ähnlicher Weise haben wir das Lob anfzufaffen, welches Nabbon Jochanan dem Rabbi Elieser ben Horkmas spendet. Weil Rabbi Elieser die Weisheit sehr liebte, und die Gotteslehre ihm thenrer.warals alle Schatze, deßhalb nahm er Alles, was er. Don seinen Lehrern empfing, mit: der größten Liebe entgegen, deßhalb lernte er nicht nur Dasjenige, was ihm gefiel und. was ihm Freude machte,-.sondern alles, alles mit der größten Aufmerksamkeit,: und das so Erlernte machte daher einen tiefen Eindruck und blieb unauslöschlich in seinem Gedächtnisse. So sagt auch der heilige Sänger (Psalm -119, V. 129). . , ' :-.:w ,;v; .; .»0M orrsa-.-p ty.'pnny „Wunderbar sind Deine Zeugnisse .deßhalb hält fest sie meine Seele." . So Jemand ein Wunder ficht mit eigenen Augen — er wird es niemals vergessen; gerade so macht jedes Wort,, jede Halachah einen unauslöschlichen Eindruck — Mt dieser Erörterung ist auch die. Frage beantwortet, warum Raböon Jochanan sagt reo nasü ii'Hü. niD .iQ, eine ccmcntirte Eisterne, die keinen Tropfen vernichtet; mau hätte erwartet 70a i2irr u'^ die keinen Tropfen verliert. Oberflächlich genommen erscheint das Gedächtniß als eine Seelenkraftdie * nicht von nufcrm Willen abhängt; der Eine bat ein gutes, der Andere ein schwaches Gedächtniß, der Eine hält eisenfest, was er gelernt hat, der Andere vergißt es bald wieder. Aber es gibt Dinge, die einen solchen Eindruck ans jeden Menschen machen, daß selbst die Gedächtnißschwachen sie niemals vergessen. Wenn man nun die Thora liebt mit heißer, unendlicher Liebe, so lvird jedes Wort derselben