Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 29 (12.4.1886)
- Date
- 1886-04-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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519 Aechamaß. XL „Nun, trinket doch einmal, Herr Rath," rief Bruno von Wülfingen. „Man sieht, daß Ihr nicht von deutscher Abstammung seid, sonst würdet Ihr unfern herrlichen Wein nicht verschmähen. Tie .Türken find Starren, sie trinken keinen Wein; die Juden find Narren, sie essen kein Schwein. Herr Daniel genießt weder Wein noch Schwein, er muß ein doppelter Narr wohl sein!" Ein stürmisches Gelächter folgte den geistreichen Zersen des Ritters. -„Ich protestire," schrie Graf Hellmuth von Wittgenstein. „Wer nicht liebt Wein. Weiber und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang. Da unser weiser Daniel auch die Weiber haßt, so muß er wohl ein dreifacher Starr sein." „Ich hasse die Weiber nicht," sagte Daniel. „Ich habe mich mit einen! schönen, edlen Mädchen verlobt und werde meine Auserkorene binnen Jahresfrist heimfiihren." „Mit einem edlen Mädchen?" fragte Graf Hugo von Helfenstein. „Da möchte ich doch willen, welche edle Sippe ihre Tochter einem Juden zur Ehe geben will." „Meine Braut," entgegnete Daniel, „ist die Tochter meines Oheims, des Rabbiners von Worms. „Ha, ha, ha," lachte Graf Hugo, „er nennt eine Judendirne ein edles Mädchen!" „Mit Verlaub,'Herr Graf," sagte Daniel, „meine Braut ist so edel wie irgend ein Edelftäuinn. Ihr Stammbaum reicht bis zum Abraham hinauf." Diesmal hatte Daniel die Lacher auf seiner seile. „Er ist doch kein Narr," rief Graf Heinrich von Lassenheim, „wenn er auch keinen Wein trinkt und lein Schweinefleisch ißt: er ist dennoch der weise Daniel." „Der Jude hat den ganzen deutschen Adel be- U'Unflt," schrie Ritter Wolf von Trachenstcin, „da er Lcharchtet, eineJudendirue seisoede! wieirgeud cm EdelftÄÜein des Reiches. Ich wurde ihn vor meine Klinge ftrdern, wenn die Gesetze der Ehre den Zweikampf mit eiuenr Juden gestatteten. Da das aber nicht augcht, so schlage ich ihm eine Wette vor. Ich begebe mich nach Worms und gewinne die Maid. Wird sie mein, so soll der Jude 'sterben, gehenkt oder meinetwegen enthauptet werden. Verliere ich aber die Wette, so sei mein Leben verwirkt." - „Fern sei es von mir," sagte Daniel, „eine so freventliche Wette einzugeheu." „Ihr müßt," schrie Graf Hugo von Helfenstein. „Meint Ihr, wir lassen den delttfchen Adel ungestraft von Euch beleidigen? Die adelige Gesinnung Eurer Erkorenen soll jetzt erprobt werden." „Ihr müßt wetten, Ihr müßt wetten!" tönte es jetzt aus hundert Kehlen. Der Kaiser wurde aufmerksam. „Was gibt es?" ftagte er. Plötzlich wurde es stille im Saale. Graf Eberhard von Wiesenborn erhob sich und sprach: „Der Jude Daniel hat sich vermessen, zu behaupten, das Judenmädel, welches er freien will, sei so adelig wie irgend ein Edelfräulein des deutschen Reiches. Nun will der Ritter Wolf von Trachenstcin die adelige Gesinnung und Gesittung der Maid auf die Probe stellen. Er venvettet seinen Kopf, daß er die Maid gewinnen werde; aber der Jude weigert sich, die Wette einzugehen." „Zweifelst Du an der Treue Deiner Braut?" ftagte der Kaiser. „„Ich bin von ihrer Treue und Gesittung fest überzeugt."" „Und dennoch weigerst Du Dich zu wetten?" „„Wäre es nicht ein Unrecht, ein junges, unerfahrenes Mädchen in Versuchung zu führen?"" „Wenn sie die Versuchung nicht besteht, so fällt die Schuld auf Dich, so leichtsinnig Deine Wahl getroffen zu haben, und Du mußt dafür büßen. Wer von meinen Edelleuten würde so wenig Vertrauen zu seiner Gattin oder seiner Braut haben, daß er sich weigerte, eine solche Wette einzugehen?" „„Niemand, Niemand,"" riefen hundert Stimmen. „Du siehst Daniel, von welcher Gesinnung die Herren beseelt sind und welches Vertrauen sie zu ihren Damen besitzen. Hast Du Dich also vermessen, zu behaupte», daß Dein Mädchen so edel sei, wie irgend ein Edelfrünlein Unsres Reiches, so mußt Du auch die Folgen tragen." Jüfe* iiilhi'