Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 30 (15.4.1886)
- Date
- 1886-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I I I 1 £ HrrLusgegeöeu von Br. Lehmsrur m Mainz. fr .W ££ \? K/sy an ritt das Dovserstag, d e rr LS. §! Pril SSLS <L88T). Leitender Nrtrke!. Kagadaß fchek Weßach. ix. Mainz, 12. April. Die Diskussion eröffnete Rabbi Elasar ben Asarjah; ihm, dem Fürsten Israels, gebührte das erste Wort. „Bin ich doch," sagte er, „wie ein Siebenzigjahriger, und habe es nicht durchsetzen können, daß gesagt werde der Auszug aus Mizrajim in den Nächten, bi§ cZ erklärt hat Ben Soma; denn e§ heißt: damit du gedenkest des Tages bemes Auszuges aus Mizrajim alle Tage deines Lebens. Die Tage deines Lebens — das sind die Tage; alle Tage deines Lebens — die Nächte. Und die Weisen sagen: die Tage deines Lebens — diese Welt; alle Tage deines Lebens — einzuschließen: auch zu den Zeiten des Messias." Dieser Ausspruch des großen Mannes bietet dem Verstarrdrchle viele Schwierigkeiten, die wir im Nachstehenden hcrvorheben und erörtern wollen. Zunächst bedürfen die Worte: p w nn n::r „bin ich doch wie ein Siebenzigjährigcr" der Erklärung. Die Weisen erzählen uns im Talmud, daß Rabbi Elasar erst 18 Jahre alt war, als er zum Fürsten erwählt wurde, daß aber au demselben Tage sein Haar ergraute, so daß er das Aussehen eines alten Mannes hatte, was zur würdevollen Ausübung seines hohen Amtes nothwendig war; daher sagte er: „bin ich doch wie ein Siebenzigjährigerin der That war er aber viel jünger. ttti b&i, /,iiub ich habe es nicht durchsetzen können," trotz meines würdevollen Aussehens (das in wunderbarer Weise erlangt, ein Beweis der großen Gelehrsamkeit ist), „daß gesagt werde der Auszug aus Mizrajim in den Nächten, bis es Ben Soma erklärt hat." Wir sind bei der Ueberfctzmrg der Worte vb\ »it2t dem Vorgänge Bartinora's und der meisten Eommentatoreu gefolgt, cran ’nrea ab »rrai „ich habe die Weisen (bei der Discussion) nicht besiegt." Man könnte daraus die irrige Folgerung ziehen, daß die Weisen, die Pflicht der Erzählung vom Auszuge aus Mizrajim-nicht für bestehend hielten. Dem ist aber nicht so, gerade das Gcgenthell ist der Fall. Die ganze Stelle findet sich auch in der letzten Mischna des ersten Perek desTractat Berachoth, allein in derHagavah fehlt der Anfang: ' nW3-0Tiö--iw?.7m*:ffBißn erwähnt den Auszug aus. Mizrajim in den Nächten." So lehren die Weisen und dann folgt erst der Ausspruch Rabbi Elasars. Es kann sich also die Discussion nicht auf die Pflicht der Erzählung vom Auszüge aus Mizrajim iu den Sedernächten beziehen. Sowohl die Weisen, wie Rabbi Elasar halten diese Pflicht für feststehend. Aus dem Talmud (Berachoth f. 12b.) geht hervor, daß sich die Meinungsverschiedenheit zwischen Ben Soma (also auch Rabbi Elasar) und den'Weisen darauf bezieht, ob man selbst dann noch vom Auszüge aus Mizrajim erzähle» soll, wann bereits die Erlösung aus dem gegenwärtigen Galuth stattgefunden haben wird. Der Talmud führt bei dieser Gelegenheit ein schönes Gleichniß an (1. e. f. 13 a.). Einst hat ein Mann eine Reise unternommen. Sein Weg führt ihn durch einen wilden Wald. Plötzlich stürzt auf den Unbewaffneten ein Wolf zu, der die Zähne fletscht und den Wanderer zu zerreißen droht. Schon erzittert der Arme in Todesangst; da stürzt der Wolf zusammen; der Pfeil eines in der Nähe weilenden Jägers hat ihn getödtet. Der Reisende dankt dem Allgütigen für seine wunderbare Rettung, und Jahre lang nachher erzählt er, wie er den Zähnen des hnngerigen Raubthicres entgangen. — Und wieder muß der Mann eine Reise nnternehttlett. Sein Weg