Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 63 (9.8.1886)
- Date
- 1886-08-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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dem Judeuthume werden, wenn nnsere kommende Generation so heranwächst- Dabei ist nicht zu übersehen, daß, wie es auch statistisch nachweisbar ist, kaum der 3. Theil der Schüler, welche iu's Gymnasium oder in die Realschule treten, beim Studium ausharrt; der vorwiegend größere Theil tritt nach Absolvirung des Untergymnasiums oder der llnterrcalschule aus, wendet sich dem Handel oder Gewerbe zu, und da drängt sich die Frage auf.: Muß man denn, um. ein tüchtiger Kaufmann oder Meister zu sein, auch v"n na# &no sein? Schon unsere Weisen lehren: pa yn oy mm ns\ Gottesfurcht / Beobachtung der Religionsgesetze steht der Bildung und dem Fortschritte nicht im Wege, beide lassen sich' ganz harmonisch vereinigen: und eben diese Ueberzeugung war es, welche die hiesige orth.-isr. Cultusgemeiude bewog, ein Institut iu's Leben zu rufen, in welchem die jüdische Jugend mit dem für's Leben nothwendigen Maß von Kenntnissen und Wissenschaften tüchtig ausgerüstet, dabei aber auch zu frommen, gesetzestreuen Israeliten erzogen werden soll!! — An dieser nach Aeußerung des mspicirenden Schulinspectors, Hrn. königl. Rath Joseph von Roth, den diesbezüglichen Gesetzen vollkommen entsprechenden Schule wirkten bisher 5 Fachprofessoren, welche mit dem Unterrichte in sämmtlichen commerziellen Fächern, als Buchführung, kaufmänn. Correspondenz, Wechsel- und Waarenkunde, Rechnen, Geographie und Geschichte, Vaterlandskunde, Naturgeschichte und Physik, deutsche, ungarische und französische Sprache die Vormittage occnpirteu, indeß die Nachmittage für die hebräischen Gegenstände reservirt blieben, und zwar wurde unterrichtet, n^nn ,"ff-> 's oy train, jüdische Literatur und Geschichte, und für die Befähigten auch ^2. ■— Für die neu zu eröffnende 2. Klasse wird selbstverständlich der Kreis der Lehrgegenstände und der Professoren erweitert. Auch wird für passende Unterbringung auswärtiger Kinder.in anständigen und religiösen Häusern Vorsorge getroffen. Es ist nun Pflicht eines jeden Jehudi, dem das Heranwachsen einer in dem Väterglauben erstarkten Generation wünschenswerth scheint^ zu der gedeihlichen Entwickelung dieser, einem so dringenden. Bedürfnisse abhelfenden Anstalt sein Schärflein beizutragen, indem er die Jugend, die sich dem Kaufmanns- oder Gewerbestande widmet, derselben zuführt und nicht jenen Schulen, wo sie nur mit Widerwillen von der Gnade eines antisemitischen Direktors ausgenommen und noch systematisch vom Gesetze aus zum Abfall vom Judenthum verhalten wird. Joachim Weißberger. Michael. Erzählung von S. Nohn, Verfasser von Gabriel (Fortsetzung.) Sechstes Kapitel. Kaiser Josef hatte den Thron seiner Väter bestiegen! Es schien als wenn plötzlich ein neuer, warnier Lebenssteru die Pulsadern des weiten Reiches, dieses belebend und erfrischend, durchströmte. — Der neue Monarch fand endlos viel zu verbessern! Schon während der Zeit seiner Mitregentschaft hatte sich ihm die Ueberzeugung aufgcdrungen, daß die österreichischen Staaten in vielen Dingen zurück seien, und er hatte schon damals, mit vollster Klarheit und Deutlichkeit erkannt, daß alle Versuche und Bestrebungen Maria Theresias, Verbesserungen einzuführen, zu nichts weniger als zu günstigen Resultaten geführt hatten. Die große und kluge Kaiserill war von schlechten Rathgebern irre geführt worden. Die Protestanten, namentlich in Ungarn, seufzten unter einem buchstäblich unglaublichem Drucke. Es wurde ihnen mit entsetzlicher Härte begegnet. — Die Beamten waren bestechlich, der freie Geist geknechtet, die Schulen und Bildungsstätten vernachlässigt, in allen Zweigen der Staatsverwaltung waren die größten Mißbrauche eingeritten. Als deullichsten Beweis, wie verkehrt und zweckwidrig, die von der Kaiserin Maria Theresia augeordneten Maßregeln waren, mag die „Keuschhcits - Kommission" hervorgehoben werden. Während der Zeit, als diese Sittenpolizei, durch welche, wie die Kaiserin glaubte, „die Sittlichkeit und moralische Kraft des Volkes gehoben werden sollte," fungirte, hatte die Sittenlosigkeü in Wien, eine Höhe, wie weder früher noch später, erreicht. Ein sich durch seine Objektivität vortheilhaft auszeichnender, glaubwürdiger Schriftsteller, schätzt die Zahl der damals in Wien lebenden Dirnen und Grisetten auf 14600, sage vierzehntausend! Ter unsterbliche Kaiser Josef ging mit Energie daran, Eorrupnou, Nepottsmus, Bestechung, Intoleranz machtvoll zu bekämpfen und die großen, herrlichen Principien der Freiheit und Gleichheit, die