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Der Israelit · 1886-08-12 · Heft 64 (12.8.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 64 (12.8.1886)
Date
1886-08-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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111(1 bischen Wcrjic <m. 6in indisches Gesetz, behauptete er, gebiete den bilden, die Christen zu töDtcu und darum sollte der Gesimdheitsralh keinen Inden mehr zur ärztlichen Praxis zu lassen U R n fj l n n d. lieber die Unruhen im Städtchen Torgowize im Kicwer Gouvernement wird -- in Ergänzung früherer Berichte — Folgendes gemeldet: Am Sonntag den 18. Juli fand in Torgowize ein Jahrmarkt statt, zu welchem eine Masse Bauern and dem Umaner, Swcnigorodcr und Elisabethgrader Kreise gekommen war. Zwischen den einheimischen und auswärtigen Händlern kam es bei dieser Gelegenheit zu Mißverständnissen. Die einheimischen Händler, größtcnthcils Juden, führten bereits früher bei ber Ortsbehörde darüber Klagen daß die auswärtigen Händler — ebenfalls fast lauter Juden — ihnen große Konkurrenz machen, und petitionirten, den Letzteren den Handel ans den Jahrmärkten zu verbieten. In Berücksichtigung Vieser Beschwerde verfügte der Urjadnik die Verlegung des Marktes für die auswärtigen Händler nach einem von der Stadt mehr entfernten Orte, so daß die einheimischen Händler ihren besonderen Markt hatten. In Folge dieser Maßregel reducirten aber die auswärtigen Händler die Preise ihrer Maaren derart, daß sie alle Käufer nach' ihrem Markte lockten. Die einheimischen Händler wendeten sich daher nochmals an ihre Ortsbchörde mit der Bitte, den answürtigen'Jnden den Markthandel ganz zu verbieten. Um also allen weiteren Beschwerden ein Ziel zu setzen, ließ der Urjadnik nur solche auswärtige Händler zum Markte zu, welche sich durch entsprechende Handclsdocumente legitimiren konnten. Als derselbe auch am 18. Juli von den massenhaft zugeströmten Händlern die Dokumente verlangte, kam es zu Streitigkeiten, in welchem sich auch Fremde einmengren. Dazu verbreitete sich noch unter den Bauern das Gerücht, daß nach einem kaiserlichen Ukas der Zitz zu 5 Kopeken per Arschin verkauft werden müsse, aus welchem Grunde zwischen Käufen! und .Händlern ebenfalls Streitigkeiten entstanden. Die zweifachen Streitigkeiten nahmen bald einen ernsthaften Charakter an, so daß binnen wenigen Minuten der ganze Markt in Aufruhr ftand. Unzählige Landen von 50—100 Bauern ftünnteii pfeifend und johlend in die jüdischen Läden, wo sie Alles zerbrachen, zerripen und vernichteten. Ter Urjadnik rettete sich mit schwerer Mühe vor der ihn verfolgenden Menge in das Hans des russ. Kaufmanns Smirnow, von welchem die Menge die Auslieferung desselben kategorisch verlangte, bis sie durch die Erklärung beschwichtigt wurde, daß der Urjadnik durch eine Hinterlhür entftohen sei. Mährend der Unruhen fand gerade in der Stadlkirche ein Gottesdienst statt. Als der Geistliche Janorvski von den Unruhen hörte, begab er sich im vollen Ornate mit dem Kreuze in der Hand hinaus und forderte die Menge anf, ihre Unthateu ciuzustellen. Die überzeugende Rede des Geistlichen verfehlte nicht ihre Wirkung, und die Bauern begangen, sich etwas ruhiger zu verhalten. Cs wurden sofort Maßregeln getroffen, um den weiteren Zufluß von Bauern zu'verhindern. Das Resultat der Unruhen war, daß acht jüdische Läden vollständig ausgeplündert waren und den Besitzern derselben ein Schaden von mehr __ als 20.000 Rubeln zugcfügt wurde. In Privathäusern der Inden wurde alles Meublement zerstört, und retteten sich die Meisten vor der wüthenden Menge in die Keller. Als die Ordnung wicderhergestellt war, langte der Kiewer General-Gouverneur im Städtchen an, welcher sofort eine strenge Untersuchung emleitete. ES wurden in zahlreichen Bauertlhänfern Durchsuchungen vorgenommen, wobei eine Menge geraubter Maaren und werthvoller Gegenstände gefunden wurde, welche die Bauern nicht gutwillig ausfolgen wollten. In Folge dopen kam es wiederum zu heftigen Sccnen zrvischen der Polizei und den Bauern, welche zahlreiche Lerhafttmgen zu Folge hatten. Petersburg. Wie leicht von der Militärbehörde jüd. Militärpflichtige als Deserteure bezeichnet werden, erhellt aus folgenden! Fall. Ein jüscher Chemiker, Namens Frank, geboren in Mariapol und in Rostow wohnhaft, wurde in letzterem Platze in die Armee eingereihr. Nach seiner Entlastung siedelte er nach Moskau über. Dort erhielt er nach einiger Zeit Ordre sich in Mariapol zum Militär zu stellen. Er rcmonstrirte gegen diese Einberufung und viele Briefe wurden dieserhalb gewechselt. In der Zwischenzeit wurde, wie in Rußland üblich, ein anderer Jude an Stelle Franks confcribirt, in ein Regiment in Eentral-Asien gesteckt und Frank in den Militärlisten als Deserteur eingeschrieben. Den in Horodenka abgebrannten Juden hat Baron v. Hirsch in Paris 10,000 fl. geschickt. Im indischen Asnle in Lublin starb ein Insaffe im Alrer von 110 Jahren. fs i I 1 i

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