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Der Israelit · 1886-08-12 · Heft 64 (12.8.1886) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 64 (12.8.1886)
Date
1886-08-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
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II flcffcii frtiiti. ('in Vic'tlerjahr laug hatte ich die. beiden meines Lehrerbet ufs derart gekostet, daß ich fest entschlossen war, ifobcr mein Brod au den Thüren zu erbetteln als länger in diesem ungastlichen Hause zu verweilen. Ta trat ein Ereignis; ein, das mich an dasselbe fesselte. Ter Bruder meiner Prinzipalin, der in einem benachbarten Städtchen gewohnt hatte, starb und hinterlies; ein einziges Töchterchen, welchesschon früher die Mutter verloren hatte. Die Tante mußte sich des verlassenen Mädchens annehmen, das weiter keine Verwandte, 'nur noch einen Onkel in Amerika hafte. Die kleine, zehnjährige Olga war ein wunderbar schönes.st ind, und ich gewann sie lieb von dem Augenblick an, als ich sie zum ersten Male sah. Dazu kam ein unendliches Mitleid, das ich für die unglückliche Waise empfand. Olga war bis vor kurzer Zeit der verwöhnte Liebling zärtlicher Eltern gewesen, und jetzt wurde sie von lieblosen Verwandten gequält, gepeinigt und mißhandelt. Sie war das Aschenbrödel des Hauses. Die Cousinen konnten ihr nicht verzeihen, daß sie viel schöner war als sie. Sie quälten das arme Kind unablässig, während die Buben ihr allerlei Schabernack spielten. Die Tante war von demselben Neide beseelt wie ihre Töchter, und der Onkel stand ganz unter dem Pantoffel seiner Frau. Olga sollte eigentlich an dem llnterricht regelmäßig Theil nehmen, allein dazu blieb ihr wenig Zeit. Sie war die Sklavin der ganzen Familie und wehe ihr, wenn sie selbst dem jüngsten Kinde den Gehorsam versagen wollte! Da wurde das „Bettetmädchen", das nur das Gnadcnbrod im Hause aß, mit Schimpfworten verfolgt und mit Schlägen bedroht. Ich war ihr einziger Freund und nahm mich ihrer an. soviel es in meinen Kräften stand: ich entzog mir den Schlaf, um sie in den frühen Morgenstunden zu unterrichten. 'lUit rührender Liebe hing sie an mir, und als ich einst die Absicht aussprach, meine Stelle auszugeben, nng sie an bitterlich zu weinen. Ich suchte sie zu trösten und versprach ihr, sie nicht zu verlassen. Ich werde, sagte ich ihr, trotz aller Ungunst der Verhältnisse meinen Plan, Medicin zu studieren, noch durchsetzen. Tann werde ich ein hochaugesehener Dokror, und Tu wirft meine >»>» *"** * * Frau Doktorin. -- Sie trocknete ihre Thräncn und sah mich mit einem so innigen dankbaren Blick an. daß er mir tief ins Herz drang. Vorr mm au und weiter nannten wir uns, wenn wir allein waren: Herr Dokror und Fron Doktor." Dr. Lcßmann schwieg und starrte gedankellvoll vor sich hin. „„Was ist aus dem Kinde geworden?"" fragte sein Freund. „„Ist es gestorben, ist es auf Abwege gerathen? Warum hast Du sie nicht zur Frau Toctor gemacht?"" „Sie ist eine große Dame geworden und hat den Freund ihrer .Kindheit vergessen. Drei Jahre waren vergangen, als die Nachricht kam, daß Okga's Onkel in Amerika, der Bruder ihrer Mutter, als Junggeselle gestorben und feiner Nichte sein großes Vermögen im Betrage von mehr als 100,000 Dollar hinterlassen habe. Ihr wurde ein Vormund bestellt, der das junge Mädchen in ein vornehmes jüdisches Institut schickte. Olga bat ihren Vormund, mir ans ihrem Einkommen die Mittel zu gewahren, daß ich meine Studien wieder aufnehme» könnte. Da der Vormund diese Bitte nach den besteheuden Gesetzen nicht gewähren konnte, so sauber den Ausweg, mir die erforderlichen Gelder in der Form eines Darlehens ans seinen eigenen Mitteln zu überreichen, um die Sumnte dann später mir Olga nach deren Mündigwerdung zu verrechnen. Der Vormund war ein Jugendfreund ihres Onkels gewesen und von diesem mir dem Aufträge betraut worden, das Vermögen seiner Nichte zu verwalten. Olga war ihrem Vormunde für sein Entgegenkommen außerordentlich dankbar, und von diesem Augenblicke au sah sie in ihm nur ihren väterlichen Freund. Wunderbare Tinge geschehen in der Welt, und eine höhere Hand lenkt unsere Geschicke. Was einerseits meine Verhältnisse glücklich gestaltete, sollte andererseits für mich zu einer Quelle tiefer Berrübniß werden. Als Olga nach einigen Jahren als eine vollendete, junge Dame das Institut verließ, folgte sie vertrauensvoll ihrem Vormunde in dessen Haus. Harre er doch durch sein edles, uneigennütziges Benehmen mir gegenüber ihr ganzes Vertrauen gewonnen! Sie wurde die Brau: seines *!'1? W-igy lykayg jsrn wyis

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