Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 29 (12.4.1886)
- Date
- 1886-04-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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S’Tsr?? .rjrxvB/sse M ikf M jüdischen Znuern jiBCs, eis baB üc jc vergchen Lunten, wie föitnt ihr glauben, daß ihr die von Gott selber tzcbstcncn Festtage antaftru könnt, ürdcm ihr den fHütztuden SSM zu initcrmiiiircn sucht, den die weise LsrnLt unserer BLtcr um unsere von Gorteingesetzten Feste gezogen l Ihr könnt um Zweiten Feierrage euere entweihten Synagogen schließen und eueren Ccmtorcrr cm Schloß vor den Mund legen, aber ihr könnt nicht hindern, daß die Mitglieder curerGeineindc sich feiertäglich kleiden und ihren Tisch.feiertäglich Lecken, ihr körmt nicht hindern, daß sic ihr Geschäft schließen! und durch Enthaltung , von jeder verbotenen Arbeit, ihren zweiten Feiertag feiern und Euch dabei auslachcn, weil ihr ihnen keine heiligen Dragonadcu ms.(»aus legen könnt. Daher, Eminenz, kommt es. Laß cs mehr Orgeln und dreijährige Cycluffe als abgeschasstc Feiertage bei nns gibt. Zu der ferneren Bemerkung der St. Gallcner Bulle, daß die Abschaffung. der Feiertage sowohl vom biblischen als auch vom rein religiösen Standpunkt gerechtfertigt ist, möchte ich mir zunächst die bullcnbcißerische Frage erlauben: „Was ist das für ein Standpunkt, der biblische und der rein religiöse?! Bis jetzt glaubte man allgemein, die Bibel sei die reine Quelle nuferer Religion, selbst die Leugner der Tradition glaubten dies, und ihre Leugnung floß gerade ans diesem Glauben. Ist hier unter dem rein religiösen Standpunkt vielleicht der rabbinische verstanden, dem gegenüber somit der biblische minder rein erschiene;'Das wäre ein interessantes Gcständuiß aus dem Munde eines Refornihciligcn! Schade, schade, daß unsere Bulle, da wo sie das biblische und rabbinische Gebiet berührt, so offenkundige, ebenbürtige Schnitzer macht, daß bei ihr von einer irgendwie verschiedenen Behandlung d ke s er Ivci Standpunkte gar nicht die Rede sein kann. Sie belehrt nns z. B., daß die Bibel acht Sukkothtage gebiete, während in unseren sämmtlichen Bibelausgaben nur von sseben die Rede ist. Diesen Schnitzer hätte der Nr-Abt von St. Gallen sicher nicht gemacht, ebenso wenig wie den folgenden. Als christlicher Geistlicher hätte er zwar vielleicht Schabuoth mit Pfingsten übersetzt, aber er hätte cs sicherlich richtig und nicht Schcbnoth geschrieben. Nun folgt ein gelehrt angestrichencr Exkurs über den jüdischen Kalender. Für das Wahre und Falsche, Lang- und kurzweilige, das hier zusammengctragcn ist, kann man den Antor nicht verantwortlich machen. Es sind lauter alte Bekannte, denen man schon in den Berhandlungen der Breslauer Rabbinerversammlung begegnet ist. Wen es interefsitt, kann dieses Sammelsurium vou Schnitzern * und Ungereimtheiten dorr im Urtext Nachlesen. Wenn f cs aber Leute in Sl Gallen geben sollte, welche f M von dieser Scheingelehrsamkeit wirklich blenden i lassen, so sei ihnen Hirsch's Pentatench-Eommentar Bd. IL Seite 110 s. f. hiermit empfohlen; dort finden sie die vom Februar 86 datirre Weisheit ihres Hirten, schon feit c. 17 Zähren als blauen Dunst so vollständig gerichtet, daß über diese Seite der Angelegeuheit kein Wort weiter verloren zu werden braucht. Ren war mir nur die Bemerkung, — die aber deßhalb doch nicht neu zu sein braucht — „die babylontfchen Gemeürdcn wären Willens gewesen, den zweiten Feiertag sofort daran zu geben, wurden aber hiervon durch die jernsalemische Oberbehörde zurückgehalten, die ihnen die Mahnung zugehen ließ, „haltet fest an dem Brauche" re. Wie das klappt! Brauchen die modernen St. Galler nun scrupulöser zu sein, als die alten Babylonier?! Wenn nun aber einige aufgeklärte St. Galler Gemcindemitglieder doch auf den curioscn Einfall kämen zu ftagcn: Ehrwürden! von wannen kommt Euch die Wissenschaft dessen, was die alten babylonischen Gemeinden darangeben und zwar sofort darangebcn lvolltcn! Wir haben uns bei gründlichen Kennern des einschlägigen SchristthumS Informix,.und die haben diese Behauptung einen Schwindel und eine tendenziöse Erfindung genannt!" Was dann? . .'' Welch' ein Glück für den ttr-Abt von St. Gallen, daß unter den drei kaiserlichen Fragen nicht diejenigen nach der Qncllc dieser Stelle sich fand! Hier hätte auch sein findiger Schäfer keine, andere Antwort gefunden als, die feiertagfeindliche Phantasie unseres Hirtenbriefschreibers. *) Nachdem der Hirtenbrief sich seinen Gegenstand in der Weise zurechtgelegt hat, von der das vorgeführte Beispiel ein Pröbchen enthält, fährt er mit kühler Kaihcdcrrnhe fort: . *) 3lnw. bet Ned.: Die Quelle, aus der man, jedoch mit Unrecht, jene angebliche Tbatsache firiiciicu will, befindet sich: Ieruschrrlmi, (^rnbin 6ap. H, Halachah 9. Dort wird erzählt, düs! die Juden, zu l.1lk)andncn, weil sie urm ic*;;n 2'x^a waren, am.Labbal das rulab zur Hand nahmen. Rabbi Jose sandte ihnen ein Schreiben zu, des Inhalts: „Wiewohl man auch die irsie.»ralenderiechnnncz geschrieben, so ändert doch nicht den Gebrauch eurer in Gott ruhenden?Jäter". Lrerglciche laltmtb Bodli. L»ezah 4l,. — In beiden Stellen wird nickt das Geringste davon erwähnt. das« die babi,Ionischen oder alerandrlnischen Hilden die zweiten «Zeiertage nach Bekanntwerden der Nalenderrechnmig nbichaije«» wotttrn; daö wollen diese »Gelehrien" hinein tragen!