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Der Israelit · 1886-04-15 · Heft 30 (15.4.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 30 (15.4.1886)
Date
1886-04-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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530 führt ihn durch dir Wüste, tu welcher die Nacht ihn überrascht. Da hört er eiu schreckliches Brüllen; cm Löwe naht, und der Marm glaubt, fein letztes Stüudleiu sei gekommen. Er sicht die leuchtenden, rollenden Augen des Wüstenkönigs, erschaut die furchtbare Mähne, die gewaltigen Krallen und bereitet sich zum Tode vor. Und siche, o Wunder, der Löwe geht an chm vorüber und läßt chn seines Weges ziehen. Vergessen ist nunmehr das Abenteuer mit dem Wolfe, und nur von dem furchtbaren Löwen wird erzählt. — Und wieder vergehen Jahre. Jener Mann hat sich noch einmal auf die Reise begeben, und diesmal ist es eine Riesenschlange, die ihn mit dem Tode bedroht. Schon fühlt er sich umschlossen von dem entsetzlichen Thiere; da sprengt ein Reiter herbei und zerhaut mit feinem Schwerte das furchtbare Reptil. Der Wanderer ist gerettet. Jetzt gedenkt er nicht mehr des Wolfes, nicht mehr des Löwen, er erzählt nur noch von der gräßlichen Riesenschlange, die ihn umschlungen gehalten. — Also ist es Israel ergangen. Aegypten war der Wolf, der uns mit dem Tode bedrohte; Babel, der Löwe, vor dem wir uns ängstigten; und nun hat uns die Riesenschlange dieses langen und bitteren Galnth umschlungen. Man sollte meinen, wenn Gott uns erlösen und unsre Zerstreuten sammeln wird aus alten Ländern der Erde, dann brauchte» wir nicht mehr der Befreiung aus Aegypten zu gedenken. Dem ist aber nicht so. Die Erlösung aus Mizrajim ist die Grundlage unsres Seins; ihr verdanken wir die Thora und mit dieser unser ganzes Leben, Sein und Denken; daher darf der Auszug aus Mizrajim niemals in den Hintergrund treten, auch dann nicht, wenn eine noch wunderbarere Befreiung ans noch größerer Gefahr unsre Gcmüther erfüllen wird mit unendlichem Danke gegen den allgütigen Gott. — Ans Berachoth (1. c.) geht hervor, daß sich die Meinungsverschiedenheit Rabbi Elasars und Ben Soma's einerseits, und der Weisen andererseits nicht auf die Pflicht der Erzählung in den Scdcrnächtcn, sondern auf dcn dritten Abschnitt des Kriath Schema bezieht, auf die Paraschah von den Schaufäden. Da die Pflicht der Zizioth nur bei Tage statthat (ervtni in«, und ihr sollt ihn sehen), so wäre das Lesen dieses Abschnittes bei Nacht nicht angenkessen, wenn nicht darin der Auszug ans Mizrajim ermahnt wäre; um desstntwiUcn hat man das Kriath Schema auch bei Nacht so eingerichtet wie am Tage. Aber auch hierbei handelt cs sich nicht nm die Pflicht selbst, sondern «m die Andeutung derselben in der Thora. Und deßhalb erklärt Maimonides die Worte To *6 in ander« «8 der fcm mS oben sugeg^ruea Wesse. rer© iwip 2?ra sroa nnsMsrvt rgrk tcj *6 - :ksa p renrug t? nfrfra rare „Ich hatte bis jetzt nicht das Glück gehabt zu erfahren, wo die Pflicht des Lesens des Abschnittes von dm Schaufädea, auch bei Nacht, in der heiligen Schrift angedeutet sst, bis Ben Soma es erklärt hat." Nachdem wir nun die auffallendsten Schwierigkeiten in Bezug auf de» vorliegenden Ausspruch hervorgehoben und erklärt haben, wollen wir noch auf einige andere anscheinende Sonderbarkeiten desselben aufurerksam wachem Zunächst muß erörtert werde», warum der Versager der Hagadah den Anfang der Mifchna poin mHo nnso nx*3T ganz weglaßt. Wir haben daraus hingewiesen, daß gerade dieser Anfang das rechte Licht auf die Mifchna wirft und daß ohne ihn leicht Mißverständnisse entstehen können. Zweitens ist der von Rabbi Elasar gebrauchte Ausdruck sehr auffallend. Entsprechend dem rran hätte er sagen l'oUcn irrrsr. Diese beiden Fragen veranlagen den berühmten Rabbi Elieser Aschkenasi zu einer ganz andern Erklärung der vorliegenden Hagadah-Stelle. Danach bezieht sich dieselbe (in der Hagadah nämlich) nicht auf den Abschnitt von den Schaufäden im Kriath Schema, sondern auf die Erzählung in der Sedernachr, und zwar nicht auf die Pflicht der Erzählung selbst, sondern auf die Art und Wesse derselben. Wir feiern das Fest der Befreiung, der Begründung des isr. Staatswefeus. Können wir uns desselben so recht von Herzen fteuen, da es wieder zerstört worden? So finden wir in der That in der heiligen Schrift angcdeutet, daß unsre Voreltern während des Galnth Babel das Peßachfest nur in Wehmuth gefeiert; denn nach der Rückkehr von Babel heißt es: . cra» njo» mssn :n iz^n 't cnoar »3 ,7in2V2. „Jetzt, nach der Rückkehr, feierten sie das Fest der ungesäuerten Kuchen in Freude, denn nunmehr hatte sie Gott erfreut,- woraus hervorgeht, daß sie während der 70 Jahre des Galuth das Fest nicht nncco, in Freude, gefeiert hatten. Deßhalb sagte Rabbi Elasar: mv o»yasr po :« nn „ich war der Meinung wie jenes Geschlecht der siebenzigjährigen babylonischen Gefangenschaft," «h ’rvss „und war nicht beglückt," Q'nw swv nv«rw ni^a „daß freudevoll gcsprocher werde (ni'v« ist meist ein freudevolles Sprechen im Gegensätze zn mn) vom Anszuge ans Mizrajim in den Rächten des Galnth" «au p ns-nt? ny „bis Ben Soma es erklärt hat, daß in allen Tagen «nfreS Lebens,

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