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Der Israelit · 1886-04-05 · Heft 27 (5.4.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 27 (5.4.1886)
Date
1886-04-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Trr HsftrMchE WMEirv Laß Er W? AM§m «ffMesm verskmmrAt issn, Md brr LEcr oe- SQiiU« ^Herzog Ernst von Schwaben, Jö? habt vrr- I-ngt/Enre Beschwerden W dm FäZen Unseres stsnerlichM Thrones uiedrrZnl^en. Wir ersuchen Ärr Liebden za sagen, was Euer Herz LeschwerL." „Kaiserliche Majestät,"" enLgcgnete der Ln- -mdtte, „„ich bin ein Mann des Krieges und Mc m vielen Schlachten und Fehden für Eure Majestät und das heilige römische bleich gekämpft. Mr ich verficht nicht, künstlich die Warte Zu eben. Daher wollen Eure Majestät gnädigst gefallen, daß mein Kanzler Pellmarm statt meiner 'meche. Er wartet im Vorzimmer."" Auf einen Wink des Kaisers führte der Hof- :nar[d}ßtt dm Kanzler des Herzogs in den Saat. Tiefer verneigte sich vor des Kaisers Majestät. „„Sprecht, Pellmann,"" sagte der Herzog, ..„Seine Majestät gestatten gnädigst, daß Ihr statt -ueiner redet."" „„Kaiserliche Majestät,"" sprach der Kanzler, .„und Ihr meine gnädigen Fürsten und Herren, 5 existitt ein Volk, das zerstreut und getrennt oohrn in alleu Landen des heiligen römischen Reiches rutscher Nation. Ihre Gesetze und Sitten sind Mieden von den unsrigen; sie essen nicht von Olsten Speisen und trinken nicht von unsrem Wein. Bie beten in einer fremden Sprache nnd, wie mir p« glaubwürdigen Personen versichert wird, find icse Gebete'"voller Verwünschungen gegen den iaiser, die Fürsten und Herren. Sie feiern nicht -»sie Feste, sondern haben andere Ruhetage und ören dadurch den Verkehr. ML man am Samsage von ihnen kaufen, so verlaufen sie nicht. Dacgm verleiten sie das Volk, die Sonntagsruhe zu ttweihen und geben dadurch den frommen Glänzen großes Lergerniß. Sie bearbeiten nicht den ^oden und treiben keinerlei nützliches Handwerk, andern leben von Schacher und Wucher. So Jeland, von der Roth getrieben, ein Anlehen macht ci einem Juden, so schwillt die geliehene Summe urch Wucherzins gar mächtig an, und der Wohland des Mannes wird verzehrt. Sie ziehen nicht lit uns aus in unsren Kriegen nnd vertheidigen a* Vaterland nicht gegen die Angriffe des Fem- Früher waren sie wenigstens demüthig nnd 'cheiden. Seitdern aber einer von ihren Leuten n'Hose des .Kaisers weilt nnd sie beschützt und -hütet, sind sie stolz und übermüthlg geworden, hre Frechheit und Kühnheit kennt leine Grenzen ehr. Sie drohen bei jeder Gelegenheit mit des »"sers Zorn und des Reiches Acht, lute wenn störe EimÄue tzsn Ä LZer. KMer- -' rmd - KeiH - Sr . aLb:LLen'Z2tre. Leßhalö g-cht meines großmächäZen \ Herrn mb -GWirieL«, Lrs erlLuchtea.HsrzrM Ernst ' LSR SLwLöW, WttertbLmge B&t dahin, daß Kaiserliche MaiesÄL den. Mrischm RachgeLer vsa Aller-' höchKeffeu gcheiliZLer Person fern halte und sämmt- Liche Juden ans allen Ländern des heiligen römischen Reiches verbanne."" Der Kanzler hatte seine Rede beendet, und ein Geurnrmel des Beifalls ging durch dm Saal. Alle Fürsten und Herren erhoöm sich von ihren Scheu und riefen: „„Ja, das wünschen, das verlangen auch wir!"" llnbeachtet hatte Daniel in einem Winkel deZ Saales gestanden. Ans einen Wink des Kaisers trat er vor. Die anwesenden Herren erschraken, als sie ihn erblickten; sie hatten geglaubt, daß er noch fern vom Hofe weile. „„Kaiserliche Majestät,"" Hub er zu reden an, „„wolle mir gnädigst gestatten, mit wmigen Worten, mich und meine Stammesgenossen zu vertheidigen. Der Herr Kanzler hat von einem Volke gesprochen: Wir sind kein Volk in gewöhnlichem Sinne des. Wortes. Seit vielen Jahrhunderten wohnen unsre Voreltern in deutschen Landen und waren, - wie wir, ihre Nachkommen, es heute noch sind, .getreue Umerthaneu unsres allergnädigsten Kaisers und der erhabenen Fürsten des Reiches. Wir haben uns stets redlich bemüht. Zur Wohlfahrt unsres geliebten Vaterlandes mitzuwirken, wie Gott es uns befohlen, als Er die Verbannung über uns verhängte. Damals ließ Er uns durch Seinen Propheten Jeremias sagen: „Suchet das Wohl des Staates zu fördern, in welchem ihr wohnen werdet," und stets haben wir uns redlich bemüht, diesem göttlichen Befehle nachzukommen. Wohl ist es wahr, daß unsre Gesetze und Sitten in mancherlei Weise verschieden sind von denen der Völker, in deren Mitte wir leben. Aber, wem schadet es, wenn wir kein Schweinefleisch eflen, oder am Sabbat ruhen? In Bezug auf die Feier des Sonntags gibt es ja Gesetze und Vorschriften, und Jeder, der sie Übertritt, wird bestraft. Daß wir den Boden nicht bearbeiten, ist das unsre Schuld? Wenn man uns gestatten würde, liegende Güter Zu erwerben, wir wären mit Freude bereit, durch die Bebauung des Erdbodens unfern Lebensunterhalt zu erwerben. Unsre Vorfahren waren Ackerbauer im heiligen Laude und auch später, namentlich , in Babylonien, an den Ufern des Euphrat und des Tigris, bis unmenschliche Gesetze uns gezwungen haben, die Gearbeittlng des Erdbodens anfzngeben. Wie der Ackerbau, so sind uns die meisten Handwerke verschlossen. In

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