Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 33-34 (29.4.1886)
- Date
- 1886-04-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seminars und an dem darauffolgenden Sonntag in der Aula ver 67. städtischen Säule statt. In der Ernlüdungsschrift zu dieser Prüfung betont der Direktor der Anstalt kurz die Tendens der Schule, die sich ja so vortrefflicher Erfolge zu erfreuen hat. Wir erstreben in den 7 Knabenklauen, so heißt es in dem Berichte, 1) Die Kennurniß der heil. Schriften in der Ursprache, ganz besonders der 5 Bücher Mosis, der ersten Propheten, der Sprüche Salouwnis, der Psalmen und Jefaia. 2) Die Ucbcrsetznng der Gebete (Rödelheimer Siddnr). 3) Kennnttriß derRcligionsgefetze, zumal der in gegenwärtiger Zeit anwendbare». Das Endziel der Schule ist, daß die Schüler ein abgerundetes, für das religiöse Leben unentbehrliches Wissen erlangen. In den Mädchenklassen wird mündliche Kenntniß der Alltags-, Sabbat- und Fcsttagsgcbcte erstrebt, der Inhalt der heil. Schriften wird gelehrt und Rcligionsgesetze, die für's praktische Leben unentbehrlich'sind, ausgcwählt und eingehend erörtett. Schüler und Schülerinnen, welche die Anstalt frühe verlassen, gelangen nicht in den Besitz der Summe von Wissen, welches ftir das fernere religionsgcsetzliche Leben unerläßlich ist, und die Anstalt könne für diese Zöglinge keinerlei Verantwortung übernehmen. An der Anstalt wirkten im verflossenen Jahre zehn akademisch gebildete und pädagogisch geschulte Lehrer und für die unterste Mädchcnklassc eine geprüfte Lehrerin. „Dankend erkennen wir an," so schließt der Bericht, „daß das Vertrauen, welches unsere hiesigen Glaubensgenossen nns seit l 7 Jahren entgcgenbringen, sich mit jedem Jahre steigert. Mit 80 Schülern wurde die Schule eröffnet; im verflossenen Jahre wurde dieselbe von 375 Kindern besucht. Wir werden dieser heiligsten Pflicht des Lebens, der Erziehung der Jugend, auch ferner unter dem Beistände des Allgütt'gen unsere besten .Kräften weihen." Die Prüfung selbst ergab ein überraschend günstiges Resultat. Während die Knaben der höheren Klassen in dem dreistündigen Examen am Sabbat Nachmittag ein rcdit gründliches Wissen in den schwierigen Disciplinen des Talmuds und Ritnalkodex, wie in den Propheten und Hagivgraphen zeigten, lieferte die Prüfung am Sonntag Vormittag ein getreues Spiegelbild von dein Unterrichtsgange der Schule vom Lesen und Gebetenbersetzen der Kleinen bis hinauf zur Grammatik, jüdischen Geschichte nnd Rcligionstehrc in den obersten Klassen. Die Prnfnng schloß mit der Deklamation einer Ballade, welche von sieben Schülerinnen mit vcrtheittcn Rollen vorgctragen wurde. In Anknüpfung an dieselbe sprach der Direktor, Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer, noch cängs Schlußworte, in welchen er betonte, wir es Mein die Tendenz der RcLiZLsusschnle sei, Eltern, Lüche, mögen sie Mitglieder der israelitischen SyuagMngemcinde sein oder nicht, ihre Kinder m wahrer Glaubeustreue erziehen lassen wollten, eure Heimstätte zu bieten. Seien auch die mranziMen Verhälrnine der Anstalt im Verhältniß zu den mit bewundernswertdcr Opferfähigkert unterstützten Franlfnrtcr und Hamburger Religionsschulcn nicht sonderlich günstige zu nennen, so könne die Verwaltung doch mit Stolz aus die Frequenz der Anstalt, wie auf ihre Leistungen blicken. Erst im verflossenen Jahre hätten wiederum sechs ehemalige Religionsfchüler glänzend ihr Äbiturientenexamen bestauben; treu den Lehren, die sie auf der Schule empfangen; einer derselben (der jüngste Sohn des Rektors) trete in das Rabbiner-Seminar über. Die Schule schaue mit innigem Danke gegen Gott auf die Vergangenheit zurück und sehe mit freudiger Hoffnung der Zukunft entgegen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die Krakauer Handelskammer ersuchte telegraphisch den Grasen Kalnoky die Sistirrmz der russischen Verordnung zu bewirken, wonach die galizifchen Juden verpflichtet sind, vom russischen Minister des Innern die Bewilligung zur Reife nach Rußland nnd Rufsischpolen sich zu verschaffen, worauf dann erst der Paß vom russischen Botschafter visirt werden kann. F r a n k r e i ch. Paris. (Monatsbericht März der „Alliance Israelit Universelle." (Israeliten Rumäniens.) Mau weiß, daß der Answeisungserlaß, welchen die rumänische Regierung am 16./29. October 1885 gegen eine gewisse Anzahl rumänischer, israelitischer Journalisten verkündete, sich auf den Artikel 1 des 1881er Gesetzes, über die Fremden,.stützte. Nach derInäepsnckrmee roumame vom 21. Februar/5. März, hätten der Senator Marzcsco nnd sieben seiner College» am 20. Fcbruar/4. März dem Senat eine Eingabe vorgelcgt, welche die Abschaffung dieses Gesetzes bezweckt: Anbei der Text dieser Vorlage: In Anbetracht, daß das Gesetz vom 7. April 1884. welches die Bezeichnung trägt: Gesetz bezüglich der Fremden, nur ans dem einzigen und hauptsächlichen Zweck vorgrschlagen wurde, Rumänien vor gewissen Ideen, welche die ganze Menschheit verurthcilt, zu beschützen;