Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 33-34 (29.4.1886)
- Date
- 1886-04-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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^XVH.ZchrZMZ. 9 ♦ E ZerLesder MrLLkel. Der Wrand von Stry. Lemberg, 22.April. Heute liegt bereits der amtliche Bericht über das Brandunglück in Stry vor. Derselbe koustarirt knapp und trocken, daß eine der blühendsten Bezirkshauptstädte Galiziens seit 18. d. aufgehört hat, zu existiren. Es stellt sich zugleich heraus, daß die unter dem ersten Eindrücke entstandenen Schilderungen der Details der Katastrophe nicht nur nicht übertrieben waren, sondern sogar weit hinter der traurigen Wirklichkeit zurückblieben. Die schönsten Straßen der umcrn Stadt sammt dem Ringplatze wurden ein Raub der Flammen. Nur das rechtsseitige ältere Viertel der Stadt, in welchem sich ungefähr hundert zumeist sehr primitiv gebaute Häuser der mittleren Bürgcrklassen befinden, blieb verschont. In den anderen Stadttheilen ragen aus den ausgedehnten Trünunermasscn hie und da einzelne Gebäude empor, die, obwohl der durch den Sturmwind angefachte Brand ringsherum mit beispielloser Heftigkeit wüthete, wie durch ein Wunder unversehrt blieben — so das Haus der Bauleitung der Eisenbahn-Linie Stry-Bcskid, die griechisch-katholische Kirche, während die römischkatholische fämmt dem Pfarrhause zerstört wurde, die protestantische Kirche, das Hans des Bürgermeisters Dr. Fruchtmann, das Stations-Gebäude der Staatsbahu und die Häuser der Privaten Muzyka. Gelernter, Stojalowski, Siegl, Przybolowski, Kraft und Joseph Auerbach. In der unmittelbaren Nachbarschaft des letzten Hauses ist eine Bade-Anstalt gleich beim Ausbruche des Brandes eingeäschert worden. Vom Hause des Volksschullehrers Dann blieben die fafjleit Mauern stehen, während von den angrenzenden Häusern keine Spur mehr zu scheu ist. Von einem andern einstöckigen Hause ans dem Ringplatze ist das Parterre-Gelaß und ein Kaufmannsladen, dessen Eingänge und Fenster eiserne Thürcn und Läden hatten, erhalten geblieben. Von größeren Geschäftshäusern wurden nahezu gänzlich zerstört das Gebäude der seit dreißig Jahren am Platze ctablirtcu Firma Nussenblatt (Spezereinnd Galanteriewaaren), ferner die Häuser der Firmen Liebcrmaun, Lechicki und Kosterkiewicz, Schönfeld, Gärtner, Horowitz, Szhdlowski, Brecher (deren Besitzer gegenwärtig im Lemberger Spital krank daniederliegt), Mayrr und des Buchhändlers Müller. Sammttiche Hotels und Bäckereien der Stadt find abgebrannt, ebenso die Druckereien und lithographischen Anstalten. Die Kauileutc erlitten ungeheure Verluste, da sie sich anläßlich der bevorstehenden Osterfeiertage mit großen Waarenmengen versehen hatte». Der Handelsmann Waldmann erhielt gerade einen Tag vor dem Brande um 10.000 fl. Mode-Artikel aus Men, die in Kisten wohlvcrpackr im Magazine standen und ebensowenig wie das übrige Waarenlager gerettet werden konnten. Juwelier Becher erlitt großen Schaden. Er hatte sich mit seinen Nachbarn am Samstag in die Synagoge begeben; ans die Nachricht von dem Ausbruche des Brandes in der Easimirgatte eilte er nach Haufe, konnte aber nicht mehr in seine Wohnung dringen und ward zu seinem Entsetzen bald gewahr, daß auch in seinen! Kaufgewölbe nichts mehr zu rette» sei. Schmuck, Pretiosen, die Geschäftsbücher und Wechsel gingen zu Grunde. Die Apotheke Gärtner's ist mit allen Vorrätheu gänzlich niedergebrannt. In einer zweiten Apotheke vermochte man noch rechtzeitig die werthvollercn Materialien und Präparate in Sicherheit zu bringen. Das Haus, ln welchem diese Apotheke sich befand, ist dem Einsturz nahe. \ In dm Kellerräumen hatten die Spezereihändler Lechicki und Kosterkiewicz der herannahenden Feiertage wegen um.50,000 fl. (V) Getränke und Gcwürzwaaren vorräthig; ein großer Theil dieser Vorrathe konnte nicht mehr fortgefchafft werden und verbrannte. Der andere vor den Flammen gerettete Theil wurde eine Beute der Strolche, welche auf Raub und Plünderung ausgegangen waren. Kauf-, mann Kosterkiewicz, dessen Geschäft alljährlich einen Umsatz von mehr als 100,000 fl. hatte, war nur noch im Stande, den Baarbetrag von 150 fl. aus seiner Handkasse zu retten und mit sich zu nehmen. Lechicki, der zu den vermögendsten und angesehensten Mitgliedern seiner Gilde zählte, rettete blos das nackte Leben. Vielen Anderen erging cs nicht besser; denn als sie Werthsachen und Geld zu retten begannen, ergriff das Feuer die Stiegen und schnitt ihnen den Rückzug ab. Sie mußten daher Alles von sich werfen, um nur selbst mit heiler Haut davonzukommcn. Dem Bczirksarzte Dr. SerkowSki und seinem Berusscollegen Dr. Elektorowicz blieb nur das, was sie am Leibe hatten. Die Inhaberin der