Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 33-34 (29.4.1886)
- Date
- 1886-04-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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ftromtcii. Unsre Wersen schildern uns ferne weltumfassende Gelehrsamkeit und die Art und Werse , in der er mit unsäglichem Fleiße dem Swdium oblag. (Sukah 28 re.): „Raddon Jochanan den Sackar sprach niemals von profanen Gegenständen; er ging nicht vier Ellen weit ohne Thora zu lernen und ohne Thcphillin; nicnrals kam ihm Jemand zuvor im Lehrhause; niemals ließ er sich daselbst vom Schlafe überwältigen. Wiewohl immerwährend seine Gedanken bei der Thora weilten, lenkte er dieselben doch davon ab, wenn er sich an unreinen Orten befand. Wie er der Erste im Lchrhanse war, so war er anch stets der Letzte daselbst. Kein Mensch hat ihn jemals müfsig gesehen. Er selbst öffnete stets seinen. Schülern die Pforten des Lehrhauses, und niemals sagte er etwas, was er nicht von seinem Lehrer gehört hatte. Niemals sagte er: Es ist Zeit, das Lehrhaus zu verlassen, außer am Nüstrage des Peßachscstes und am Nüsttage des Versöhnungstages. Sein Wissen umfaßte alles Wissenswnrdige: die schriftliche wie die mündliche Lehre mit allen ihren Verzweigungen, Erklärungen und Deutungen wie sie in der heiligen Schrift, in der Mischnah und in der Gcmara enthalten sind. Seine Gelehrsamkeit umfaßte das ganze Gebiet der Astronomie und der Geometrie, der Botanik und der Methaphysik, und er verstand cs, durch Gleichnisse aus dem Leben der Menschen und aus der Thierwelt seine tiefen Gedanken den Schülern klar darzulcgen. Nichts war ihm verborgen, nicht das Größte und nicht das Kleinste — das Größte, die Erkemltuiß der metaphysischen Wahrheiten, das Kleinste, die dialektische Discussion, wie sie später Abaja und Naba zu Vollendung gebracht haben. So erfüllte sich an Ihm die Verheißung: „Erben zu lallen Meine Freunde Wesentliches, und ihre Vorrarhskauimern werde Ich füllen" (Mischlc E. 8. V. 21.) Rabbi Jochanan ben Saaai wurde 120 Jahre alt; doch überlebte er die Zerstörung des heiligen Tempels nur um wenige Jahre. Diese kurze Zeit benutzte er, seine Schüler in Jabnch um sich zu sammeln und das große Werk der Erhaltung der Thora, trotz des Unterganges des jüdischen Staates fest zu begründen. Hier errichtete er ein Beth Diu, hier traf er eine Reihe von Einrichtungen, welche cincsthcils durch die veränderten Verhältnisse, nolhwendig geworden waren und welche andererseits die Hoffnung auf die Wicdcrausrichtnng des jüdischen Staates und des heiligen Tempels aufrecht erhalten sollten. Mit seiner weltumfassenden Gelehrsamkeit verband cr eine große Bescheidenheit, und von dieser zeugt auch der von ihm in unsrer Maßechiah uns überkommene Aüsfprnchr „Er (Raöborr JoZ-niau bcu Sackai) pflegte za sagen: Wenn Du vle! Thora gelernt hast, so thue Dir nichts darauf zu Gute, denn dazu bist Du erschaffe» worden.'" Es ist ein erhabener Ausspruch, der uns hier vorgeführr wird: die Lehre der strengen Pflichterfüllung. Selbst, wenn das Größte und Höchste erreicht ist, so ist cs nur die einfache Pflicht, der wir genügt haben. Wir haben nicht das Recht, -uns für etwas Besonderes zu halten, wenn wir das vollbracht haben, was zu vollbringen unsre Pflicht ist. So lehren auch unsre Weisen (Sandhedrrn 88oJ: Wer ist des ewigen Lebens theilhaftig? Derjenige, welcher demüthig und bescheiden ans Erden wandelt, sich stets mit der Thora beschäftigt und sich nichts darauf zu Gute thut. — Ja, einem der größten Männer unsres Volkes, Nechemjah, dem Führer und N'eubcgrüuder Israels nach der babylonischen Gefangenschaft, wird cs vorgeworfen, daß er gesprochen rmivb rro:. „Möge es mir mein Gott zum Guten gedenken," und sich dadurch, wenn auch in mildester Form, seiner guten Thaten gerühmt habe. (Sanhedrin 93 d.) Durch den in Rede stehenden Ausspruch soll jedoch nicht ausgeschlossen sein, daß wir uns der erlangten Thorakeuntniß nicht freuen sollten. So erzählt uns der Talumd (Pcßachim 68 d.), daß Nab Schescheth alle 30 Tage sein „Lernen" wiederholt habe, und dann habe er beglückt ausgerufen: Freue dich, meine Seele, freue dich, meine Seele, zu deinem Besten habe ich die schriftliche und die mündliche Lehre ftablrt I „Dem ist doch nicht so," fragen darauf die Weisen; muß man doch Thora lernen, um den Weltenzweck zu erfüllen, wie es heißt: Wenu Mein Bund (die Thora) nicht wäre, hätte Ich Tag und Nacht, die Gesetze von Himmel und Erde nicht eingesetzt! Und die "Antwort lautet: der erste Zweck des Thoralernens ist die Veredelung der eigenen Seele; der Weltenendzweck wird dann dadurch von selbst erfüllt. — Wir lernen daraus, daß man sich wohl der erlangten Thorakenntniß freuen darf; nur vor Sclbstgenügsarukcit und. Ncberhebung warnt Nabbon Jochanan ben Sackai. (Fortsetzung folgt.) Z>er Vrand von Stry. Wien, l9. April. Ganz Stry ist nieder-gebrannt und bildet heute nur noch einen Schutthaufen. Viele Menschen flnb bei dem Brande ums Leben gekommen. Die Bezirksstadt Stry ist Station der Albrccht- Ntkd Dnistcrbahn