Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 64 (12.8.1886)
- Date
- 1886-08-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Wichae k. Erzählung von S. Lohn, Verfasser von Gabriel. . (Fortsetzung.) „Ich danke Ihnen hcrzlichst für Ihr gütiges Anerbieten," erwiderte Brack dem Herrn Pfarrer, „aber ich muß es doch vorher reiflich erwägen, ob ich dasselbe auch annehmen kann. Es steilen sich dem schönen verlockenden Projekte, Schwierigkeiten verschiedener Art entgegen. Wenn auch Sie, Hochwürden, in Ihrer bekannten Herzensgüte die Gewogenheit haben, meinen Wegesohn unentgeltlich zu unterrichten; so wird er doch später, wenn er etwa in den letzten Jahrgängen das Gymnasium, in einer fremden Stadt besuchen muß und auch wenn er die Universität bezieht, einer großen, materiellen Unterstützung bedürfen, die ich kauut zu leisten im Stande sein werde. Wie Sie, hochwürdiger Herr, wigen, bin ich kein reicher Mann: Ueberdics sehe ich auch schon in den nächsten Tagen mit Gottes Hilfe einer Vergrößerung meiner Familie entgegen. Ich werde natürlich, so lang ich lebe, die Pflicht, die ich gegen meinen Pflegesohn übernommen, unter allen Umständen pünktlich erfüllen; aber ich habe ja auch heilige Pflichten gegen mein leibliches Kind und während sich voraussichtlich mein mäßiges Einkommen kaum vcrniehren wird, werde ich erhöhte Ausgaben zu bestreiten haben. Unter solchen Umständen, scheint cs mir auch für Michael am zweckmäßigsten, ihn einen solchen Berns ergreifen zu laffcn, in welchem er sobald als eben möglich selbstständig wird und sich seinen Lebensunterhalt in ehrlicher und ehrenhafter Weise allein erwerben kann. Aber selbst wenn ich rnich zu den schwersten und härtesten Opfern für Michael entschlöpe, so gäbe es doch kein erreichbares Ziel, an das mein Michael durch Unwersilätsstudien gelangen könnte. Er kann weder als Jurist noch als Mediziner in unserem Kaiscrftaate irgend eine Stellung erringen. Ein Jude kann an keiner österreichischen Universität zum Doktor promovirt werden. In Prag gibt es Zwar jüdische Aerzte, aber diese haben ihren Doktorhut an einer ausländischen, an einer deutschen Universität erlangt. Diese große Auslage werde ich ganz gewiß nicht erschwinge» können^ (^3 würde mich wohl sehr freuen, wenn mein'Michael die wissenschaftliche Laufbahn einschlagen konnte, aber wenn er sich nicht hierdurch einmal, wenn auch svät, sein Brod erwerben kann, iväre es gewissenlos von mir, ihn in eine vollkommen' auhaltbare Stellung gebracht zu haben, und er wäre einst berechtigt mir hierüber Borwürfe zu machen." „Ich höre mit jedem Worte den gewissenhasteu, klugen, Alles erwägenden Mann, aber Ihre Boranssctznngen sind nicht zutreffend. Gestatten Sie mir, sie zu widerlegen. Ich hoffe, Ihr Michael wird, während er die letzten zwei Jahrgänge des Gymnasiums und die Universität besucht, Ihnen nicht mehr zur Last fallen, er wird für seine eigenen Bedürfnisse sorgen können. Es gibt ja eine große Zahl mittelloser Studenten, welche ihren Lebensunterhalt durch Unterrichtertheilen gewinnen. Tie Unterrichtsanstalten sind, wie auch billig und gerecht, für Durchschnittsschüler berechnet, allein Ihr Pflegcsohn steht bezüglich seiner Naturgaben weit über dem Niveau der Gewöhnlichkeit und bei seiner raschen Auffassung wird er die nöthige Zeit zum llnterrichterthcilen gewinnen, ich kenne das ja aus eigener Erfahrung, und somit wäre, wie ich hoffe, eines. Ihrer Bedenken siegreich aus dem Felde geschlagen. Was aber die Zukunft Ihres Sohnes betrifft, scheinen Sie an die Wandlung der Zeitverhältnisse vergelten zu haben. Jetzt regiert Kaiser Josef in Oesterreich und der wird, wenn auch, der Natur der Sache entsprechend, nur nach und nach doch alle Unterschiede, welche die frühere Gesetzgebung zwischen den Staatsbürgern, nach deren Geburt oder deren Bekenntniß, errichtet, wegräumen, und ich bin in der angenehmen Lage Ihnen die freudige Nachricht mitzutheilen, daß der große Monarch und Mensch wieder einen bedeutsamen Schritt vorwärts gerhan, der speziell für den Gegenstand unserer Verhandlung von höchster Wichtigkeit ist. Das jüngste Hofdekretr) bestimmt, daß Studirende jüdischen Bekenntnisses an allen weltlichen Fakultäten zu Doktoren promovirt iuevbcrtjomten." „Das ist in der That eine Freudenbotschaft, hochwürdiger Herr," sprach Brack, „nicht nur für mich, sondern für die gesammte Judenheit. Dieser Akt kaiserlicher Gerechtigkeit wird nicht allein den Bckennern des mosaischen Glaubens, er wird auch der ganzen Gesammtheit zu Gute kommen. Biele begabte Menschen werben nun ihre Kraft, die bisher durch sinnlose despotische Gesetze gebunden war, frei zum allgemeinen Wähle entwickeln können. I) Lvur Jahre 1782.