Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 35 (3.5.1886)
- Date
- 1886-05-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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682 fen; wir haben nur noch 5 Schüler, die in der Schule wohnen; dies find erstens die dreiMechanikerlehrlmge, welche uns das Lehrlmgscomitce zu Smyrna anverttaut hat und außerdem 3 arme Waisen. 9hir die Professoren der Alliance wohnen in der Schule; ihre Zimmer find so beengt, daß es . wohl zu wünschen wäre, einen oder zwei außerhalb imterzubringcn, um den Anderen etwas mehr Raum zu schaffen. Was unsere Lchnnethodc von der unterscheidet die in anderen Schulen der Alliance gebräuchlich ist, so ist dies die besondere Pflege des Hebräischen und Arabischen. Diese beiden Sprachen werden von vorzüglichen Meistern gelehrt, und unsere junge Leute sprechen fie fast fließend. Die Zeit wird zwischen Schule und Werkstatt gethcilt; die Mehrzahl der Lehrlinge arbeitet ungefähr drei Stunden in der Schule und vier Stunden in den WeEätten; ungefähr 50 Zöglinge besuchen nur die Schule; die Schulstunden dauern 7 Stunden des Tages. Die Schule liegt ziemlich weit von der Stadt entfernt; die Kinder haben täglich 15 bis 20 Minuten zu laufen. Dieser Weg ermüdet sie nicht, im Gcgentheil. Im Orient sind, Spaziergänge, das Gehen um seiner selbst willen, Ausflüge ganz unbekannte Dinge. Unter den Werkstätten ist die Schmiede diejenige, welche die meisten Lehrlinge anzieht; sie hat deren augenblicklich 20: unsere Ausgaben für dieselben haben die Ziffer der Einnahmen überstiegen, trotz der vielfachen Bestellungen; weil wir mehr danach trachten, das Handwerk zu lehren, als Nutzen daraus zu ziehen und der Meister seine meiste Zeit darauf verwenden muß, die Lehrlinge sich in Dingen üben zu lassen, die nichts einbringen, aber unumgänglich nöthig sind, um den Schülern die erforderliche Geschicklichkeit und praktische Sachkenntniß zu verleihen. Auch die Tischlerei hat 20 Lehrlinge gezählt; sie besteht aus einem großen aus Holz gezimmerten Raum, der von den Lehrlingen selbst erbaut wurde. Von Juli bis Dezember haben unsere Schreiner nur für uns selbst und unsere Bauten gearbeitet; wir haben nur sehr wenig Arbeit von außerhalb angenommen. Fast ein Dutzend unserer Lehrlinge kann so ziemlich sauber einen Tisch, einen Schrank nnd Stühle ohne Hülfe des Meisters fertig stellen. Die Schusterwerkstatt hat die meisten .Kunden, obgleich sie ani wenigsten gut bestellt und mit Werkzeug versehen ist; ich denke, sie wird später vergrößert werden können. ES befinden sich dort 15 Lehrlinge, worunter 5 schon ziemlich weit vorgeschritten. Tus Atelier hm der Schule sämEichr Schuhe geliefert, die wir für die Schüler ° Haben anfertigcu lassen; außerdem nach Außen hin 69 Paar Stiefeletten, 7 ,Paar Stiefel, 25 Haar Damenschnhe und 50 Paar diverse Schuhe, ohne der zahlreichen Flickarbeiten zu gedenken. Tie Schneiderwerkstatt, die bis setzt ziemlich schlecht untergebracht war, wird mm euren der Räume des neuen Baues einnehmen. Hieltst die Arbeit nach Außen hin unbedeutend, die Bekleidung der Zöglinge und eines großen Teils des Personals hat uns zieuüich viel zu thun gegeben. Wir haben 20 Lehrlinge in dieser Werkstatt. Sie willen, daß das Schneider- und Schnsterhandwerk bei wrscren orientalischen Glaubensgenossen am meisten beliebt ist, aber dieselben sind schon so stark besetzt und werfen so wenig Nutzen ab, daß ich mein Möglichstes thue, um die Kinder den ernsteren Handwerken, als da sind, das Schmiede- und Mechanikerhaudwerk, zuzuwendcn 2c. Die Drechslerwerkstatt ist weniger besucht, wir haben hier nur 5 Lehrlinge. Drei derselben könnten schon 3 bis 4 Frcs. täglich verdienen, wenn sie nur das nöthige Werkzeug hätten, um allem zu arbeiten. Das Atelier für Holzbildhaüerci ist im Mai 1885 eröffnet worden. Die Zahl der Lehrlinge c hat 8 nicht überschritten. Einige Familien habe» noch einen großen Widerwillen gegen dieses Handwerk, weil cs die Wiedergabe von Gesichtern und' Formen bezweckt. Dieses Vorurtheil wird verschwinden, so wie man die Erfolge unserer Werkstatt wird schätzen lernen. Die französische Negierung hat uns für diese Werkstatt, durch den französischen Confül Herrn Ledoux, eine prachtvolle Collection von Gypsmodellen zugesandt. Dank der im Oktober 1884 in London und Frankfurt gesammelten Geldern, haben wir die für unsere Werkstätten erforderlichen Maschinen und Werkzeuge anschayen können. Baron Alphons von Rothschild hat uns das zur Bildhauerei erforderliche Werkzeug gesandt, Herr S. Montagu hat uns eine Maschine geschenkt zum Sägen und Faxoniren des Holzes. . Wir haben für die Werkstätten verschiedene Bauten aufgcführt. Wir stehen jetzt im Begriff, eine 30 Meter lange und 10 Meter breite Werkstatt in Eisen und Ziegelsteinen zu bauen. Unter derselben graben wir eine tiefe Eisterne, die es uns ermöglichen wird, genügend Wasservorrath zu samtttclu für die Bedürfnisse der Werkstätte und des ffesaatifcv. ■*'*'&‘iilnir > {■»■•fitfritfr'i ff*