Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 33-34 (29.4.1886)
- Date
- 1886-04-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449633--24201-2513902- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LLVll-ZichrßWg.?! LerLerrVer Artrkel. LtterarifHer WenHt. Jüdische Aerzte in Frankfurt a. M. von Dr. M. Horowitz, Rabbiner in Frankfurt a. M. — Commissions-Verlag von I. Kauffmann l886. Wenn auch alle Mssenschafien ohne Ausnahme selbst in den dunkelsten Zeiten der Vergangenheit stets bei den Juden Pflege fanden^ so war es doch ganz besonders die Arzneikunde, der sich die edelsten und strebsamsten Geister unseres Volkes zuwandten. War doch das Studium der Medizin, abgesehen von dem specifisch jüdischen „Lernen", dem Studium der Gotteslehre,'dem eigentlichen Element des jüdischen Lebens, der einzige Wissenszweig, der dem Israeliten realen Zweck, einen Nutzen für's Leben bieten konnte. In richtiger Erkenntniß dieses Umstandes hat der Verfasser obiger Schrift, nachdem er durch seine früheren Arbeiten „Ueber Frankfurter Rabbinen" über die Geschichte des Thorastudinms in Frankfutt Licht zu verbreiten gesucht hat, es sich neuerdings zur Aufgabe gestellt, durch Erforschung der Wirksamkeit jüdischer Aerzte in Frankfurt nach einer andern Richtung hin das Bild der Geschichte der alten Frankfurter Gemeinde zu vervollständigen. Ein in dem „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" zu Franksutt a. M. gehaltener Vorttag bildet die Grundlage dieser Abhandlung, welche der Verfasser durch nähere Ausführung erweitert und durch Hinznfügung der wissenschaftlichen Begründungen ergänzt hat. Besonderes Interesse dürste namentlich die Art und Weise erregen, wie er Delmedigo zu rechtfertigen sucht. Diesem zu seiner Zeit vielgefeierten Gelehrten, der die verschiedensten Wissensgebiete schriftstellerisch behandelt hat, werden bekanntlich Widersprüche ernster Art zum Vorwurf gemacht, und der gravirendste ist der, welcher sich in seinen entgegen-, gesetzten Ansichten über den Talmud kund gibt. Delmedigo, der als treuer, frommer Bekenner des Judcnthunis lebte und Gegenstand der Verehrung Seitens der größten rabbunschcn Autoritäten war, verherrlicht in seinen gedruckten Schriften bei jeder Gelegenheit die Lehre des Talmnd, „er ist geradezu entzückt von den Schönheiten des Midrasch; auch in dunkel klingenden Worten der Agada ahnt er eine f ttrfeWEett, und, um mir ein Beispiel anzuführen, clums! ruft er mitten in einleitenden astronomischen LnsMrnkgen über die Unermeßlichkett des Weltalls aus: „Daraus lerne dem Ohr neigenden Wotten des Talmnd und halte nicht für übertrieben, daß sie von dreihundert und zehn Welten reden, die der Herr seinen Lieblingen schuf." Und in unbegreiflichem Gegensatz hierzu enthalt eine fast um dieselbe Zeit an einen Karäer gerichtete ausgezeichnete literarhistottfche Abhandlung „Michtab Achus" eine Stelle, die eine scharfe Lerurtheilung des Talnmd und eine Verherrlichung des Karäcrthums auf Kosten des talmudischen Judenthums ausdrückt. Während beispielsweise Grätz ihn deshalbschonungslos veruttheilt, hat beretts Znnz die Vermuihung ausgesprochen, daß hier eine Fälschung von Setten der Karäer vorliege. Für die Richtigkeit dieser Vermnthuug nun bringt Verfasser sehr gewichtige Beweise vor, und er kommt schließlich zu dem Resultate, „daß kein Zweifel mehr bleibt, daß aus dem Verzeichniß der Widersprüche bei Delmedigo das Wichtigste zu streichen sei." — Die Erwähnung der Thatfache, daß Dr. Anselm Wolf Worms einer hebräischen Schrift: „Schlüssel der Algebra" eine schwungvoll geschriebene lateinische Widmung an R. Moses Kann hinzufügte, gibt dem Verfasser Veranlassung zu der gewiß zutreffenden Bemerkung: „Welches Bild entrollt uns dieses kleine Schristcheu in dem Rahmen einer Zeit, die man sonst in Bezug auf die Kulturzustände der deutschen Juden nicht düster genug malen zu können vermeint! Einen „Schüler der Frankfurter Klaus" nennt sich ein junger Mann, der ein mathematisches Lehrbuch in hebräischer Sprache drucken läßt, diese Schrift mit einer lateinischen Widmung dem gefeiertsten Manne der Gemeinde zueignen kann, auf dem Titelblatt sich als „Kandidat desRabbinats, derMedicin und der Philosophie" bezeichnen darf, und das alles acht Jahre vor der Geburt Moses Mendelssohns!" Die interessante Schrift ist in vielfacher Hinsicht sehr beachtcnswerth. .■ras^nn N120. .omaw nnnsrn dw^nhi trjonn rurcro rrcno Es fei uns gestattet, auch auf ein älteres Werk des gelehrten Herrn H. Bloch, dessen trefflichen „Entwnrf des Grundrisses vom Herodianischcn Tempel"