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Der Israelit · 1886-04-12 · Heft 29 (12.4.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 29 (12.4.1886)
Date
1886-04-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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befinden sich aus der «neu Seite Millionäre und Milliardäre, aber das allein würde mich noch nicht zum Kampfe heransfordcm, wenn nicht ans der andern Seite ans dem Iudenthum alle im sozialistischen, staatsumstürzendcn, revolutionären Elemente kamen — das ist ein Mißverhältnis des öffentlichen Lebens, das zum Himmel schreit (Lachen links), das jeder ernsthafte Politiker bedauern muß, wie ich (Gelächter links)." Vor drei oder vier Jahren hatte man sich noch über diese beispiellose Unwahrheiten erhitzen können,' aber heute nach den llrthcilcu von Berlin und Siegen, heute, nachdem sich fast alle Antisemirenhäuptlinge als das, was sie sind, entlarvt haben, heute, wo das politische Glaubensbekenntnis; der Königsmörder Hödel und Nobilng vom Gerichte konstatirt ist, kann mau die Sachen mehr humoristisch auffasten. «Sic sind ein Narr" — rief der sozialdemokratische Abgeordnete Bebel Herrn Stöcker zu, und als dieser von dem jüd. Abgeordneten Singer behauptete, daß er die Arbeiter ausbeute, erhob sich Singer zu den Worten: «Ich möchte Herrn Stöcker nur erklären, daß ganz so, -wie seine Wahrheitsliebe ihm vom Gericht attestirt worden ist, dieselbe auch in diesem Falle zu behandeln ist. Die Behauptung des Herrn Stöcker, daß ich Mänteluäherinncn ansbeutc, ist eine vcrläumderischc Behauptung. (Ordnungsruf). Im llebrigen habe ich, als Herr Stöcker mich angriff, an das Wort eines alten Philosophen gedacht, welches lautet: «Was sind die Meinungen der Menschen über dich werth t Gerade soviel, als dieser Mensch selbst Werth hat! (Lebhafter Beifall links.) Wenn Herr Stöcker meint, ich hätte ein arbeiterfrenndliches Etiquett auf dem Rücken, so trägt er es allerdings nicht auf dem Nucken, dafür aber ein Brandmal an der Stirn. (Großer Lärnr. Stürmischer Beifall links.) Am nächsten Tage nannte der Abgeordnete H ä n c l Herrn Stöcker «eine aufreizende Natur", der Abgeordnete Sabor bezeichnte ihn als die „verächtlichste Erscheinung der Gegenwart" und der Sozialist Bebel rief aus: «Einen haßerfüllteren Zeloten als Herrn Stöcker habe ich nie gesehen." Zugleich entrollte dieser Herr ein gerrenes Bild von dem Siegener Prozeß, von den christlich-sozialen Hödel und Nobiling wie von dem Manne, der «eine absolute Unwahrheit beschworen." Unter dem stürmischen Beifall der Linken endete der Redner mit den Worten: Ja, Herr Stöcker, Ihr antisemitischer Stern ist im Sinken, Ihre 'Hevbcwegnng geht ihrem Ende entgegen!" Und Herr Stöcker?.-Er lächelte selbstgefällig und schwieg. Und seine Freunde? Auch sie bewahrten ein eisiges, sehr beredtes Schwelgen. Am dritten Tage der Debatte ergriff noch der süddeutsche Abgeordnete Kröber zu dieser Sache das Wort. «Das dritte Won, welches die Grundsätze der französischen Rcvslutioa zum Ausdruck bringt^, sagte er, «heißt Brüderlichkeit. Wenn auch dagelbe bei rnrs Eingang gesunden hätte, so wurden auch unsere israelitischen Mitbürger nicht unter deu unerhörtesten und ungerechtesten Angriffen zu leiden haben. .Kommen denn diese Leute ihren Pflichten nicht nach , haben sie nicht ihre Steuern gezahlt, ist ihr Blut nicht auf den Schlachtfeldern geflossen und hat sich mit dem der pommcrschen und märkischen Junker vermischt? Mein Grundsatz ist «gleiches Recht für Alle." (Beifall links). Herr Stöcker beantwortete die Angriffe Freitag Abend im — Tanzsalon von Buggcuhagen. Nachdem er unter anhaltendem Tumulte erörterte, wie „wirksam er in die Debatte des Reichstags cingegriffcn, verdonnerte er die sozialistischen Führer, die man aus dem Neichstempe! hinaustreiben mime, wie es «der Stifter der christlichen Religion, fein Borbild" gethan. «Einst schrieb Most gegen mich: Fort mußt Du Pfaffe, Deine Uhr ist abgetanst»! O, m. H.. meine Uhr ist noch lange nicht abgelanfen. (Ruf: Sie sind verrückt!) Man hat mir vorgeworfen, ich habe einen falschen Eid geleistet.... (Ruf: Sehr richtig! Gerichtlich erwiesen!> Minutenlanger Lärm, allseitigcr Skandal, solenne Prügelei, stürmischer Rundgesang, Schluß. Der Vater der antisemitischen Bewegung an erhabenster Stätte von einer Hochfluth „schmückender Beiwörter" überschüttet, der königliche Hospredigcr Int Tanzsalon von wüsten Elementen umringt, verhöhnt und beschimpft ja, ja wer hätte das gedacht, sagte der junge Walfisch. Bl. Hamburg, 3 April. Der verstorbene Herr Jsaac Emauuel hinterläßt in Gemäßheit seines kürzlich im Rathhause publicirten Testamentes folgende, nach dem Tode seiner Gattin auszuzahlende Vermächtnisse: dem Israelitischen Tempelverbande M. 600, der Talmud-Toraschule M. 300, dem israelitischen Waisenhause für Knaben M. 300, dem Paulinenstift M. 500, dem Verein zur Unterstützung armer Greise Dt. 500, der israelitischen Mädchenschule M. 200 und mehreren Vereinen, denen der Verstorbene angehörte, je M. 100. Endlich ist noch die Bestimmung getroffen, daß der Rest des Vermögens nach Abzug von 15.000 M., über welche die Frau des Erblassers während ihrer Lebzeit zu verfügen hat und einem Legat an seinen Bruder Jacob, dem Altenhause zufallen soll.

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