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Der Israelit · 1886-04-12 · Heft 29 (12.4.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 29 (12.4.1886)
Date
1886-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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noch des zweireu Feiertag wüsschessDNth finden nnd fein Fehlen aufrichtig bedauern kmm, des ist mir der hcmige Schnschau Purim Zeuge, und dabei fiel doch der gestrige Purim auf erneu Sonntag, olw unmittelbar nach dem Sabbat! Ader nehmen wir alle diese Harlekmaden einmal einen Augenblick ernst. Der zweite Feiertag ist also langweilig, lästig und abstumpfend, und well er das ist, muß er abgeschafft werden! Muß dann nicht auch der erste abgeschafft werden, wenn er z. B. auf einen Sonnrag füllt?. Muß dann nicht auch der Sabbat fallen, wenn der vorhergehende Freitag ein Feiertag war? Hier fehlt nur noch ein frommes talmudisches Eitat wie etwa (Bczay. 2.) zrc or nnyc rr7rr nrr, ror ttin 212 ov piro rrra nnrn K27y2 212 dv -.nrr nzr p%rp m: nnrn kp7jh und die Escamotage ist fertig und zwar wieder mit Hilfe der alten Babylonier. Was wird der Herr Rabbiner von St. Gallen denjenigen erwidern, die den ersten Feiertag, die jeden einzelnen Sabbat lästig, langweilig und abstumpfend finden, und deßhalb die Abschaffung auf Grund dieses rem religiösen Standpunktes fordern? - Was wird er allen Spitzbuben antworten, welche das Dicbstahlverbot lästig finden und cs deßhalb gestrichen wünschen, und den Wüstlingen, welche sich. zu dem rein religiösen Standpunkt bereits erhoben haben, die Gesetze der Reinheit und Keuschheit langweilig zu finde». Soll alles Lästige wirklich abgeschafft werden, dann wird man mit denen anfangen, die diesen klugen Rath ertheilt haben, soll alles Langweilige denselben Weg wandern, dann hat den reform-jüdischen Hirtenbriefen auch das letzte Stündlein geschlagen, dann kann auch jenes „abstumpfende" pjdri vrr nrr nnpn nnrr meinetwegen fallen, denn die kritischen Weisheitszähne im Munde derer, deren rein religiöser Standpunkt, wie derjenige des alten yri in der 222) nmn rrroyn no man, lautet, sind dann der redlich verdienten Lächerlichkeit vollständig verfallen. ' Damit zur Erreichung dieses Ziels auch dieser Hirtenbrief seinen Beitrag steuere, habe ich ihn einem größeren Kreis zugänglich gemacht. Er enthält noch eine ganz respektable Zahl recht drolliger Schnurrpfeifereien, aber das Bisherige dürfte genügen. Da die Gemeinde St. Gallen zudem ein unbestreitbares Vorrecht auf die Heiterkeit erregenden hectographifchcn Ergüsse ihres Hirten hat, so ist es nicht mehr als billig, ihr wenigstens einen Theil derselben als ausschließliches Eigenlhnm zu überlassen. Sic wird das Ausplaudern ihrer diskreten Interna nicht nur übel, sondern sicherlich dankbar nufsehmen. Wenn ihr Rabbiner beklagt- „daß auch in unserer Gemeinde trotz mehrfacher Anregungen und Besprechungen eine bezügliche Aenderung noch nicht ringe* treten ist," so verdient dieselbe für die Heftigkeit, mit der sie sich den Verführungen ihres Führers widcrsctzt, die rückhaltlose Anerkennung aller Redlichen der gesammten Diaspora. Auch dieses neueste Produkt der papicrnen Bcredtsamkeit ihres Rabbiners wird daran wenig andern. Ich schließe daher diese Schuschan-Purim-Studic womit ich sie begonnen, mit einem Hinweis auf die Purimtage. Was uns von ihnen verheißen ist, gilt von unseren anderen Festen so selbstverständlich, daß bei ihnen eine solche Verheißung gar nicht uöthig war. Unser Hirtenbrief predigt die Abschaffung der zweiten Feiertage, unser Purimbrief aber garantirt allen Aebten, Pfaffen und Bullen zum Trutz : 72 7yi ojnr 7*n prr7y p-nn-n 72pi wp -2r nrr cry n 1' n 7 ni2p' n7i brroy p’ftan .n:ri n:r 722 p:pr2VP2n22 n?rrn p'p'rr Die Juden haben beschlo ssen und es hingenommen für sich, ihre Kinder und alle die sich ihnen anschließeu, und das wird niemals übertreten werden, diese beiden Tage zu feiern, wie sie ihrer Zeit vorgeschricben sind jedes und jedes Jahr! (Esther IX. 27). Amen! Zeitungsnachrichten und Correspondcnzen. Deut sch I a n d. Berlin, 4. April. „Hm, wer hätte das gedacht!" sagte der junge Walfisch — mit diesen Worten schließt eine bekannte Thierfabel. Ja, wer hätte das gedacht, kann man auch heute ausrufen, daß die mit so vielem Pomp in Scene gesetzte antisemitische Bewegung einen so jämmerlichen Verlauf nehmen würde, wie es Lhatsächlich der Fall ist. Die letzten Reichstagsverhandlungen über das Sozialistengesetz boten hierfür einen schlagenden Beweis. Da fehlte nicht das Hetzgeplänkcl des bekannten HofpredigerS, aber auch an Entgegnungen mangelte es nicht, und in dichtem Hagel prasselten die Angriffe auf das gebongte Haupt des Aermsten hernieder. Herr Stöcker meinte in einer schlau berechneten Wendung: „Ich stehe in der antijndischen Bewegung, weil ich gleich den Sozialdemokraten gegen den Kapitalismus bin. In dem Jndenthnm

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