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Der Israelit · 1886-08-09 · Heft 63 (9.8.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 63 (9.8.1886)
Date
1886-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1001 bedlrrguiig für die beiden Uebelftände in einigen Ländern nur zn reichlich vorhanden. und das; die daselbst in anderer Weise ««erklärbaren Folgen von der Grundursache entstehen. Elend und Verfolgungen herrschen in Rußland bei seiner israelitischen Bevölkerung von 2,252,000 (nach Anderen 3'/., Millionen), die in einem verhältnißmäßig nur kleinen Thcilc desselben mit Gewalt zusaunuengepferscht wohnen. Dasselbe gilt von Rumäniens ca. 200,OOO (260,000 Israeliten bei einer Gcsammtbevölkerung von 4,7O0,OOO), die ebenfalls hauptsächlich nur in einem Theile des Landes, in der M old au (1,800,000), in dichten Massen beisammen wohnen. So ist cs in Ungarn den 638,000 Israeliten (bei circa 12,000,000 G.-E.), die im Urlande, nicht auch in depen Nebenländern (Siebenbürgen, Banat rc.) zu suchen sind. Und wenn auch aus Oesterreich-Polen (Galizien) keine besonders schreiende Thatsachcn vorliegen, so wipcn wir ja doch noch, was wir von dem Zustande der Galizier Israeliten und von den Gefühlen der dortigen Christen ihnen gegenüber zu halten haben. Auch in Deutschland läßt sich leicht erkennen, das Mißverhältnis, welches zwischen der israelitischen Bevölkerung Preußens (370,000) und der des übrigen Deutschland (191,000) besteht und die entsprechenden Folgen, die dieses Mißvcrhältniß für unsere diesseitigen Glaubensgcnopen hat. Es mögen ja noch ein paar Länder vorhanden sein, in welchen trotz einer in die Wage fallenden israelitischen Bevölkerung meine Aufstellungen von Elend und Verfolgung nicht ganz zutrcffen. So habe ich Holland (81,000 bei circa -1,000,000) und namentlich die Türkei (mit in Europa 10.0,000, in Asien 150,000, also zusammen 250,000) im Auge. Allein während der vorläufig gute Stand in den Niederlanden seine innere Begründung hat, beruht die Behandlung der Israeliten in der Türkei auf politischen Gründen, die so offen daliegen, daß ich sie eigentlich gar nicht zu berühren brauchte: Es ist die Abhängigkeit der Türkei von den übrigen Mächten und der Umstand, daß der weitaus größte Theil ihrer Israeliten Unterthanen eben jener übrigen Mächte find, darum mit den Christen zugleich unter dem Begriffe noli me tangere stehen. Die materielle Beschaffenheit aber der Lage der türkischen Israeliten ist als eine der denkbar schlechtesten wohl genügend bekannt. Den erstausgeführten Ländern stehen andere. gegenüber, von welchen man über die Israeliten uur die besten und erfreulichsten Nachrichten besitzt. Frankreich, Italien, England als Hauptläuder dieser Art, Belgien, Schweden-Norwegen, Dänemark, Griechenland, Bulgarien ü. s. tu. mit ihren im Verhältnis! zur Gesammteinwohncrschast verschwindend geringen israelitischen Bevölkerung, -rdies sind die Länder, wo man weder von krassem Elend, noch von Verfolgung hört. Dieser Gegensatz gibt zu denken und hätte schon längst die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, zum Nachdenken und zu demjenigen Handeln veranlaffeu sollen, welches als Schlußfolgerung sich aus demselben ergibt. Mit Bedauern habe ich seit 1882 konstatirt, daß dies nicht nur nicht der Fall ist bei denjenigen, die durch und an dem Gegensatz am meisten interessirt sind, sondern auch bei den berufenen Persönlichkeiten, die theils durch ihre ausgezeichnete Stellung in der Gesellschaft, theils als nicht direkt Jntercssirtc am ehesten rationell Vorgehen könnten. Ich meine damit diejenigen, welche gezwungen waren und sind, ihre Wohnorte zu verändern und andererseits die nanlhaftcn Personen, welche die Bewegung des Jahres 1882 geleitet, aber nicht nur vielfach unangenehme Folgen hervorgerusen, sondern auch dem seither unaufhaltbar entfesselten Auswanderer? ström das Direktiv gegeben haben. In dem Bestreben, den russischen Israeliten Abhilfe zu bringen und sie den Krallen der Kazoppen zu entreißen, wurde mittelst einer großen Thätigkeitsentfaltnng verhältnißmäßig zahlreichen Jsraeten die „freiwillige" Expatriirnng erleichtert und gefördert. Allein, wohin wurden sie geleitete Bon den Uebergangsstatiouen absehend: nach Paris, London, Ncw-Aork! Dies sind die wenigen Punkte geblieben, nach welchen noch j c tz t die „freiwilligen" Auswanderer ihre Schritte lenken, weil sie nun traditionell geworden find. .Daß z. B. in Paris so ziemlich die ganze israelitische Bevölkerung Frankreichs wohnt und daß russische Israeliten in die französischen Landcsverhältniffe nicht Hineinpassen, davon hat man sich nicht im Geringsten Rechenschaft gegeben. Man hat nicht überlegt, daß Frankreich noch mehr Städte von Bedeutung hat, als Paris; daß in Paris allein bei circa 2,000,000 Einwohner 50,000 Israeliten wohnen, noch nicht einmal die Hälfte aber, nämlich 20,000 (nach anderen nur 10,000) in den übrigen Departement» unter 36 Millionen. Dasselbe ist zu sagen von den andern Residenzstädten der Länder, nach welchen. die Flüchtlinge dmgirt wurden. Die Folgen dieses Richtüberlegens sind denn auch nicht ansgeblieben. Ich habe, 1882, — kurz

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