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Der Israelit · 1886-05-03 · Heft 35 (3.5.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 35 (3.5.1886)
Date
1886-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I 1 J>99 mchtallzuviele Anhänger und inderSonNmscheiN'schen Gemnnde ist snch nicht em Mamr zu-finden, denen Lunchten sich nur im Geringstm zmn conservatrven Irwenchum himreigen. Im Gegentheil, diese Gemeinde galt bisher als eine der radikalsten und der Nachfolger für S. wird sicher auch nicht ans dem konservativen Lager geholt werden. Die Worte Dr. Sonnenschem's, der nach einem politischen Blatt in St. Louis sich geäußert hat: „Ich habe dcßhalb rcsiguirt. weil ich zu liberal bin, während der Vorstand orthodox ist," sind sicher mehr darauf berechnet, ihn zmu Märtyrer seiner Ucbcrzeugung vor der Wett zu zeigen, als die Thatsachen klarzulcgcn. Dem geschlagenen Feinde soll mau bekannüich goldene Brücken zum Rückzug bauen, allein wenn ich dies auch beherzigen will, so darf die Freude über den Rückzug nicht ganz die Stimme der Kritik ersticken. Mögen Dr. S. und seine Freunde sagen, was ihnen beliebt, die Ansicht werden sic nicht zu entkräften vermögen, die darauf hinausgeht, daß selbst den liberalsten Glaubensgenossen, wenn sie auch nur noch mit einem Faden an der Religion hängen, das Gebühren der Apostel der neuesten Reform zu arg wird. Was ich in meiner Besprechung über die Pittsburger Konferenz voranssagtc, dürfte sich bald allenthalben zeigen; wozu braucht man Rabbiner, wenn Alles abgeschafft wird? Für die kurzen Predigten u. dergl. Nebendinge bedarf man keiner berühmten Doktoren, die nicht einmal die Konsequenz aus ihren Reden ziehen. Dr. Sonnenschein war der Erste, an dem sich die Prophezcinng feiner orthodoxen Gloubensgenoffen, zu denen er sich ja selbst vor Zeiten zählte, erfüllte; Andere werden ihm sicher folgen. Wenn nun Dr. S. auch wieder eine Stelle findet, so ändert dies nichts an der Thatsache, daß eine der reformfreundlichstcu Gemeinden Amerikas ihren „Seelsorger" wegen seiner allznfreien Ideen zum Rücktritt veranlagte. Dr. S. Pflegte sehr oft leinen Pult im Tempel einem evangelischen Pastor zur Verfügung zu stellen; vielleicht engagirt eine evangelische Gemeinde jetzt zur Abwechslung einmal Dr. Sonnenschein! Doch Scherz bei Seite; Dr. Sonnenschein hat männlich gehandelt; möge er auch weiter die Conscguenzen ziehen, die ihn ganz ferne von einem jüdischen Gotteshaus halten sollten. — Ein anderer Reformator, der in Boston seinen Thron aufgeschlagcn hat, macht seit einiger Zeit auch öfter von sich reden. Dr. Schindler, von dem ich früher schon berichtete, hat seine Reden über t\'üd nun auch durch den Druck vervielfältigen lassen und unter dem Titel „Mcssianische Erwartungen" der Ocffcntlichkeit übergeben. S. schreibt über eine Anzahl „Messiahs". („angebliche" Messiahs. Bemerk, des Eorresp.) in der Mischen Geschichte und dann auch über Pittsbnrg (seine Messiah's), über Moses, über die Nekigion im Allgemeinen, kurz über Alles, was Dr. S. zu verstehen glaubt. Es wäre den Lesern zu viel zugemnthet, wenn man ihreGeduld mitEttaten nnä diesem -Derruinttrebarung" umschreibt er mit Entdeckung u. s. w. Die Thatcn von Dr. Köhler, Wise u. s. w. haben dem „strebsamen" Dottor in Boston keine Nachtruhe mehr gelaffcn und so hat er sich denn zu einem Buche emporgcschwungen, das seine Geistcsprodukte der Welt knndgibt. Wenn Dr. Köhler und manche seiner Genossen ihre Ideen zu Papier bringen, so müssen wir, trotz der uns entgegensteheuden Tendenz, gestehen, daß in deren Schriften Geist liegt und man kann mit diesen Leuten auch dcbat- Liren: mit Männern aber, die die Offenbarung am Sinai mit der Entdeckung eines Patents u. dgl. aus eine Stufe stellen — kann man nicht weiter rechten. Möge Dr. Schindler weiter schreiben; Papierfabriken gibt es Ln Boston und Umgebung noch genug. — , . ' Der herankommende nv-> wird auch hier von Gesellschaften und Privaten als Gelegenheit benutzt, um der Armen und Nothleidenden in rücksichtsvollster Weise zu gedenken und werden die miitbcr mit Glücksgütern gesegneten Glaubensgenossen mit Anweisungen aus Fleisch, rnse u. s. w. versehen. Das steht fest; de» Worten der ^Hagadah" »tr b kömmt man hier stets jederzeit nach und ein kleiner Einblick in die Verwaltung der jüd. Wohlthäligkektsanstalt „United Hebrew Eharities" zeigt dies treffend. Ich werde nächstens auf die-segensreiche Thätigkeit dieser Organisation znrnckkommrn. Unter der hiesigen Geschäftswelt gewinnt die Agitation immer mehr Boden, die eine Schließung der Geschäfte am Samstag um die Mittagszeit verlangt. Es scheint, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo manche Israeliten am Sabbat gegen ihren Willen die Geschäfte schließen müssen. Vielleicht kann die nächstjährige Pittsburger Conferenz schon den alten ros'wieder in seine Rechte cknsctzen, wenn die Geschäfte ohnedies geschloffen sind. Indah Hersch, der älteste Israelit im Staate Rcw-Jerscy, starb Montag Nacht in der Wohnung seiner Schwiegertochter in East Jersey Str. in Elizabcthport. Er war l 04 Jahre alt und in Böhmen geboren, lieber sein Alter kann kein Zweifel obwalten, denn das Datum seiner Geburt und des Todes seiner Mutter waren in den Gemeindebüchern seiner böhmischen Hcimathsstadt eingetragen und eine “f.y«;^ >f■ 'ja' *

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