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Der Israelit · 1886-04-08 · Heft 28 (8.4.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 28 (8.4.1886)
Date
1886-04-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gerettet,^ genährt vom Hrmmelsbrode und getränkt mit Wäger aus dem Felsen, sprachen sie einstimmig: Alles, was Gott geredet, wollen wir thun uü> gehorchen. Demnach ist das Galuch Mizrajim zur größten Wohlthat geworden, denn ohne dasselbe waren wir nicht befähigt gewesen, die hohe Bestimmung, ein Gottesvolk zu sein, auf uns zu nehmen. Gott hat uns die Leiden in Mizrajim lediglich zu unsrem Heile erdulden lagen. Gerade so, wie wenn Jemand einen unbrauchbaren Arm hat; er geht zuui Arzt, und dieser findet, daß der Knochen verkrümmt ist; dann zerschlägt der geschickte Arzt den Ärm und heilt ihn wieder, wodurch der Knochen gerade wird, so daß der geheilte Arm zu allen Verrichtungen tauglich ist. In diesem Falle hat der Geheilte volle Ursache, auch für die ihm angethancn Schmerzen dankbar zu sein. Auch die zweite Frage beantwortet uns der berühmte Magid durch ein Gleichniß. Eine Gesellschaft von Kaufleuten fährt übers Meer. Der Eine führt Diamanten und edles Gestein mit sich, der Andere goldene und silberne Gefäße, der Dritte Scidenwaaren und ein Vierter echte Spitzen. Aus hohem Meere wird das Schiff von einer großen Gefahr bedroht. Ein fürchterlicher Sturm erhebt sich, und das schwanke Fahrzeug wird von den tosenden Wellen bald himmelhoch geschleudert, bald abgrundtief hinabgeseukt. Die Kauflcute erzittern, erzittern für ihr Leben. Keiner denkt an die kostbaren Maaren, die mit ihm in Gefahr sind, vom Meere verschlungen p werden, keiner denkt daran, sein Loos mehr zu beklagen als das der Anderen, weil diese vielleicht weniger besitzen; die Todesgefahr macht sie alle gleich. Da schweigt der rollende Donner, nicht inehr zucken die Blitze hernieder, der Regen hört auf zu strömen, mir dem Gewölle ist auch der Sturm dahingegangen, und die goldnen Strahlen der Sonne scheinen freundlich hernieder auf' die beruhigte See. Vorüber ist die Gefahr, das Schiff und seine Jnsagen sind, gerettet. Im sicheren Hafen angelangt, erzählen die der Gefahr entronnenen Kanfleute von ihrer Rettung. Sie preisen Gott nicht «Urin für das erhaltene Leben, sondern auch für die kostbaren Maaren, die mit ihnen sicher geborgen sind. Da erkennt man leicht, wer viel oder wenig gerettet hat. Der Reichere wird mit innigerem Gefühle die erfolgte Rettung preisen, als der Mindcrbcgiiterte. In deii ägyptischen Drangsalen waren lvir Alle iit Gefahr, elendiglich zu Grunde zu gehen. Unendliche, erhabene Güter haben wir bei der Erlösung davon getrageii: Die Thora, dic Mtzwoty, die Gottcserkermtmß, bas reichste Wffttn/dre edelsten Tngmden. Je mehr demnach der Mensch von 'all diesen edlen Gütern besitzt. Leftsmehr wirrer sich veranlaßt fühlen, Gott für die Rettung zu danken; wer also am meisten erzählt von dem Auszüge aus Mizrajim, der ist (schon an und für sich) lobenswerth; er beweist ja dadurch, wie Vieles und Großes er der Erlösung aus Aegypten verdankt, xto NTrrr „Selbst wenn wir alle Weise wären — der Weise ist Derjenige, welcher in prosaneu Dingen große Kcnntuige gesammelt — 272221^ wenn wir alle scharfsinnig wären — der Scharsgnnige ist Derjenige, welcher aus den aufgenommcncn Kenntmgcu Neues zu folgern versteht — O'2pr 12b, wenn wir alle erfahren wären -- der Erfahrene ist Derjenige, welcher seine Kenntnige im Leben praktisch zu verwerthcn versteht m*in rvr c*jm* uio, ja, mehr als das, wenn wir alle die geoffcnbarte Gotteslehre, die höchste Weisheit, vollständig in uns ausgenommen hätte», selbst dann wäre es uns Pflicht, vom Auszuge aus Mizrajim zu erzählen; denn, wer recht viel davon erzählt, beweist dadurch erst, daß er die großen Schätze zu würdigen verficht/die Gott uns durch die Erlösung aus Mizrajim gnädiglich verliehen hat. (Fortsetzung folgt.) Iie Sonnlagsnlße. Der Vorstand der Czernowitzer isr. Eültüsgemeinde hat folgende Petition an das öst. Abgeordnetenhaus gerichtet: „Hohes Abbgeordnetenhaus; Die durch das Gesetz vom 8. März 1885, R.-G.- Bl. Nr. 22, mittelst dessen die Sonntagsruhe für gewerbliche Arbeiten statuirt wurde, herbeigefiihrte Veränderung in den gewerblichen Verhältnigen hat eine so tief einschneidende Wirkung hcrvorgeruseu, daß sich zur Abwendung der damit verbundenen Rachtheile für die Handelswelt und die Gewerbttei- . bcnden, alle berufenen Faktoren sich gedrängt fühlen. Die große Anzahl der an das Hohe Abgeordnetenhaus bereits gelangten diesbezüglichen Petitionen rühre» bekanntlich zumeist aus den Kreisen der durch das erwähnte Gesetz schwer bettoffenen Kleingewerbetreibenden her. Aber auch solche Kreise, welche scheinbar mit dieser neusten Maßregel gegen die Geschästswelt nichts zu tbnn haben, da sie wenigstens nicht direct hievon betroffen werden, machten und machen ihre Stimmen zur Abwendung oder wenigstens zur Einschränkung der gewerblichen Sonntagsruhe entschieden geltend. Tie praktische Erfahrung hat nun die

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