Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 63 (9.8.1886)
- Date
- 1886-08-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1003 sticke» muß. Das ist das tief BeklageuSlverthe, das; der Student von heute seinen Eommilitonen zunächst darauf ansicht, was er für einen Nock trägt und das „Was bist Du und was ist an Dir" daneben als gleichgültige Fragen erscheinen. ES ist naturgemäß, daß sich au die Frage nach dem Nocke auch die nach der Abstammung und Familie auschließcn und dies ist auch das Thor, durch welches der Antisemitismus seinen Einzug auf die Universitäten halten konnte. Wie weit es damit bereits gekommen, mag die Thatsache illustrireu, daß der größte akademische Gesangverein Leipzigs, der zahlreiche Juden zu seinen alten Herren zählt, neuerdings keine mehr eufuimmt. Gerade das war dereinsten der Stolz der deutschen Studenten, daß die gesammten Commiliton eneine Republik bildeten, in der keinStand und Name galt. Gerade das war der Bodeu, aus dem ein „idealer Schwung" gedeihen konnte; hier berührten sich alle Extreme, der Reiche und der Arme, der Gläubige und der Freidenker, der Ehrist und der Jude, sie fanden sich als akademische Bürger, jeder dem andern gleich und nicht ein Zoll breit geringer, sie tauschten ihre Gedanken aus und schlossen Freundschaft. Das gab Anregungen für das ganze Leben, die nirgend anderswo zu holen waren; das gab den frischen Ton, den „idealen Schwung" des akademischen Lebens. Darnach will uns bedünken, daß die Mahnung des „Cour." den idealen Schwung des Studententhums zu schonen, wenig Berechtigung hat. Rotht Hut es vielmehr, wieder den Boden zu schaffen, auf dem ein ideales Leben «sprießen kann. Die Aufgabe ist eine schwierige, eine sehr schwierige. Aber die Pädagogen sollten die Nuß nicht ungeknackt lassen, weil sie hart ist. Wem's gelänge, er würde des Dankes aller Derer gewiß sein, denendas wahre Wohl unserer studircnden Jugend am Herzen liegt. (Fr. Ztg.) Stettin, den 5. Juli. Am letztverflossenen Sabbat, an welchem in der hiesigen Synagoge Neumondweihe stattfand, war ich nicht wenig erstaunt, beim Eingänge in den Tempel Maurer beim Aufbau eines Gerüstes an fangen zu sehen. Es berührte mich sehr peinlichals gerade vorübergehende Christen ihre Bewunderung darüber ausdrückten, daß die Juden an ihrem heiligen Sabbat mit dem Aufbau eines großen Gerüstes vor ihrem Tempfel begannen, indem Derartiges an ihrem Sonntage vor ihrer Kirche wohl nimmermehr stattstnden würde. Mir ist es auch vollkommen unbegreiflich, wie hierzu der Borstand seine Erlaubniß geben konnte, oder sollte das vielleicht als ein! Fortschritt der Zeit vom Vorstande betrachtet und * Im Lichte der heutigen Reformer als etwas ganz Selbstverständliches augcseheu werden - Unter solche» Umständen ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß mau noch'mehr derartige Reformen — wenn mail es so nennen darf erlebt, und ich hielt cs daher für meine Pflicht, solchen Bestrebungen durch Veröffentlichung dieser Thatsache in Ihrem geschätzten Blatte vorzubeugen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. - Presrbrrrst, 5. August. Es geschieht in der Jetztzeit so wenig Nützliches, welches auf das orthod. Judcuthum in seiner Totalität befördernd wirkt, daß wir mit Vergnügen daran gehen, über die neueste Schöpfung der hiesigen orthod. jüdischen Cultusgemeinde Bericht zu erstatten. Wer das Mittelschulwefen und seine Beziehungen zum Judenthume hierzulande kennt, wer da sieht, wie unsere israel. Jugend, kaum daß sich ihr die Thore der Mittelschulen," wenn auch nur widerstrebend, öffnen, sofort Alles von sich wirst, was uns und unseren Ahnen hoch und heilig war, wie sie gleich Anfangs, auch ohne den berüchtigten Erlaß unseres Unterrichtsministers, ros? zur Fe-, der und Palette greift, wie sie sich schämt auch nur dem Namen nach Jude zu sein, wer den mangelhaften Religionsunterricht an diesen Schulen ein Auge zuwendet, wie da in einer armseligen Stunde wöchentlich die Schüler aller Klassen unter einen Hut gezwängt werden , und dieselben von dieser spärlichen, geistigen Nahrung ihr ganzes Leben lang zehren sollen, der wird mit größter Bereitwilligkeit dem löbl. Vorstande der hies. orthod. isr. Eultnsgemeinde das Verdienst zuschreiben, daß er Etwas geleistet hat, um diesem immer mehr um sich greifenden Uebelstande wenigstens theilweise zu steuern, indem er am 1. September l. I. eine zweite Klasse der im Oktober v. I. creirten Handelsschule eröffnet. Der Bericht von dem abgekaufenen und das Programm vom kommenden Schuljahre liegt uns vo^ In demselben heißt es sehr treffend: Wenn der jüdische Schüler veranlaßt wird, am Samstag und den Feiertagen zu schreiben und zu zeichnen, wenn er gezwungen wird, schon in frühester Jugend die heiligsten Vorschriften unserer Religion zu übertreten: können wir da hoffen, daß solche Schüler dem Judenthume erhalten bleiben- Wissen wir ja: „ysa ^nn.4* Har ein Mann in seiner Jugend schon mit dem Judenthume gebrochen, äußerst selten^ oder nie wieder wird er sich demselben zuwenden. Was soll aber aus