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Der Israelit · 1886-08-09 · Heft 63 (9.8.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 63 (9.8.1886)
Date
1886-08-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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mhm 1002 nach de» russischen Gräuel» tu Paris befindlich — mit eigenen Augen angesehen, lvie rathlos die armen Leute mitte», in dem wilden .Treiben der groben Stadt dasiandcn, trotz der Unterstützungen und der Obsorge, die sie in jener Zeit noch genossen. Ich habe cs kennen gelernt, wie die Pariser Glaubensgenossen nur zu bald inctiitctt, daß ein Mensch, der bis dahin in irgend einem kleinen Neste Rußlands unter kleinlebigcn und ganz anders gearteten Verhältnissen künunerlich vegctirt hat, ohne Weiteres auch in Paris selber fortkommen kann. Ich habe ferner die' Anfänge des französischen bis nunzu allerdings noch unschädlichen Antisemitismus wahrgenommen, welcher nach Aeußerungen, deren Zeuge ich war, einzig und allein nur aus dem Zuzug der „Russischen" entstanden sein kann. Ich hin ihm von der Ferne gefolgt, wie er 1883 im „Autisemitique" zum Ausdruck kam, sich nach Algier verpflanzte und noch jetzt, 1886, im eigentlichen Frankreich, nämlich Paris, (Erzeugnisse in Zeitungsartikeln und Büchern — auch in der Deputirtenkamnier — £ 1a Eassagnac, Rochesort, Drumont, Badaire und noch mehrere andere zeitigt. Ich habe seitdem bei Leuten, die von Rumänien auswanderten, die Meinung angetroffen, das; Anderwärts, namentlich in Deutschland, England, Amerika es im Leben und Erwerb gerade ist, wie „zu Hause," obwohl die bezügl. und die allgemeinen Verhältnisse in den genannten Ländern durch den Volkscharakter, den Bildungsgrad und die geographische Lage von denjenigen Rumäniens thatsächlich grundverschieden sind. Daß sich in London Leute gefunden haben, die den Stöcker hören wollten, daß in New-Z)ork manche Hattsbesitzer plötzlich nicht an „Juden" vermiethcn wollen, daß in Amerika ein Gesetz, welches von jedem Einwanderer 100 Dollars (420 Mk.) Besitz verlangt strikt gehandhabt und eine Anzahl israelitischer Einwanderer von dort zurückgeschickt wurden ... hat man aus den Zeitungen erfahren. Man hat auch erfahren von der Noch,, die unter den Eingewandertrn gerade, in London und New-Aork herrscht und mit fortschreitender Einwanderung wachsen und naturgemäß auf die Alteingesessenen ihren Rückschlag in verschiedenen Richtungen ausüben muß. Die dringende Ermahnung sich nicht dahin zu begeben, ist schon mehr als einmal von diesen beiden Städten aus ergangen.*) *) Schließlich erinnere ich an daS amerikanische Gesetz gegen die Einwanderung der Chinesen und die schon wiederholte» blutige» Kravallen der .freien" Amerikaner gegen ne. waS — wir wollen es allerdings nur an die Land malen — auch aa Analogie»;u denken Veranlassung gibt. — Deutlich kann man ans den angeführten Thatsachen erkennen, daß der Aufenthalt oder das Verschieben großer Massen unserer Glaubensgenossen, nach wenigen einzelnen Prmkten ein Fehler, und daß der Wunsch das Loos dieser Verfolgten zu verbessern, bezw. die allenthalben grassirenden „Iudenfragen" aus der Welt zu schaffen, darum ein vergeblicher bleiben muß, weit man augenscheinlich nicht daran denkt, das Hindernis;, welches in der bcziehungsweisen Uebcrvölkerung liegt, zu beseitigen. Soll dies geschehen und ohne daß man zum eigenen und zum schaden der Israeliten in ihrer Gesammthcit dieselben Nebel in andere Länder verpflanzt, so scheinen mir folgende Grundsätze der Erwägung werth: 1) Es soll von den übervölkerte:: Gebiete:: planmäßig und zielbewußt gewandert werden. 2) Es sollen solche Gebiete ausgesucht werden, wo israelitische Bevölkerung noch nicht oder nur wenig vorhanden ist. Dies gilt nicht nur von Ländern, sondern auch — und noch mehr — von Städten. 3) Es sollen die Auswanderungen dahin gerichtet werden, wo die Landesverhältniffe, Sprache, Sitte rc. möglichst den altheimathlichen ähnlich sind. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hannover, 4. Aug. Der „Eour." hat zu wiederholten Malen den Ausführungen des Professors Schmoller über auzuftrebeude Universitätsresormen seine Beachtung geschenkt. Der „Cour." begrüßt mit Freuden die Anregung des erfahrenen Gelehrten und vermeint, daß es dringend geboten sei, der ■ übermäßigen Univerfitätsbummelci zu steuern, man müffe nur Bedacht nehmen, keine Maßregeln zu schaffen, welche den „idealen Schwung" der studentischen Jugend gefährden könnten. Man wird auch im Wesentlichen den Ausführungen des Professors Schmoller seinen Beifall nicht versagen können, nur will es uns bedünken, als ob eine Rücksichtnahme aus den „idealen Schwung" nicht eben viel aus sich hätte, da von diesem leider in dem Studentenchnme der Renzeut herzlich wenig zu -verspüren in. Wir find der Ansicht, daß das Hervordrängen reiner Aenßertichkeaen jeden idealen Schwung er-

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