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Der Israelit · 1886-08-12 · Heft 64 (12.8.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 64 (12.8.1886)
Date
1886-08-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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als er zu Gott betete, zuvor die Herrlichkeit seines Schöpfers pries (5. L. M. E. 3. V. 23—24—25). Die dreizehn mittleren Segenssprüche bilden das eigentliche Bittgebet und erstehen vom Allmächtigen Alles, was uns nothwcndig und gut ist. Die drei letzten Segenssprüche enthalten den Wunsch, daß Gott unser Gebet gnädig annehme, den Dank für Alles, was Er uns bisher erwiesen und die Litte um Friede und Vollkommenheit. In allen nufer» Gebeten beten wir in der Mehrzahl. Kein Israelit, keine Israelitin betet für sich allein, sondern stets für die Gesammtheit; was wir von Gott erbitten, soll nicht nur uns, sondern Allen zu Gute kotnmen. Wer da betet, muß den Sinn der Worte verstehen, die er spricht, und sie im Herzen empfinden. Er muß bedenken, daß er dem allmächtigen Gotte, dem Schöpfer des Weltalls, dem Könige aller Könige gegenübersteht und au Ihn seine Worte richtet; er muß alle fremden Gedanken und alles störende von sich fern halten; ec muß stehen, die Füße gerade an einander, das Haupt gesenkt, die Hände auf der Brust ineinandergelegt. Kömmt ihm unwillkürlich ein störender Gedanke, so soll er schweigen, bis es ihm gelungen, sich wieder zu sammeln , und nicht gedankenlos weitersprecheu. Es ist ungemein schwer, das sich täglich dreimal wiederholende Gebetstets mit voller Andacht zu verrichten; allein, mit ernstem Willen läßt es sich erreichen. Einst kam ein frommer und gelehrter Mann zu einem große» Kabalisten und bat, ihn in der Kabalah zu unterrichten; er wollte sich gern zuvor jeder Prüfnng unterwerfen. Es ist Minchahzcit, sagte der Rabbi, bete das Minchahgebet mit Verständniß der Worte und mit Andacht des Herzens. Der Schüler, . erfreut ob der leichten Prüfung, die ihm aufgelegt war worden , stellte sich hin und betete. Als . er fertig war, mußte er gestehen, daß es ihm nicht gelungen sei; mehrfach waren ihm fremde Gedanken gekommen, so daß er die Worte des Gebetes gesprochen, ohne ihren Sinn sich vergegenwärtigt zu haben. — Rabbi Ioselmann von Rosheim, der berühmte Befehlshaber der gesammten deutschen Judeuheit, gibt uns in einer. feiner Schriften (angeführr von fLnr *pr) eine Anleitung , wie wir cs machen sollen, um zu der hohen Stufe zu gelangen, daß wir in voller Andacht beten. Nimm dir zuerst» schreibt er, einen einzigen Vers, also Schema Jisroel, und sprich ihn mit voller Andacht und vollem Verständniß jedesmal und derart, daß du dich daran gewöhnst, ihn gar nicht anoers sprechen zu können. Ist dir das gelungen, so nimm dir den zweiten Vers so vor und nach und nach alles Ändere. Hast dn das in Bezug ans Krlath Schema vollbracht, so verfahre ln gleicher Weife mit der Tephittah, zuerst die erste Lerachah, dann die zweite und nach und nach all die andern. So fahre allmählich fort, bis dn dazu gelangst, jedes Gebetstück und jede Lerachah mit vottein Verständniß und voller Andacht zn sprechen. Auch auf das Lesen in der Heiligen Schrift und das Lernen der mündlichen Lehre mußt du diese Methode anwenden. Wenn es dir auch anfänglich schwer fällt, so wird es dir immer leichter und leichter werden, und du wirst in allem deinen Denken und Thun die höchste Vollkommenheit erreichen. So hat auch Rabbi Elieser gesagt (Berachoth 6): Jeder, der andächtig betet, wird beglückt sein in dieser Welt und wird erlangen die ewige Seligkeit. — Ein großes Mittel zur Erwirkung und zur Erhebung der Andacht ist, gemeinsam mit andern Andächtigen in dem zum Gebete bestimmten Raume, in der Synagoge zn beten. Schon durch den Ort wie durch das Beisammensein mit Gleichgesinnten wird man zur Andacht gcftilnmt. Biele wichtige Gebete können ja nur in gemeinsamer Andacht gesprochen werden. Rur muß man da doppelt sorgfältig fein. Andere nicht zu stören und sich auch nicht von Andern stören zu lassen. Auf Denjenigen, welcher regelmäßig die Synagoge besucht und andächtig daselbst betet, beziehen sich die Verse (Mischte E. 8. V. 34 u. 35): „Heil dem Menschen, der auf Mich hört, tagtäglich an Meines Hauses Thnren eilt, frühzeitig über die Schwelle der Pforte des Gotteshauses zu schreiten; denn, wer Mich findet, hat Leben geftmden und trägt mit sich hinweg die Gnade des Allherrn." (Fortsetzung folgt.) Zu Zchaööoth' Aachamu. Boa Dr. H. Sänger. Eine Ntcrkwürdigc Prophezeiung wird uns am 12.12 rer durch den Propheten Jesaias in folgenden Worten: 't -pt 22 -irr22 snip bip. „Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnet den Weg des Ewigen „irpt's? r£o2 raiye nr* ebnet in der Steppe eine Straße unserem Gotte." xrj* sr2 re „jedes Thal erhebe sich" ti vm esr* n>en „und jeder Berg und Hügel senke sich" t:t2^ 2^:1 rrn? „mib es werde die Krümmung zur Ebene" z-zirm „und die Höcker zum Thule" ^zr H 2 rrr -irz 72 isn? '"r -rz2 rbsst „und es wird offenbar die Herrlichkeit des Ewigen I und schauen wird sie alles Fleisch allzumal, denn l der Mund des Ewigen hat geredet."

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