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Der Israelit · 1886-04-05 · Heft 27 (5.4.1886) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 27 (5.4.1886)
Date
1886-04-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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den wenigen, dir uns gestaltet sind » zum Beispiel, in der Goldfchuücdckunst, leisten die Juden Vorzügliches und zeichnen sich durch Fleiß und Krmsrfrrrigfcit aus. dhiv den Handel hat man uns erlaubt und Geldgeschäfte. Nachdem man uns dazu ^gezwungen - und uns nichts Anders übrig gelassen, will man uns einen Vorwurf daraus machend Aber auch in diesen Handtienmgen tragen die Juden zur Wohlfahrt des Reiches und seiner Bewohner bei. Der arme jüdische Hausirer zieht, mit schwerem Packen beladen, von Dorf zu Dorf, von Gehöft zu Gehöft, von Burg zu Burg, und bringt den Edelleuten und Bauern Dasjenige, was sie bedürfen und was sie sonst nur schwer und mit großer Mühe erlangen könnten. Die Geldverleiher haben schon manchem hohen Herrn aus drückender Verlegenheit geholfen. Dann sind sie lieb und gut; wenn sie aber rhr EigenLhum zurückverlangen, so heißen sie Wucherer und Blutsauger. Daß die nicht zurückbezahlte Schuld durch die hinzukommenden Zinsen immer größer wird, ist ja selbstverständlich. Mögen der Kaiser und die Fürsten den Zinsfuß beschranken; dann könnte über Wucher nicht mehr geklagt werden, und die Wucherer, welche das gesetzliche Maß überschreiten, mögen der Strafe verfallen. — Daß wir in einer fremden Sprache zu Gott beten, ist wahr. Es ist die hellige Sprache, in welcher Gott selbst sich einst .Moses und den Propheten offenbart hat. Aber eine abscheuliche Lüge ist es, daß diese fremde Sprache benutzt wird, um den Kaiser, den Fürsten und dem Reiche zu fluchen. In allen jüdischen Bethäusern wird an jedem Sabbate und an jedem Festtage der Segen des Allmächtigen für den Kaiser, die Fürsten und das Reich erfleht. — Auch daß wir nicht mit ausziehen in den Krieg, ist nicht unsere Schuld. Gern würden wir an der Seite unsrer Mitbürger das Vaterland vertheidigen helfen, wenn mau es uns gestatten würde. FZ es tzernZuftig zu sagen: Du darfst das nicht und nachher einen Vorwurf daraus zu schmieLen,, daßes nicht geschieht? — Freilich haben meine StammLZZenonen bis vor zehn Fahren, bis zum LirgiernuZssutritte unsres glorreichen Kaisers, im Staube liegen und sich jeden Fußtritt gefallen lallen mü'^eu; nun, da unser gerechter Herrscher sie vor Gewoltthoten schätzt, nicht duldet, daß man sie mißhandelt, beraubt und ermordet, neuut man ne frech und üöermüLhig. Wohl weiß ich es, all die Feindschaft und all der Haß richten sich gegen mich, dm geringen Knecht meines Kaisers. Man gönnt mir nicht die Gnade meines hohen, gnädigen Herrn. Um mich zu frühen, klagt man mein Volk an. Wohlan, Kaiserliche Majestät, wenn ich Euch jemals zum Schlechten gerathen, wenn ich jemals Bestechung genommen oder unlautere Absicht gehegt, wenn ich jemals das Laster beschützt oder Unrecht gutgeheißen, so vernrthellt mich und lasset mich tödten, wie es eiuem ungetreuen Knecht zukommt!"" V ~ Der Kaiser erhob sich vom Throne und sprach mit gerührter Stimme: „Wir haben Dich stets treu gefunden, Daniel' Du hast Uns stets wohl berathen, und kein Makel ist.an Dir zu finden. Sei Uns auch ferner ein treuer Diener." Bei diesen Worten reichte der hohe Herr seinem jüdischen Rathgeber die Hand, die dieser dankbar küßte; zwei Thräuen aus Daniels Augen benetzten die kaiserliche Hand. Dew Kaiser verließ den Audienzfaal. Daniel hatte einen glänzenden Sieg errungen. Dennoch verdüsterten schwere Wolken feine Stirne. Wird er auf die Dauer im Stande sein, so vielen mächtigen Feinden Widerstand zu leisten? (Fortsetzung folgt.) „Der Israelit" erschein wöchentlich zweimal, und DoRQLrftsgs, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 ReichS-Mark. Mau aboanirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesierreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt LHanptblatt): Leitende Artikel: Hagadah schel Peßach. — Ein Hirtenbrief vom Abr von Eancr Gallen. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Karlsruhe. 2mal Berlin. Erfurt. Witkowo. — Rumänien: Bukarest. — Frankreich: Paris. — Eitgland: 3mal London. — Rustland: Lmal Warschau. — Amerika: New Zork. — Feuilleton: Rechmnah. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Amerikanische Briese. — Zeitungsnachrichten und Eorrespoudenzen: Deutschland: Mainz. München. Berlin. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. — Rußland: Petersburg. — Inhalt der Extra-Beilage: SpendenBerzcichnisfe. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche Nr. 45. Druck und Verlag von ÖS rar Lehmann in Mainz. (Hierzu zwei Beilagen.)

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