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Der Israelit · 1886-04-05 · Heft 27 (5.4.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 27 (5.4.1886)
Date
1886-04-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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-! der zerlumpten Hülle eines sonst ja tölpelhaften Zungen ein solches Herz verbirgt? Ein derartiger Charakter dachte ich mir, ist einer Schilderung würdig, uud der werthe Leser wird sicher dem armen Zungen in Gedanken nicht minder seine Sympathien entgegendringen. — Von diesem Bilde folge mir der geschätzte Leser zu einem andern, das ich jedoch weniger der dabei in Betracht kommenden Personen, als des Gegenstandes halber flizzire. Das Bild, eine Mischung des Alten und Neuen, der vorgeschrittenen und alten Zdeen, ist sicher derCuriosität halber einer Schilderung werth. - Wie in Europa, so hat auch die Idee in Amerika unter den Arbeitern allgemeine Billigung, die Unzufriedenheit gegen Arbeitgeber durch Sinke oder Arbeitseinstellung zum Ausdruck zu bringen. In diesem Lande hat sich als Beigabe zu den Strikes das „Boykotten" gesellt; d. h. die Sttikenden fordern das Publikum auf von Denen, welche den Forderungen der Arbeiter nicht gerecht werden, nichts zu kaufen. Dies Mittel hat sich bei der Sympathie, die dem Arbeiter meist mit Recht zur Seite steht, schon häufig gut bewährt und das „Boykotten", ist es auch, worüber ich kurz sprechen will. Wie ich früher schon in diesen Blättern auseinandersetzte, gibt es auch hier ein sogenanntes jüdisches Theater, wo in jüdisch-polnischdeutscher Mundart gespielt wird. Wie alle Theater, so hat auch diese Kunsthalle Choristen nöthig, die natürlich nicht zu der am Besten situirten Klaffe der New- Aorker Bevölkerung zählen. Doch auch der Anspruchsloseste strebt nach Höherem, und so kann man es auch dem armen Choristen des jüdischen Theaters nicht verärgern, wenn er sich um höhere Einnahmen bemüht. Die Direction denkt aber anders und will nicht nachgeben. Allein die lieben Leute lassen nicht mit sich spaßen und nach reiflicher Ueberlegung striken sie und greifen, da sie die Sympathie der Arbeiterbevölkerung (die einen großen Theil der Theaterbesucher bildet) besitzen, zu dem weiteren Mittel des „Boycoth". So kam es, daß vor wenigen Wochen in den Sttaßen des jüdischen Viertels große in jüdischen Lettern gedruckte Plakate zur Ausgabe gelangten, worin in aller Form über das Theater der „Cherein" verhängt wurde. „Cherem- Boykott-Cherem" in großen jüdischen Buchstaben zierten diese Zettel, und dieselben in Verbindung mit der Agitation machten die Direktoren bald des Kampfes müde und veranlaßten eine Einigung. Die Sache ist an und für sich nur durch die Art und Weise, wie der Boykott in Scene gesetzt wurde, tnterressant. Unsere Voreltern hätten sich wohl nie träumen lassen, daß ihre Nachkommen den „Cherem* bis auf das. Gebiet der „modernen" (!) Mum ansdehneu würden und die Königin Esther hat es sich ebensowenig wie andere Gestalten aus der jüdischen Geschichte denken können, daß unter ihren Nachkommen Etliche sein werden, die ihrer „Verherrlichung" auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, durch den „Cherem" einen Stein in den Weg werfen. Doch, wenn avch der „Cherem" in diesem Sinne bisher in den Blättern der jüdischen Geschichte nicht zu finden war, so gab es doch auch früher wenigstens eine Classe, die bei dem „Cherem" von heutzutage eine Rolle spielt, nämlich das sogenannte „Eref Ras." Doch der Streit ist erledigt^ Künstler und Eres Ras, Choristen und Kunstfreunde können fortan ungestört. Jeder nach seiner Art, den Musen ' dienen. Allein, der Weg ist geöffnet und es soll mich nicht nicht wundern, wenn die neue Entdeckung auf dem Gebiete des „Cherem" bald weitere Kreise, denen das Wort „Boycott" fremd ist, für diese Idee begeistern würde. Meine Plauderei hat heute Etwas zu lange gedauert und ich muß mir Weiteres fiir das nächste Mal Vorbehalten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deut s chlan d. Mainz, 2. April. Aus Bonyhad in Ungarn ist uns eine Anzahl künstlich b e r ert e ter Pfefferkörner zugeschickt worden. Wenn man dieselben zerbeißt, so erscheinen sie ganz mehlig und haben überhaupt, außer der Schärfe einen Brodgeschmack; es scheinen dieselben aus Kleien hergesrellt und mit beißenden Ingredienzien versehen zu sein. Wir beeilen uns daher, unsere-geehrten Leser auf dieses neue Kunstprodnkt aufmerksam zu machen, damit der Gebrauch desselben für Peßach vermieden werde. Jedenfalls liegt ein ynn trrn vor, und mögen die geehrten Hausfrauen sich in Acht nehmen, damit kein dwrv vorkomme. München, 31. März. Der Prediger am hiesigen Frommen-Verein, Herr Rabbiner Dr. Ehr entreu, gewinnt sich von Tag zu Tag mehr die Sympathien der hiesigen conservativen Gemeinde- Mitglieder. Seine Vorträge erfreuen sich eines zahlreichen Besuches, auch von Seiten Nichtconfervativer, und zeichnen sich stets durck Geist und Scharfsinn ans; feine immense Gelehr Bewimdernng. Möge es ihm findet allfeitige vergönnt sein, in }

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