Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 35 (3.5.1886)
- Date
- 1886-05-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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593 doch, wem geliebter Bruder, was Du selber sagst:; All Dem Mühen und Trachten ist nur den Gütern dieser Welt gewidmet, und die erlangst Du nicht — wie willst Du Anspruch machen aus die Güter der künftigen Welt, um die Du Dich gar nicht bemühst? Unsre Weisen lehren am Schlüße des Tractats Kidduschin, daß derjenige Mensch durch die Gnade Gottes schmerzlos aus Erden seine Nahrung findet, welcher dem Zwecke der Schöpfung vollkommen entspricht. Ter höchste Zweck des Menschenlebens aber ist, durch das Studium der Thora Gott zu erkennen und Seine heiligen Gehöre zu beobachten, und so lehrt auch Radbon Iochanan den Sackai in den Sprüchen der Väter: ,-cnn mm mcb dn wenn Du viel Thora gelernt hast, -psp mm pinn bnt dann brauchst Du nicht das Gute gewalffam für Dich festzuhalten suchen, dann brauchst Du nicht das Glück zu erjagen, denn dann wird Gott Dich schon ernähren und beglücken, da Du den Zweck der Schöpfung erfüllst -pb msu beim dazu bist Du erschaffen worden." Eine andere, dieser ähnlichen Erklärung ist die folgende, yijnrrb mD2i 'ivd mm bsp nra Moschch empfing die Thora vor Gott aus Sinai und überlieferte fie seinem Schüler Josua und dieser wiederum seinen Schülern, und so gelangte die Thora zu uns. Auch wir haben die Pflicht, was wir.von unsrem Lehrer erlernt haben, unsren Schülern zu überliefern, denn nur so kann die Thora erhalten bleiben bis zu den spätesten Geschlechtern. Derjenige, welcher die größten Schätze des LUpens aufhäuft, um sie lediglich für sich zu behalten, hat seinen Lebenszweck nicht erfüllt; denn mit ihm werden all diese Schätze begraben werden, ohne daß sie der Welt zu Gute kommen. Daher lehrt Rabbi Jochanan den Sackai: Wenn du viel Thora gelernt hast -josyb naiö pinn b.s so behalte das Gute *) mcht für dich, nim: -pb p, beim dazu bist du erschaffen worden, nicht nur zu lernen, sondern auch zu lehren. . Wenn diese letztere Erklärung die richtige ist, so paßt sie ganz außerordentlich, im. Munde dieses großen Lehrers, der Alles daran setzte, nicht nur zu lernen, sondern auch zu lehren, der unter den Trümmern des heiligen Tempels und des jüdischen Staates sich von dem siegreichen römischen Imperator kein andere Gnade erbat als die, in der lleltieti Stadt Iabnch ungestört lehren zu dürfen und so au^dtin allgemeinen Brande unsren größten Schatz zn retten und für alle Folge Zeiten zu erhalten. __ (Fortsetzung folgt.) •) «uyn **h \~vr* cpV vw 2-c nsV 2 .*rvrt **'■»*;*k unter 3’c, gnl, ist dir r Hora lirrstandkn, wir es hristt: rinc fiUlf Vrf;i* hndr ich rnch flrnrbcii, vnlnsjkl Mcine Zhora nicht. '> V -AMkManisHs Mriefe. ' j New-Mork, 4. April. | In den gestrigen Tagesölätters fsnrnt man f folgende Nachricht lesen, die ich Ihnm m Elle j berichte: I „Resiguirt hat der in weiteren Kreij fen bekannte Dr. H. Sonnenscheru, Rabbi j der Gemeinde „Shaare Emerh" m St. Louis m | Folge der Erwählung eines Verwalttrngsraths, } welcher mit den höchst liberalen Ansichten des Rabbis f nicht übercinstimmt. Die Resignation wird in sechs? Monaten in 5lraft treten." j So wäre denn die Axt an den Baum, an j welchem sich die Früchte Pittsburger Gewächses j befinden, gelegt, und der erste Streich ist kein mißi luugener zu nennen. Sonnenschein ist zurückgerreren, j i nachdem eine Verwalmng gewählt wurde, die wobt jnicht konservativ, aber den Anschauungen der Pitts- }; Bürger Reform nicht minder ferufteht. \\ Ter in der letzten Correspondeuz ausgcdrückle \[ Wunsch hat sich rasch erfüllt. Da ausführlichere i Berichte von St. Louis noch fehlen, behalte ick I mir noch nähere Mittheilungen vor. Ich habe bc- [• reits heute im Jntercffe des „Israelit" nach St. j. Louis geschrieben und hoffe nächstens - ausführlicher berichten zuckönnen.--- j New-Hork, 15. Apriti j Während ich vorige Woche nur kurz berichrcit,! kann ich heute etwas eingehender den Nückttirt de- - Rabbiners der „Shaareh Emeth"-Gemeinde in Sr.! Louis besprechen. Dr. Sonnenschein war der Erste r der Herren, welche in Pittsburg die großen Pläne j schmiedeten, er war auch der Erste, welcher seine „Pittsburgerei" zu büßen hatte. Er geht, well die neue Gemeindeverwaltung nicht mit seinen liberalen Anschauungen übereinfiimmt; das Reform-Organ nannte ihn deßhalb einen Märtyrer. Andere Leute glauben, Dr. S. geht, um nicht „gegangen zu werden." Wie dem auch sek, ich will es nicht untersuchen; die Thatsache des Rücktritts dieses Haupikämpcn der Reform von seinem so lange immgehabren Posten genügt. 17 Jahre war Dr. S. an der Gemeinde thätig: allen seinen Wegen folgte die Gemeinde blindlings und plötzlich tritt der Doktor zurück. Und wie tritt er zurück? Er reicht seine Demission ein und der Vorstand acceptirl einstig mig dieselbe und wird solche numehr der nächste Woche tagenden Gemeindeversammlung vorlegen. Geben solche Vorgänge nicht zum Denken Veranlassung? In St. Louis hat die Orthodorie