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Der Israelit · 1886-04-29 · Heft 33-34 (29.4.1886) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 33-34 (29.4.1886)
Date
1886-04-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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590 wir vor noch nicht langer Zeit in diesen Blättern ausführlich besprachen, hiermit hmzmvciscn. Es ist dies seine in classisLem Hebräisch geschriebene Einleitung in den Talmud unter dem obigen Titel, die sich von allen bisherigen ähnlichen Werken insofern wesentlich unterscheidet, als sic von ganz neuen Gesichtspunkten ansgeht nnd daher auch zu ganz überraschend neuen Resultaten führt. Der Verfasser stellt es als Grundsatz hin, das;, wie sich ein einheitlicher Faden durch das ganze Leben der Natur 'hindurchzieht, sich auch ein solcher im Organismus unserer Lehre ausfinden laffc. Da nun unsere Weisen die vorzüglichsten Interpreten derselben sind, so laut er cs sich ganz besonders angelegen sein, dieselben zu individualisiren und aus ihrer geistigen Organisation heraus, ihre Meinungsverschiedenheiten zu erklären. So unterscheidet er unter diesen ganz besonders zwei sich gegcnüberftehendcn Kategorien. Tic eine ist Diejenige, die mit ihren Forschungen mehr in die Tiefe (crp'2j.'sn) daher analytisch zu Werke geht, die andere die, die sich durch eine ftaunenswerthe Geistesschärfe (O'S"»rvi) anszeichnet und mehr synthetisch nrtheilt. Er dcmonstrirt dies an den Hanplvcrtretcrn der Mischnah und der Gcmara und begründet psychologisch, das; der geistigen Ratur-des Analytikers ein grötzerer Ernst und dementsprechende größere Strenge in den Grundsätzen als denjenigen des Syuthctikers innewohne. Daher komnlc cs, daß die einen den gesetzlichen Bestimmungen der Lehre, mögen sie dem rituellen oder juridischen oder sonst welchem Gebiete angehörcn, einen rigoroseren, die anderen einen gelinderen Eharaktcr verleihen. Eine adäqnate charakteristische Entschiedenheit spiegele sich auch in den agadischcu Parthien ab! Wir unterlassen es, hier des näheren auf die Einzelheiten cinzugchcn nnd verweisen auf das Buch selbst, das dem Leser eine Fülle des Belehrenden nnd Interessanten darbietet. Schrimm. Dr. H. Tietz. ZeilnrrgSirachrichtru und (Korrespondenzen. D e » t s ch l a n d. Bon der bayerischen Grenze, 13. April. Ein erwähnungswerther Prozeß spielte sich kürzlich vor dem Berwaltungsgerichtehof in München ab. Die israelitische Gemeinde uou Nördlingen, welche ans 85 Gemeindegljedem besteht, baut eine neue Synagoge, die bis nächsten August fertig sein wird. Die Kosten des Baues nnd der Einrichtung belaufen sich aus ca. 120,000 M. Hiervon wnrden 80,000 M. als Aaleheu ansgeuommen und40M0M. sollen von den Gemeindeglredcrn getragen werden und zwar dadurch, daß verherrathete Fcunilienhau-- rer 400 M. für 2 Plätze, unvcrheirarhete je 200 M, für einen Platz in der neuen Synagoge bezahlen sollen. Der Nördlinger Stadtmagislrat bestätigte den Beschluß, wogegen 6 Gcmeindeglieder bei dem VenvalruugSgerichtsdos Beschwerde erhoben habe». Rechtsanwalt Dr. Wassermann, welcher -die Beschwerde bei der Verhandlung vcrtretcir, erklärte den betretenden Beschluß als erneu Angriff auf die Gewissensfreiheit, ganz abgesehen von der völlig ungerechtfertigten, unbilligen Belastung aller selbständigen Gemeindevütgliedcr ohne 3tücksichr auf deren Stcuerkrast und Leistungssähigkeir. Rechtsanwalt Dr. Hcllrnann, der die Cultusgenteindc verirüt, fand den Beschluß zweckmäßig und erblickte bei der anerkannten Zahlungsfähigkeit der Israeliten in Rördlingen keine ungehörige Belastung darin. Staatsanwalt Dr. Schaff beantragte in seinem Gutachten, daß der Beschwerde stattzugeben sei. Das Urthcil, das am 9. April verkündigt wurde, lautet dahin, daß der Beschluß der Knltusgemeinde aufrecht zu erhalten und die Beschwerdeführer abzuwciscn seien. — — — — Frankfurt a. M., 16. April. Der israelitische Almosenkasten vereinnahmte im Jahre 1885 Mark 29,989 zur sofortigen Vertheilnng, Zinsen von Legaten und Geschenken Mark 3805, Mitglicderbeiträge Mark 12,521 und verausgabte an 448 Familien au vierteljährlichen Gabe» Bl^27,904 nnd an monatlichen und außerordentlichen «spenden M. 28,457. Es mußten demnach ans dem Reservefonds zugeschoffen werden M. 10,095. Außerdem wurden, wie alljährlich, für Rechnung der Mayer S. Hecht'schen Stiftungsadministration an im Ganzen 85 Arme Bl. 671 vcrtheilt. Für den angegriffenen Fonds wnrden gespendet M. 4271, für den Fonds Fr. 1000 4proc. Berner Obligationen und M. 522. Der im vorigen Jahre an die Glaubensgenossen gerichtete Appell zur Hilfe behufs lkeberwindung der finanziellen Schwierigkeiten hat guten Erfolg gehabt. Frankfurt a. M., 16. April. Von dem Besitzer einer bedeutenden Fabrik in Süddeutschland erhalten wir folgende Zuschrift: „Ich hatte die Absicht, vorige Woche von Breslau aus wegen einiger Geschäfte auf einige Tage nach Warschau zn reisen, und begab mich dcßbalb zn dem tu Breslau domicilirenden russischen Konsul, welcher sich aus mein Ersuchen bereit erklärte, meinen Paß sofort

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