Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 33-34 (29.4.1886)
- Date
- 1886-04-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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unb OM gü 15,008 (vinfesfincr. Dir telegraphische VcröindunA mit Stry ist gestört. folgende Telegramme sind uns über das Araridnnglückzr.gckommcn: Lemberg, 18. April, Mittags. Der Brand m Stry hatte, wie aus derVorstation Biicze telegraphirt wird, eine größere Ausdehnung, als anfänglich angenommen wurde. ScchshrmdeN Häuser, darunter die Gebäude der Bezirkshanpünaunschaft, der Bezirlsvcr-tretnng, des Steucraurtcs, ferner das Gvmnasinm, die Kirchen und die Synagoge, die Militär-Magazine und Wohngebäude der Beamten der Dniesterbähn 2c. sind vollständig ein Rand der Flammen geworden. Die Militürkassc und das Wastendcpot wurden gerettet. Leider ist der Verlust vieler Menschenleben zu beklagen. Der ganze Stadttheil vomNiugplatze entlang dcrHcrrcngasse bis zur Albrechtbahn ist ganz zerstört. Die Häuser sind bis auf den Grund niedcrgebrannt. Biele Tausende von Personen sind obdach- und nntcrstandslos. Das Elend ist sehr groß. An bcnt Schaden sind viele Versichernngs-Gesell schäften bctheiligt, zumeist die Krakauer Bcrsichcrnngs - Gesellschaft, der „Qcstcrrcichischc Phönix", die ^Ittnnione". die 2C. ‘ — 6 Uhr Nachmittags. Ganz Stry bildet einen einzigen Schutthaufen; sämmtliche Wohnhäuser der inneren Stadt und der Straßen bis zürn Bahnrayon sind gänzlich niedcrgebrannt. Bon öffentlichen Gebäuden vermochte man nur die Post zu retten. Das Augmentations-Lager des dortigen Landwehr- Bataillons ist gleichfalls ein Raub der Flammen geworden, blos dicKrgänznngsdcpots des Infanterie- NcgimcntS Nr. 9 blieben inract. Viele Jnfantcric- Osfizicre und nahezu dreihundert Beamte-sind durch das Brandunglück zu Schaden gekommen. Aus Schilderungen von Augenzeugen erfährt man haarsträubende Details. Mehr als hundert Personen sollen verunglückt sein. Beim Wcgrämncn des Schuttes kommen immerfort noch menschliche Gebeine zmn Vorschein. Im Lembcrger Spitale wurde ein Lcrrvnndctcn-TransyorL nntergebracht. Heute sind von hier nach Stry Lebensmittel abgcgangen, denn viele Tausende von Menschen sind brod- und obdachlos geworden, haben ihr ganzes Hab und Gut verloren und campiren im Freien. Das Elend, das plötzlich über die Stryer Bevölkerung hercingcbrochen ist, spottet jeder Beschreibung. Die Statlhalterei, der Landesauschnß, der Lembergcr Gemeinderath und die Sparkasse haben sofort der Bezirkshanpttnannschast in Stry zur Linderung der Noch Geldbeträge zur Verfügung gestellt, welche jedoch im Verhältnisse zum llmfang der Katastrophe unbedeutend erscheinen. s«s .. ' - -7 . Es werden dcfckald ellcn; halben Geldsammlungcn \ erngddter und Wohtthätigkrits-bonckrtt zu Gunsten der AbgebrünnLen veranstalLkL. Wie das Feuer zmn Knsömch gelangt ist, vermag Niemand amngrbeo; cm fürchterlicher Orcan har alle Rctttmgsversnche zu Schanden gemacht. — 7 Uhr Abends. Das Feuer in Stry wurde ' bisher noch nicht gelöscht. Sämmtliche Villen, bedeutende Holzlager, das Brauhaus und dicPargncttenfabrik sind cingcäschert. Akren von Behörden wurden vom Sturmwinde ans die Entfernung von acht Meilen fortgetragen. ES fehlt in Stry an Wasser, und die Löschvorrichtungen sind überaus Primitiv. Die ganze Rcttungsarbeit wurde kopflos in Angriff genommen. Unter den verunglückten Personen befinden sich ein pensionirtcr Beamter Namens Kondzinskinnd dcr Director der Volksschule, Holnbowicz. Die Kirchenthürme sind cingcstürzt und haben mehrere Personen begraben. Bon den Volksschulen ist. nur Eine gänzlich medergcbrannt. Der Schaden \ beträgt mehrere Millionen Gulden. Der Statthalter begibt sich morgen nach Stry. Die obdachlosen Abbrändler werden von der Staatsbahn unentgeltlich nach Sambor, Drohobicz und Lemberg befördert. . Lemberg, 18. Äprll. Die Bezirksstadt Stry ist im Laufe des gestrigen Nachmittags, und der heutigen Nacht einem gräßlichen Brandnnglückc zum Opfer gefallen nnd total abgebrannt, Rettung war trotz Requirirnng der Lemberger Feuerwehr mittelst Extrazugcs unmöglich. Sechshundert Gebäude, .darunter fast sämmtliche Dicasterial-Gebände, sind ein Raub der Flammen geworden. Einige hundert Familien sind obdachlos. Laut dem ofsiciellcn Berichte sind auch viele Personen durch das Feuer umgekomuien. DaS Elend ist entsetzlich. Aus Lemberg wurden mehrere Waggons mit Lebensmitteln nach Stry entsendet. Lemberg, 19. April, 11 llhr Vormittags. Das Feuer in Stry ist, wie constatirt wurde, Samstag um 2 Nhr Nachmittags nächst der ruthenischen Kirche im Hanse des Schloffermcisters Eieslnk in der Kasimirgasse plötzlich entstanden. Das Nettungswerk wurde, da ein großer Thcil der Arbeitcrbevölkenmg außerhalb der Stadt sich befand, sehr lässig in Angriff genommen, die Flammen griffen um sich und verbreiteren sich in Folge des Sturmwindes rasch, auf der entgegengesetzten Seite die Badeanstalt rinäschernd. Binnen einer halben Stunde brannte es an allen vier Enden der Stadt, der größere Thell des Ningplabes war in einem Nu leergcbrannt, an die Localisirung des Brandes konnte nicht mehr gedacht werden. In größter Unordnung