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Der Israelit · 1886-04-29 · Heft 33-34 (29.4.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 33-34 (29.4.1886)
Date
1886-04-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Eonditorei Tuczapska verlor ihr ganzes Vermögen. Die kostspieligen Wohnungseiuttchtmigen der wohlhabenden Bewohner vonSrry sind gänzlich vernichtet. Eine arge Enttäuschung dlied denjenigen nicht erspart, weiche im Vertrauen auf die Widerstavdsfähigkeir ihrer feuersicheren Geldkassen keine außergewöhnlichen Anstrengungen zur Bergung ihres in Wcrthcffectcn, Wechseln und Baargcld bestehenden Vermögens gemacht hatten. Die meisten Kauen schmolzen in der furchtbaren Gluth zu Eisenklnmpcn zusammen, und ihr Inhalt ist zu Asche geworden. Kaufmann Oflenreich, ferner die Pnvatcn Apfelbaum, Gang, Lallaban und Andere, die ihre ganze Habe in vermeintlich feuerfesten Kaycn geborgen glaubten, sind nahezu Bettler geworden. Ruch viele jüdische Waisen sind schwer geschädigt worden; das Vermögen derselben war beim Ortsrabbiner dcponirt, dem es nur mit Mühe gelang, dem Feucrtode zu entgehen, während an die Bergung seines Vermögens und der ihm anvertrautcn Fonds (wie cs heißt im Gcsammtbetrage von 70,000 fl.) natürlich nicht zu denken war. Tausend Gebäude, darunter sechshundert Wohnhäuser, sind, wie die genauen Erhebungen Nachweisen, gänzlich niedergcbrannt. In den Flammen dürften fünsundsechszig Personen nmgekommeu sein. Bon den anfangs Vermißten sind einige später zum Vorscheine gekommen. Eonstatirt wurde der Tod des pcnsionirtcn Gcrichtsbeamten Kondzielski, der sich nicht mehr ans seiner Wohnung zu flüchten vermochte. Therse Braun, die Waise eines Officiers, die sich kümmerlich erernährte, fam ebenfalls nms Leben. Dieselbe hatte aus den ersten Allarmrns ihr Dachzimmer verlassen, kehrte jedoch noch einmal in dasselbe zurück, um einige Habseligkeiten zu retten. Dabei wurde sie von herabfallendcn brcntiendeu Balken gctödtet. Die Nachdaren waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um der armen verlassenen Waise zu Hilfe zu kommen. Die Nachricht, daß der Bolksschuldirector Holnbowicz in den Flammen umgekommen sei, bewahrheitete sich glücklicherweise nicht. Aber seine Tochter hat gefährliche Brandwunden erlitten. Ungefähr zwanzig Kinder und ebenso viele .Kranke, namentlich Patienten im Spitale, wurden durch den Rauch erstickt. Im Laden des Goldarbeiters Herschdorfer sah man einen Lehrling als „lebende Fackel" brennen. In den Kellern fand man viele verkohlte Leichname. Die Frau eines Bolksschullchrers wurde halb brennend ins Freie gebracht. Nahezu viertausend Einwohner haben Stry verlassen-. Mehr als zweitausend orthodoxe Juden eampiren trotz des gestern gefallenen Schnees und des strengen Frostes'im Freien, da sie nach den Religionssatznlrgen während der Feratage m&t reisen dürfen. Sie leiden aber auch Hunger, weil cs an dem für die jüdischen Ostern bestimmten ungefänerten Brod fehlt und sie das ihnen von christlichen Leidensgefährten angeborene gebackene Brod zurückweiscn. Erst morgen wird cs möglich sein, diesen bcdancrnswetthcn Leuten zu helfen. Tie Hilfsaction erstreckt sich vorläufig nrrr ans einen Theil der verarmten Bevölkerung. Indessen erscheinen aber auch die meisten Beamten und Lehrer, die nichts mehr besitzen und selbst der uöthigen Kleider entblößt sind, sehr hilfsbedürftig. Ans dm Lürgcrkrcifen sind mehrere Personen fast dem Wahnsinne nabe. Die Familie Feldmann ist gänzlich runiirt. Dem Gemeindcrarhe Sieg! gelang es noch rechtzeitig, feine eiserne Kayeaus den Flammen za bergen, und die in derselben befindlichen Werthpapiere haben in Folge dessen keinen Schaden gelitten; blos die Eouponbogen sind vergilbt. Von Lemberg werden nach Stty Aerztc geschickt, da dort unter den Abbrändlern Krankheiten zn grassircn beginnen. Wie heute Nachmittags gemeldet wird, bricht stellenweife ans den Trümmer» noch Feuer hervor. Die Feuerwehr und die Pionniere sind mit der Wegränmung des Schuttes und des noch glimmenden Gebälkes, sowie mit dem Pölze» des geborstenen Maucrwerkes beschäftigt. Die 2cmolirung der morsch gewordenen Häuserrcste kann aber nur geringe Fortschritte machen. Zur Erleichterung der Arbeiten rvurde die Brandstätte in zehn Bezirke cingetheilr; in jedem Rayon sind mehrere Techniker beschäftigt. Ans dem Stryer Staatsbahnhofe ist das Hilfscomire in Permanenz. Als Präsident desselben sungirt der Obmann der Bezirksvertretung, Baron Sigmund Romaszkan. Von weit und breit laufen Spenden und milde Gaben ein. Das Hilscomitö petitionkrt um Stenernachlässe für die Dauer von wenigstens sechs Monaten. Tie Gencral-Direction der Staatsbahncn wurde ersucht, Baumaterialien unentgeltlich nach Stry zu besördem. Baron Czedik sagte alle nur möglichen Erleichterungen zu. Stry selbst ist, von der Umgebung „Olszyna" abgesehen, jetzt wie ausgestorben; im Innern der 'Ltadt herrscht Friedhofsstille. Von auswärts wurde der Stationsleiter in Stty ansgesordert, die im Bahnmagazin noch etwa befindlichen Waarensendungeu den Adressaten ans keinen Fall mehr auszüsol.gcn, sondern den Aufgebern zurüchuschicken. Der ganze Handel stockt. Um die Situation der Stryer Gerichtsbcamten kennen zu lernen und denselben entsprechend zn Hilfe zu kommen, entsendete der Ober-Landesgerichts-Prasident Baron Schenk einen besonderen Delegirten nach Strv. In

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