Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 33-34 (29.4.1886)
- Date
- 1886-04-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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,1 >JI r; wm üi'irl’Pl »II iiijti 4rr:\-ä ■> •'; s ■ i;*vi >.!'N in >i, :r XXVll. ^HrgWA. JH 8T & §N1> ßentrat - Hrgan für das ortßodoXe ZudenLHum. Herausgcgeöen von Vr. Lehrnarnr in Mainz. Dosnerstag, de« 2S. April SS4S <L88S). Leitende Artikel. Die Sprüche der Wäter. IL Buch, zweite Abtheilung. I. Mainz, 18. Aprill Rabbon Jochanan den Sackai empfing (die Tradition) von Hlllel und Schammai. Er war der jüngste Schüler des großen Hillel und überlebte dessen Sohn, Enkel und Urenkel. Der Sohn und Nachfolger Hillcls in der Fürstenwürde hieß Schimeon, denen Sohn Rabbon Gamliel der Aeltere, und dessen Sohn Rabbon Schimeon ben Gamliel. Der Lctzgcnannte starb den Märtyrcrtod zur Zeit der römischen Invasion, und da sein Sohn, Rabbon Garnliel H. noch zu jung war, so wurde die Fürstenwürde dem greisen Rabbon Jochanan ben Sackai übertragen, und erst nach seinem Tode gelangte Rabbon Gamliel II. dazu, in das Erbtheil seiner Väter eingesetzt Zu werden. Das traurigste, schmerzlichste, erschütterndste Ereigniß der jüdischen Geschichte, die Zerstörung des heiligen Tempels und die Auflösung des jüdischen Staates mußte Rabbon Jochanan ben Sackai erleben; aber auf ihn kann man die Lehre der Weisen anwenden, daß der allgütige Gott stets der Wunde das Heilmittel vorausscndet. „Durch die Sttaßen der alten Zionsstadt bewegte sich in der Dämmerstunde ein Leichenzug. Schüler, heißt es, die ihren thenren Lehrer zu Grabe tragen. Scheu und ehrerbietig weicht Alles zur Seite, selbst die Wache am Stadtthor läßt den Zug ungehindert durchziehen. Da, vor der Stadt, macht er Halt; die Schüler stellen den Sarg nieder, öffnen den Deckel, und ans demselben steigt der ehrwürdige Rabb! Jochanan ben Sackai,. der sich lebendig-todt aus der Stadt trage« läßt, um ohne Gefahr in das Römerlager gehen zu können. „Dort tritt er vorBespasian, dem die Erscheinung des greisen Lehrers imponirt und der ihm gestattet, sich die Erfüllung eines Wunsches erbitten zu dürfen. Aber nicht für fein Volk, nicht für die heilige Stadt, ja, nicht einmal für den Tempel, erfleht der Rabbi Schonung, sondern: „Laß mich in Jabnch eine Schule gründen," so lautet seine Bitte. Und lächelnd winkt der stolze Römer ihm Gewährung. Er ahnt nicht des Volkes geistige Bedeutung, das mitten unter den rauchenden Trümmern feiner nationaler! Selbstständigkeit einzig und allein für die Erhaltung seiner Lehre sorgt. Das eherne Rom mußte untergchen, der Völker viele von dem Sturm der Geschichte verweht werden; doch Israel lebte fort in jener Lehre, die Jochanan ben Sackai aus dem brennenden Jerusalem der verzagenden Friedensft runde und der wahnsinnigen Zeloten nach dem kleinen Jabnch, einer Hafenstadt am mitteländischen Meer, etwa sechs Mellen von Jerusalem, getragen/'*) Rabbon Jochanan den Sackai war in seiner Jugend ein Kaufmann gewesen; erst mit seinem vier-zigsten Jahre widmete er sich ausschließlich dem Studium der heiligen Gotteslehre und wurde Mitglied des großen Synhedrinm, welches in der Quaderhalle des heiligen Tempels seine Sitzungen abhielt. Hier zeichnete er sich durch großen Scharfsinn und große Umsicht aus, so daß cs ihm einmal gelang, durch sorgfältiges und umfassendes Zeugenvcrhör falsche Zeuge» zu entlarven und einen Angeklagten vom Tode zu retten. Mit 80 Jahren cröffnete er ein Lchrhaus in Jerusalem, in das die tvißbegierigen Jünglinge ans dem ganzen Lande •) Karpelrü. Beschichte der jüdischen Literatur. gT'iW t \ «iw irtfwii**^ ■j' ';!:•! •- 1-1 H I1! ’