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Der Israelit · 1886-04-19 · Heft 31-32 (19.4.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 31-32 (19.4.1886)
Date
1886-04-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Da sprach Irzchakr Herr der Welt, nimm mir den Buchstaben und gib mir dafür den Buchstaben "2, damit Israel nur 210.Jahre gleich der Differenz im „Galuth" sei. Und so geschah es. Durch Iizchaks Verdienst wurden also die Kinder Israel erlöst. Bestimmt von Gott war die Knechtschaft Israels; zugleich aber auch dieser Knechtschaft ein Ziel gesctzr. Israel, das als Volk ciust an der Spitze der Völker stehen sollte, in der Gottcserkennmiß, in der Unterwerfung unter Gottes Gesetz und dem Festhalten an der obersten Wahrheit ein mnstergiltiges Beispiel allen Zeiten und Geschlechtern sein sollte, mußte nach Gottes Nachschluß und nach göttlichem Erzichungsplanc erst den M e n sch cu d i en st kennen lernen, menschliche Bedrückung und der Menschen Joch ertragen, um danu bereitwillig und aus freiem Willen die Wahl zwischen Gottesdienst und Menschcnjoch zu treffe». Gott durfte, wenn dieser Ausdruck gestartet ist, an Seinem Beschlüsse nichts ändern. Daß aber Pharo sich zu so scharfer Zuchtruthe herab und mit so unmenschlicher Härte Israel behandelte, ließ bei Gott gleichsam den Wunsch anfsteigen: Israel möchte selbst sein Loos mildern und die Knechtschaft abkürzen durch seine Verdienste oder durch das Verdienst seiner Väter. Natürlich wird durch eine derartige Verwerthung des eigenen Verdienstes daffelbe um so viel verringert. Deshalb spricht. Gott .zu. Abraham, Iizchak und Jacob, opfert einen Buchstaben Eures Namens, damit Ich das Ende der Leidenszcit Eurer Kinder rascher hcrbeiführcu kann. Warum sollten sie gerade von ihrem Namen opfern; ihren Namen um einen Buchstaben verkürzen? Die Namen hatten in den ersten biblischen Zeiten ihre besondere Bedeutung und ganz besonders die Namen unserer Stammväter, so daß dieselben ihre Aufgabe, ihre einstige Stellung in der Welt repräsentirten. Gott selbst änderte den ursprünglichen Namen beit der heidnische mn seinem Sohne gegeben, in DmzN, denn,' sprach Gott, \r Tnn: D'u pen 28 „zu einem Bater einer Menge Völker habe ich dich bestimmt." Abraham sprach also zu Gott, wenn ich den Buchstaben 'n in meinem Namen opfere, den Du mir zngcfügt hast, so werde ich wieder, was ich zuvor war, mz8, ein großer Herr, ein mächtiger Gebieter vielleicht, aber nicht mehr der Vater von Völkern, nicht mehr der Stammvater des einstigen Gottesvolkes, nicht mehr der Begründer der wahren Gottesidee. So schlimm auch das Loos meiner Kinder ist, so sehr sie auch seufzen unter dem Drucke egliptischer Sclaverei; so darf ich doch ihre Zukunft nicht opfern, darf nicht um den Preis -der Mistigen großen Stelümg, eine bessere Gegenwart erkaufen. Hast Du es bMrmrü, daß sie 400 Jahre bedrückt und gepeinigt werden sollen, so kaun ich es nicht üuderu, da mir kein anderes Mittel zu Gebote sicht, als mein Verdienst. Sollte ich das vorweg nehmen, und ein vorübergehendes Leid dadurch erleichtern uud künftiges, dauerndes Verdienst dafür hingeben? Nein, ich will der Stammvater meines Volkes bleiben, will ihm cm Beispiel geben, wie man sich eine angenehuie Gegenwart nicht auf Kosten der ganzen großen Zukunft erkaufen darf. Lieber jetzt dulden und leiden, um später rem und erhaben dazustehen, bleibend groß zu sein. Jacob, so heißt es, hielt fest die Ferse feines Bruders 'try, npjp Y? K-?p r»2"pn ,2py> iw srpn „und er nannte seinen Namen Jacob, der Heilige, gelobt fei Er. nannte ihn Jacob." Esaw ist die Personisicirung des leidenschaftlichen, genußsüchtigen Menschen. Er geht nur nach deni Triebe seines Herzens, nach der Lust seiner Augen, opfert ihnen alles Gute und Hohe, Edle und Wahre. Er begibt sich seines Erstgeburtrechtes um ein Linsengericht, weil es ihn gerade hungert und er nicht warten will, bis sein Mahl zubereitet. Er heirathet heidnische Frauen, die selbst Götzendienst in seinem Hause treiben, kümmert sich nicht, daß er seinen alten Eltern herben Kummer dadurch bereitet, ihre alten Tage verbittert und seine Kinder der Gefahr anssetzt, als Götzendiener heranzuwachsen. . Jacob will ihn zurückhalten, will ihn daran hindern. Nicht im schrankenlosen Genüsse, nicht für den flüchtigen Augenblick darf der Mensch leben. Höhere Guter hat er sich zu verschalen, einer hohe», großen Zukunft soll er entgegenstrebeu, sich weife beschränken und die Aufgabe nicht außer Acht lassen, der man sich gewidmet. Sollte, durfte Jacob den Buchstaben 11"' in seinem Namen opfern, um die augenblickliche, traurige Lage seines Volkes zu erleichtern? Was wäre er dann noch? Eine 2P3?, eine Ferse, die Alles hmwegstößt. Er wäre weiter nichts, als eine Verkörperung des Sinnlichen, der seiner Begierde, dem Genüsse der Gegenwart lebt und dabei vergißt, daß der Mensch noch eine andere, höhere Aufgabe hat, als für feines Körpers Pflege zu leben. Nein! Jacob konnte und durste den Buchstaben ts“a nicht opfern. Zwischen Beiden, zwischen Abraham, der feinen Kindern die hohe Aufgabe übermittelt, und Jacob,

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