Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 29 (12.4.1886)
- Date
- 1886-04-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449630--24114-2513812- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ol4 die Andern mit „Nadttmacher." Jedenfalls war es ein schweres Handwerk, das nur kärglichen Gewinn brachte. Diese Beschäftigung hinderte jedoch Nabbi Iosua nicht, der Lehrer von ganz Israel zu werden, für sein Volk bei Kaisern und Fürsten cinzutrctcn, cs aus grasten Gefahren zu retten und vor Verzweiflung zu schützen. Wiederum anders waren die Lcbensumstände Nabbi Elasar's üen Asarjah. Er entstammte einer der vornehmsten und reichsten Familien Israels; er war ein directer Nachkomme Esra's, des zweiten Moschch, des Neubegründers des jüdischen Lölkes, des ersten Hohenpriesters nach der Wiedercrbannng des heiligen Tempels. Von seinem Neichthum kann man sich eine Vorstellung machen durch die eine Thatsache, dast in seinen Heerde» jährlich 12,000 Kälber als Zehnten abgesondert wurden. Früh verwaist, widmete er sich, trotz seines ungeheuren Neichthums, trotz des Mangels der väterlichen Anleitung, mit solchem Eifer und Fleiße dem Thorastndium, dast er schon mit achtzehn Jahren zum Lehrer unsrer Lehrer, zum Fürsten von Israel erwählt wurde. Den geraden Gegensatz zur Lebcusgeschichte Nabbi Eleasar's bietet die Geschichte Nabbi Akiba's dar. Dieser war der Sohn eines zum Judenthum übergetretencn Heiden. In Unwissenheit ausgewachsen, begann er erst mit dem vierzigsten Lebensjahre dem Studium sich zu widmen. Schon hatte er Frau und Kinder, die er in Folge seiner fleißigen und eifrigen Studien nur kümmerlich versorgen konnte. Sechzehn Jahre hindurch wohnte er den Lehrvorträgcn Nabbi Eliescrs und Nabbi Josua's bei, ohne sich an der Discussion betheiligcn zu können. Tann aber begann sein Licht zu leuchten und entwickelte sich allmählich zu einer die Welt erhellenden Sonne. Er wurde der Lehrer und Führer von ganz Israel in wissenschaftlicher, in religiöser, in politischer Beziehung. Aber auch der Mann eines nicht ganz ungewöbnlichcn Lebeusgaugcs sollte in dieser erlauchten Gesellschaft nicht fehlen. Nabbi Tarphon entstammte eitler geachteten Priesterfamilic; er selbst verrichtete noch in seiner frühen Jugend den heiligen Dienst im Hause Gottes; er war nicht arm, besäst auch nicht übermäßigen Neichthum. Bon Jugend auf tvidmele er sich der Thora, und bei fernen glänzenden Anlagen wurde er einer der hervorragendsten Lehrer in Israel. In seinen Studien und seiner Lehrthätkgleit konnte ihn der Verlust seiner Söhne, die nacheinander starben,nicht stören; er hiulcrUeß nur eitle Tochter. - Düs waren die MLmer, denen kein Gchevmnß verborgen war.wedcr im heiligen, noch im profanen Wirren. Wir erinnern nur an die großen, astronomischen und rraturwiffenschaftliäm KenntnUe des Naöbi Iosua öen ChNrauja. Rabbi Josua war allen seinen Zeitgenoneu an astronomischen Kcnutnmen voraus und berechnete die Erscheinung eines Kometen von dem die Andern nichts wüßten; auch beantwortete er fämmrliche Frage», welche die Weisen von Athen an.ihn richteten. Was konnte man diesen Männern erzählen, was sie nicht bereits wußten? -Dennoch erzählten sie einander vom Auszüge aus Mizrajiul die ganze Nacht hindurch, weil es Gort so geboren, und es uns demnach heilige Pflicht ist. Wie müssen erst wir uns bemühen, unseren Kindern und Hausgenossen recht viel und anregend zu erzählen von all den Wundern, mit welchen der allgütige Gott unsre Befreiung aus dem Sklavenjoche verherrlicht hat! (Fortsetzung folgt.) Gin Kirtenörief vom Abt von Sauet Galten. Eine Schufchan-Purim-Studie. (Fortsetzung und Schluß.) Unser Hirtenbrief findet es auffallend, dast Orgel, deutsche Gebete, dreijähriger Cyclus und eine Anzahl anderer Reformfpielsächelchen sich so vielfach in die Geureindcn einschnruggeln ließen, während Uran von der Abschaffung des zweiten Feiertags conscqucnt nichts wissen will. — Ich nicht. Nachdem die diversen Nabbinerconcilien diese Mittelchen als das schleichende Gift empfohlen haben, welches mit der Zeit das jüdische Gememdcleben sicher tödtete, bedarf es nur eines fanatischen Rabbiners und im günstigsten Falle eines gleichgesinnten Vorstands, und die Entweihung einer Synagoge läßt sich über Nacht bewerkstelligen. Der Rabbiner ladet, der Vorstand schießt, die Gemeinde zahlt. Sie wird gar nicht, oder erst dann gefragt, wenn sie vor einem fait acconipli steht, das der Rabbiner heilig gesprochen und der Vorstand ausgeführt hat. Aber der zweite Feiertag schafft sich so leicht nicht ab. Er hat seinen Schwerpunkt int Hause, in der Familie, in den Geistern und Gemüthern, wohin der Fiscalstock keines Vorstandes reicht und wo man den Priestern des Abfalls ein Schnippchen schlägt, denen man in der Synagoge ans Anstand ruhig znhörcn muß. Und wenn ihr hundertmal die Abschaffung der Feiertage dccretirt, sie sitzen zn fest im tiefsten Innern euerer Gemeinden. Wenn schon von den Pnrimtagen prophetisch gesagt ist nsy*