Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1886)
- Date
- 1886-04-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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SSöM Hst bta biblisches Festen die Anordnung der Llkvorderru rroch einen dem ersten ebenbürtigen zweireu Lag fch*«gc&ni, cfor sie fest ci:tb alle Zeit fecnrciif nüigcDisfcn wie Feiertag und S&srrofeg. unb Wochentag Md Feiertag sich nie mmritteldar encirmndrr reihen. Wie Ln Gottes Stator der WeÄkl zwischen Finsicrniß und Licht sich nicht Plötzlich vollzieht, wie mir ihrem Morgen- und Äbendroth die Sonne Tag und Nacht gülden umsäumt, bevor sie cmrrrtt und scheidet, so wandelt auch der Feftglanz, mit welchem der Herr der Zeiten unsere Sabbate und Festtage ausgcftattet, indem er seinen Schimmer ans die müliegettden Zeitgestade wirft, diese selber in Festcszerten um. Die sinnige jüdische Sitte hat diese Eigenthümlichkeit, welche das Gottesgesetz unseren Festtagen anfprägt — *frr.ia re» rcmn noch weiter ausgcbant. Sie knüpft an jeden dem Feste folgenden Wochentag die Mahnung: ui rcx! „Haltet das Fest, fest!" und förderte so die Ver- - wirklichung unseres Fcstwunsches, daß es uns von Gott vergönnt sein mögenden Segen seiner Feste mit hinaus ins Leben zu tragen, nx x 'n «stni ü"rb inxrv nra Und wenn der Schnschau-Purim auch nichts sonst wäre, als der Jßrn Chag des Purim, wie würde er allein schon genügen, um seine alter ego gegen jene Trübung seines eigentlichen Wesens zu sichern, die ihm aus der Gedankenlosigkeit Derjenigen erwächst, welche im Purini eine jüdische Fastnacht finden möchten. Auf den tollen Faschingstaumel folgt der cntnüchtcrndc Aschermittwoch, dem Purim dagegen geht die Nüchternheit in Gestalt des Taaniß Esther voran, deßhalb hört er nicht auf, auch wenn er zu Ende ist, und der Talisman, der die Purimfreude heiter ohne jeden Beigeschmack aschfarbener Lüßerftimmung auskl'mgcn läßt, ist eben der Schuschan Purim. Wahrend mir heute diese und ähnliche Gedanken durch den Sinn gingen, trat der Postbote ein und brachte mir ein auf Postpapier hcctographirtes Circular mit'dem Poststempel St. Gallen und der Neberschrift: „Sollen unsere zweiten Feiertage beibehalteu oder abgeschafft werden." p rirsP- 12'v ix'^d iVX wn nrw nr x?n ^2 Wer, Uicr ist derjenige, welcher sich so etwas zu thun erkühnte. fragte ich unwillkürlich, ans meinen Purim- Reminksccnzen heran«, immer noch den Postftcrnpcl und die Unterschrift sixirend. Der Gegensatz war auch wirklich zn schroff. Während mein ganzes Denken nnd Sinnen in der Sehnsucht nach einer Verdoppelung des Purim anfgkng, solle» da 50 Procertt unserer FrLertoaemit einem Striche in Frage gestellt werden! Ich möLre gewiß nicht als Lobrcdncr des alten Hamen gelten, aber cr ist und blcröt doch die eigentliche Veranlagung unseres Prmm, wenn auch die unfreiwillige. Was haben uns aber diejenigen noch gebracht, die uns unsere Feftage erst verleiden und dann wegescamoüren urschten, kurz diejenigen, wechr die Frage stellen, ob unsere Feiertage beibehalteu oder abgefchafft werden sollen?! Da ich von St. Gallen Niemanden kenne, als den dortigen Abt, welchen Bürger in feinem bekannten Gedichte verewigt hat, so verfiel ich sofort auf ihn als ans den famosen Fragesteller uud habe ihn deshalb in der Ucbcrfchrist an den Pranger genagelt.! Aber ich habe ihm Unrecht gethan. Als ich nach der ersten Erregung die 4 eng geschriebenen Sekten des. Hirtenbriefs nmwendete, fand sich, daß das „schnurrige Mährchen" nicht vom Abt, sondern vom Rabbiner von St. Gallen unterzeichnet war. Ich fand ferner einige Zeilen von der Hand eines Freundes, der als er auf der Reise von St. Gallen, dieses Schriftstück in den jüdischen Häusern vorfand, es mir als Euriosmn cinsandte. Ans den kurzen Bemerkungen über die Vorgeschichte dieser Ansprache, welche der Einsender noch beigefügt hatte, .* geht überdies zur Genüge hervor, daß der historische Abt von St. Gallen hier seine Hand in keiner Weise im Spiele haben kann. , ', Von diesem wissen wir nämlich," daß sein Schäfer klüger war als er, von dem Vertreter und Versender dieser Frage steht es aber notorisch fest, das; sogar seine Schafe klüger sind, als ihr Hirte. Rach meinem Gewährsmann hat nämlich der Herr Rabbiner von St. Gallen schon vor einigen Jahren einen Hirtenbrief ähnlichen Inhalts an seine Gläubigen versandt und wie auch dieses Mal jedem Exemplar zwei Zettel einen mit „Ja" und einen mit „Nein" beschrieben, bcigegcben. Die Empfänger brauchten also, wenn sie die Feiertage abgeschafft oder nicht abgeschabt wünschten, nur den einen der beiden Zettel ihrem Hirtel! zurückznscndcu und die' Frage konnte somit mit aller ^Bequemlichkeit entschieden werden. Daß mm Vielen auch diese Mühe noch zu groß war, wäre nicht das Schlimmste, aber ein rändiges Schaf soll sich damals gesunden haben, welches auf feinem Zettel bemerkte: „Feiertage beibehalteu, Nabbinen abschaffen!" Wenn ich mir aber dennoch erlaubt habe, den Abt statt des Rabbiners an der Spitze weiter sign< rircn zu lassen, so wird mir jeder diese Schelmerei sy kurz nach Purim billig Nachsehen. ES ist da-