Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 29 (12.4.1886)
- Date
- 1886-04-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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„„Mein kaiserlicher Herr, ich unterwerfe mich dem Ausspruche Eurer Majestät. Ich kann es um so leichter, da ich felsenfestes Vertrauen in die Treue weiner Geliebten setze."" „So mag der Protonotar 'den Vertrag eufsctzen." „„Kaiserliche Majestät," sagte Ritter Wolf, „mögen mir gestatten, vorher die Bedingung zu stellen, daß Daniel von Gernsheim einen feierlichen Eid leiste, daß er weder direct noch indirect seine Verwandten in Worms von dem hier getrogenen Abkommen benachrichtige und daß er ihnen keinerlei Warnung zukommen lasse. Auch alle hier Anwesenden ersuche ich, daß sie auf Ehrenwort versichern, das so eben getroffene Abkommen geheim zu halten."" . . „Das ist nicht mehr als billig. Schwöre Daniel!" „„Ich schwöre es, bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden."" „Und Ihr, Fürsten, Grafen und Herren, sagt,, daß Ihr bei Eurer Ehre gelobt, die Wette geheim zu halten!" „„Wir geloben es bei unsrer Ehre,"" riefen die Angeredeten. „Und Ihr, Ihr anwesenden Diener, merkt Euch, daß Jeder des Todes ist, welcher verräth, was hier so eben verabredet ist worden." Unterdeß hatte der Schreiber des kaiserlichen Protonotars Pergament, Feder und Tinte herbeigeholt. Der hohe Beamte fetzte sich an einen der Tische und begann den seltsamen Vertrag niedcrzuschreiben. Dann wurde derselbe verlesen und von beiden Seiten richtig befunden. Mit fester Hand setzte Daniel seinen Namen unter das Schriftstück und drückte mit seinem Siegelring auf das bereitgehaltene Siegelwachs. Ritter Wolf von Trachenftem aber, des Schreibens unkundig, malte drei Kreuze hin und legte fein^ Siegel daneben. Es galt in jenen Zeiten nicht svr ritterlich , die Knust des Lesens rmd Schreibens zu erlernen. — Der Kaiserliche Protonotarius behielt den Vertrag, um ihn in der kaiserlichen Kanzlei niederzulegen. Nach diesem Zwischenfalle wurde das Poculiren eifrig fortgesetzt, bis unter wüstem Lärmen und ohrenzerreißendem Gesänge die vornehmen Herren Einer nach dem Andern vom Stuhle fielen und schnarchend verkündeten, daß sie des süßen Weines voll seien. Der Kaiser hatte schon früher den Saal verlassen, und gleich nach ihm hatte auch Daniel sortgehen dürfen. Als er seine Wohnung betrat, kam ihm Rüben entgegen. „Gott sei Dank", sagte er/„daß Ihr endlich kommt, theurer Herr, Ihr müßt ja einen ganz entsetzlichen Hunger haben; habt gefastet von heute Morgen bis in die späte Nacht. Jetzt aber, laßt es Euch wohl schmecken. Meine Bella hat Euch ein leckeres Mahl bereitet." „Ich kann nicht essen", sagte Daniel mit einem tiefen Seufzer. „„Ihr seid betrübt, theurer Herr? Hat sich etwas Unangenehmes ereignet?"" „Ich kann es Dir nicht sagen. Ein Schwur bindet meine Zunge." „„Daß sich Gott im Himmel erbarmet Was mag passirt sein? Sonst kommt Ihr ansgehungert von den Houesten, und heute wollt Ihr nichts essen! Lieber Herr, könnt ihr mir denn gar nichts sagen, was passirt ist?"" „Dringe nicht in mich. Laß mich allein!" Kopfschüttelnd verließ Rüben das Zimmer. „Ich bringe es doch heraus," sagte er. „Bei Hofe gibts kein Gehcimmß." (Fortsetzung folgt.) „Der Israeliterscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs sür Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 18 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oestkrreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Auslarü» 18 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Hagadah schel Peßach. — Ein Hirtenbrief vom Abt von Samt Gallen. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. — Feuilleton: Rechamah. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfutt a. M. Altona. Buchs- Weiler. — . ' verantwortliche Redaktion: Pr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche Rr. 45. Druck und Verlag von O-rar Lehmann in Mainz. (Hierzu eine Beilage.)