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Der Israelit · 1886-08-12 · Heft 64 (12.8.1886) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 64 (12.8.1886)
Date
1886-08-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Sohnes und bald nachher dessen Uran. Sie ist chtt große, vornehme Dame, die durch den Wlaiij ihrer Toilette und ihrer Feste berühmt ist, eine bewunderte Schönheit, der die der Hauptstadt ihre Huldigungen darbrinnt. ~ L6ie Du weiht, habe ich unterdes; eifrig meinen Studien obgelcgcn. Als ich mich hier als junger Arzt niederlicst und vorerst ans die Armenpraxis angewiesen war, hatte ich das Gluck, das; mir einige schwierige Operationen gelangen und einige Schwertrauke unter meiner ärztlichen Leitung und Pflege der Genesung entgcgcnschritten. Bald gestaltete sich meine Praxis zu einer recht lohnenden; ich durfte meine gute Mutter ans ihrer dienenden Stellung befreien und zu mir hierher nehmen. Meine ersten Ersparniffe habe ich dazu verwendet, meine Schuld an Olga abzutragen, und heute habe ich die letzte Rate an die Frau Commissionsrath Zantow in Berlin abgeschickt." „„An Frau Zantow? Der junge Zantow war Dein glücklicher Nebenbuhler?"" „Du kennst ihn?" „„Ich habe ihn gekannt. Er weilt nicht mehr unter den Lebenden. Er har ein schreckliches Ende genommen. Als fein Vater im vorigen Jahre starb, liest der Sohn sich in tollkühne Spekulationen ein. Das Ende war, das; er sich eine Kugel durch den Kopf schotz." 4- * -k- Am nächsten Tage wurden die Patienten Dr. Lestmanns durch die Mittheilung unangenehm berührt, dast sein College, Herr Tr. Fischer, ihn eine -Zeit lang vertreten werde, da er in dringenden Familienangelegenheiten nach Berlin reisen müsse. Frau Eommissionsrath Zantow säst einsam und trauernd in einem Zimmerchen in der Nosenstraße. Sie hatte das Palais in der Thiergartenstrastc, welches sie vorher bewohnte, verlassen muffen. Von ihrem großen Vermögen war ihr fast nichts geblieben. Arm und vereinsamr, wußte sie nicht, was sie beginnen sollte. Einen Augenblick kam ihr der Gedanke, zu ihren Verwandten am Rhein zurückzukehren; doch verwarf sie ihn bald. Sie hatte diese -lieblosen Verwandten während ihres Glückes ganz vernachlässigt. Welche Aufnahme durste sie von ihnen erwarten? Da fam der Briesbote und brachte ihr ein mit :«)« Thalern beschwertes Schreiben. Das Geld fom von Lehmann; es war der letzte Rest seiner Schuld. So groß auch Olga's Freude darüber war, das; sie nunmehr eine Zeit lang sorgenfrei von diesem Gelbe leben konnte, so wehe that ihr die Erinnerung an den Jugendfreund, dem sie sich einst als Kind versprochen und den sie nachher vergessen hatte. „Ich höre", sprach sie vor sich hin, „das; er ein geschickter Arzt geworden und sich einer bedeutenbcit Praxis erfreut. Wahrscheinlich ist er verheiratet und lebt glücklich im Schönste seiner Familie. Möge es ihm immer gut gehen! Mir ist für meinen Wortbrnch die gerechte Strafe geworden." Es wurde an die Thüre geklopft, und auf Olga's Hereinruf, trat ein stattlicher, seingekleideter Herr ins Zimmer. „Gnädige Frau", sagte er, sich verneigend, „gestatten Sie mir, eine alte Schuld ihnen abzutrügen. Mein Name ist Dr. Lcstmann ans Köln." Olga war einer Ohnmacht nahe. War das der schmächtige Jüngling, der sich ihrer einst so wohwolleud angenommen hatte? Mühsam faßte sie sich. „Herr Doktor", stammelte sie, „Sie sind mir nichts mehr schuldig. Heute brachte mir der Postbote den letzten Nest meines Guthabens." „„Wohl habe ich Ihnen, gnädige Frau, das Kapital zurückbezahlt; aber ich schulde Ihnen die Zinsen."" „Habe ich nicht einst bei Ihnen gelernt, daß cs uns Juden verboten ist, Zinsen zu nehmen oder zu geben?" „„Gnädige Frau,"" sagte Lestmann lächelnd, „„es gibt Tinge, die erlaubte Zinsen tragen; dazu gehören, wie wir es täglich in nnserm Gebete erwähnen, die Werke der Wohlthätigkeit. Ihnen, liebe Olga — gestatten Sie mir, Sie wieder so zu nennen, wie in den Tagen der Jugend — habe ich mein Glück, meine ganze Existenz zu verdanken. Was wäre ohne Ihre reichliche Unterstützung aus

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