Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1886)
- Date
- 1886-04-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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VON Aegypten, und es seufzten die Kinder Israels wegen dcr Sklaverei, und sie schrieen, und es stieg | empor ihr Flehen zu Gott, von der SklüvmmHrtt." i (2. B. M., E. 2, B. 23). Der Zusammenhang zwischen dem ersten und zweiten Thcil des Verse» bedarf der Erklärung. Warum seufzten und schrieen die Israeliten, als der König von Mizrajim gcswrben war? — In Aegypten herrschte die Sitte, daß, wenn ein König starb, ein Todtcngcricht abgehalLen wurde. Dem lebenden Könige konnte Niemand emgcgentrctcn, ihn konnte Niemand zurechtweisen. Sobald er gestorben war, setzten sich die Lertretcr des Volkes zu Gericht, um darüber zu entscheiden, ob ihm ein königliches Begräbmß gebühre. Wurde der Verstorbene gm und gerecht befunden, so wurde die Leiche cinbalsamirt und mit aller Pracht und Herrlichkeit bcigesctzt. Nun hatte dieser Pharao einen Theil seiner Unrerthauen, die Israeliten, auf die schmählichste Weise der Freiheit bercurbt und mißhandelt, einen Theil ihrer Kinder tobten lassen. So lange er lebte, gab cs dagegen keine Auflehnung, konnte die Mißbilligung solcher schändlichen Gewaltthäligkeiten nicht zum Ausdruck gelangen. Jetzt wurde Gericht über ihn gehalten, und die Israeliten hatten gehofft, daß das ägyptische Volk das ihnen geschehene Unrecht anerkemreü und den Lodten König verurrheilcn werde. Aber ons2 t?2 nsn, auch im Tode wurde dcr Tyrann von seinem Volke als König geehrt und ihm das königliche Vegräbniß znerkannt. Damit bekundete das ägyptische Volk seine Ueberunstimmung mit den tyrannischen Maßnahmen des Körrigs. Damit war für die Israeliten jede Hoffnung auf eine Besserung ihrer Lage geschwunden, und deßhalb seufzten sie wegen dcr Knechtschaft und schrieen zu Gott empor. Daher sagt die Hagadah: „Sklaven sind wir gewesen dem Pharao in Mizrajimncixv rrc-p -po ns? König und Volk waren in völliger Ucdereinstimmung in Bezug auf die Unterdrückung dcr Israeliten. - Die andere, oben erwähnte Eventualität . war die, daß die Israeliten sich selbst befreicten. i Es ist eine durch tausend Erfahrungen in der Geschichte feftgcftellte Thalsache, daß Sklaverei sklavische Gesinnung erzeugt. Je länger die Sklaverei währt, desto niedriger wird die Gesinnung, und der Sklave bleibt selbst dann noch Sklave, wenn er endlich die Kette bricht. Wenn auch die Israeliten durch eine politische Umwälzung vom Sklaveujoche Plmrao's und. Aegyptens befreit worden lvärcn, sie hätten längst die Befähigung verloren, eine cdcle, freie Nation zu werden, und so hätte das Sklavenioch Pharaos und Aegyptens soitgewirtt bitidi alle Seiten hüröNch/ bis Zu '"bat" eRersMeftru EnÄks, ä> mit Nrchr sagt die Hagadah, daß, wenn Gott uns -nicht befreiet Hatte, auch wir und unsere Kinder uud Uz Kinde? unserer Kinder noch zu twgm hätten es bem Pharsouischen Sklavensoche, selbst in Leu ZrArn, da Pharao und die Mizrijim laugst nicht mehr existiren. So aber hat uns Gott in wunderbarer Weise befreit, hat gewaltsam das Sklavenioch gebrochen, hat durch die dabet bewährten Wmwer dem Volke Israel eine» neuen Geist eingehaucht. hat nufere Väter getragen, wie auf Adlerfittigen und sie cmporgebracht zu sich. — Sortfetzung folgt.) Gin Kirtenörief vom Abt von Sa net Gallen. Eine Schuschan-Purim-Studie. Hattenfels, Schuschan Purim 5646. Soweit meine Erinnerung zurückreicht, habe ich, so oft der Purim uns verließ, cs schmerzlich empfunden, nicht in Schuschan zu wohnen, um dort den Purim noch einmal mitfeicrn zu können. Oft habe ich diese ans der frühesten Kindheit stammende Sehnsucht später wcgznlächelu versucht, aber ohne Erfolg. Die Sehnsucht nach Schuschan wurde zwar von der kühleren Ucberlegung stark herabgestimmt, aber das Verlangen nach einer doppelten Auflage des lieben Purim ist geblieben. Wen je einmal das Seelenheimweh ergriffen Hst, das den Juden befällt, wenn ihn sein Sabbat oder Festtag verläßt, der wird auch diese durch den scheidenden Purim geweckte Empsinduug würdigen und vielleicht theilen. Da es nun aber verhaltnißmäßig Wenigen vergönnt ist, in solchen Städten zu leben, die sich eines zweitägigen Purim erfreuen, so muß man die Dinge nehmen wie sie nun einmal sind, und sich mit dem schwachen Abglanz des Purim begnügen, den. unser Schuschan Purim repräsentirt. Hat man sich zu dieser Genügsamkeit erst fest entschlossen, so findet man leicht, wie der Reflex der hellen Purimfrcubc auch auf unfern Schuschan Purim seinen rosigen Schimmer wirft und ihm seine Lichtseiten sichert. Und wenn wir, fragt man sich aus der Noch eine Tugend machend, wirklich einen zweitägigen Purim batten, würde uns am dritten Tag sein Abschied nicht noch schwerer fallen, als jetzt? Fällt er heute nicht leichter, wo der Abstand zwischen der seligen Purim- und der nüchternen Werktagsstimmmig durch den dazwischen tretende!! Schuschan Pnrim ansgegitchett wird?