Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 33-34 (29.4.1886)
- Date
- 1886-04-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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583 Lemberg Hat sich auf die Initiative des StstthLlters cm Landes-HllfscointtL gebildet. - Ja der gricchisch-kathoUsLen Kirche m Stry wcrdm bis auf Weiteres laut einer Kundmachung des Pfarramtes abwechstlnd Gottes-ienftc für die Pfarrttudcr des rsmisch-kathslischen Ritus, deren Gotteshaus abgebrannt ist, und für die Angehörigen des griechisch-katholischen Ritus abgchaiten werden. Die Krcisapotheke wurde provisorisch in einer Barake iustallirt. Tic Gemeindevertretungen von Sambor und Drohobycz spendeten für die Opfer dcsBranduirglncks je 1000 st. Das aus Lemberg rcquirirtc Militär ist bereits wieder, hieher zurückgckehrt. Es verbleiben dort blos die Pioniere. Für die Bnreaux der BeHrkshauptmannschaft konnte bisher kein paffendes Gebäude ausfindig gemacht werden. In einem halbverfallenen Hanse, dessen ersten Stockwerk ganz abgebrannt ist, wurden. vorläufig einige Kanzleien muergebracht. Wie man naei)träg!ich erfährt , ist auch der Inhaber des Commissions-Geschäftes Misch mit zwei Kindern ums Leben gekommen. Die Flammen, welche, ehe mau sich dessen versah, den ganzen Riugplatz umzingelten, versperrten ihm den Ausweg. Heute hat in Stry die Bestattung der bisher aufgcfundcnen Leichen stattgefunden. Wie die Lcmbergcr Amtszeitnng berichtet, wurden bis znm gestrigen Tage folgende Todte in der improvisrrten Morgue agnoscirt: die Köchin des Kaufmannes Dembicki, Saloman Notier, dessen Tochter und ihre zwei Kinder, die zwölfjährige Tochter Goldberg's, die verwittwete Tochter David Korn's, ferner Schifrc Bonner, N. Allisch mit zwei Kindern, Gerichtskanzlist Kondziclski, Osias Nadel und ein Fräulein, das im Hanse des Dr. Serkowski wohnte. Die Zahl der Verwundeten tmd Verletzten ist sehr groß. 5t rakau, 21. April. Unter Leitung des Bischofs Dunajcws'ki constituirtc sich auch ein Hilfs-Coinitö für Stry und erließ heute einen Aufruf an die hiesige Bürgerschaft. Der Krakauer Gemeinderath votirte 1500 Gulden für die durch den Brand verunglückten Bewohner von Stry. (Siche auch den „Aufruf" in dieser Nummer.) Zeitungsnachrichten und Corresponderrzen. Deutschland. Berlin, is. April. In Altona starb am 15. April Nachmittags Instizrath M o r i tz W a r b u r g, welcher seiner Vaterstadt viele Jahre hindurch im preußischen Abgcordnetenhause und seine Glaubensgenossen im Vorstände der dortigen jüdischen Gemeinde vertreten hat. Am 18. Juni 1810 in Altona geboren, einer durch ihr gememnützigxs Wirken hochangeschencn Familie eutsproffen, fmdrrte er die Rechtswiffenschaft in Berlin, Heidelberg und Kiel, und ließ sich sodann 1830 m Altona csss Advokat nieder. Tie Erhebung der Herzogtümer Schleswig-Holstein nn Jahre 1848 fand den vielbeschäftigten Anwalt, wie die Freist Zeit, schreibt, in der ersten Reihe der patriotischen Vorkämpfer. Von 1848—1850 war er, vom Altonaer Wahlkreise gewählt, Mitglied der schleswig-holsteinischen Landesversammlung. Nach der Niederwerfung der Hcrzogthümer lebte er in Altona seiner advokatorischen Praxis und füllte seine Muße durch hervorragende Bctheiligung an allen gemeinnützigen und idealen Bestrebungen aus. Der Umschwung des Jahres 1864 führte ihn zu den politischen Kämpfen zurück. Das Vertrauen seiner Mitbürger entsandte ihn 1867 in das preußische Abgeordnetenhaus, wo er dem linken Centrum und später der deutschen Fortschrittspartei angehörte Bei den letzten Wahlen (1885) verzichtete der 75jahrige, im Sommer zuvor durch einen Schlaganfall erschütterte Greis auf eine Wiederwahl zu Gunsten seines Freundes, des Professor Hänel. Im politischen Parteigctriebe hat er durch sein niakelloscs, selbstloses Treiben auch die Anerkennung und Achtung seiner polittschen Gegner sich zu erringen verstanden. Im Kriege von 1870 verlor Warburg vor dem Feinde einen hoffnungsvollen Sohn; zwei Söhne und zwei Töchter blieben ihm. Mit ihnen und den vielen persönlichen Freunden trauert auch so mancher Anne, denen er ein stets hilfsbereiter Retter und Tröster gewesen, um den Verlust des wackern Mannes. Was Warburg als Vorsteher der Altonaer jüdischen Gemeinde gewirkt, das nach Gebühr zu würdigen, mag einer andern Feder Vorbehalten bleiben. Das gesetzestreuc In de nt hum hat noch besondere Ursache, dem Verstorbenen eine dankbare Erinnerung zu'weihen. Moritz Warburg hat wie kein Zweiter das Gesetz, betreffend den Austritt aus den Synagogen- Gcmeindcn kraftvoll unterstützt, er ist es, der nach Ablehnung seines noch weiter als die Regierungsvorlage gehenden Amendements in jener denkwürdigen ParlamentSsitznng vom 26. Mai 1876 Schulter an Schulter mit Eduard Laskcr freudig für die Freiheit des Gewissens eiugctrcten, und auch um dieses Verdienstes wird des edlen Tobten zum Guten gedacht werden. Berlin, 22.April. Die öffentliche Prüfung an der Religionsschule der isr. Synagogengemcinde Adaß-Iisroel fand am Sonnabend, den 17. April im Bibliothekssaale des Rabbiner- .. .„ -evi 1 '■