Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1886)
- Date
- 1886-04-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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HerMsgegeberr von Br. Lehmsss in MsisZ. Montag, des S. WprLL ESÄS <L88S). Lertesbe NeLikel. -Ksgadaß fchek WeßaH. VI. . Mainz, 1. April. „Sklaven sind wir gewesen dem Pharao in Mizrajim, und es hat uns herausgeführt der Ewige, unser Gott, von dort mit starker Hand und mit ansgestreLtem Arme; und hatte nicht heraLsZeführL der Heilige, gelobt sei Er , unsre Väter aus Mizrajim, so wären wir und unsre Kinder und die Kinder unsrer Kinder geknechtet geblieben dem Pharao in Mizrajim; und wären wir euch Me weise, Alle scharfsinnig, Alle erfahren, Alle Wiffer der Thora — so ist es uns dennoch Pflicht, zu erzählen vom Auszüge ans Mtzrajim , und wer recht .viel erzählt vom Auszüge aus Mizrajim, der ist lobenswert." Mit diesen Worten beginnt die eigentliche Erzählung. Dem denkenden Leser bieten sich sofort Schwierigkeiten dar, sowohl in Bezug aus die Ausdrucksweise als in Bezug ans den Inhalt. Einige davon wollen wir setzt hervorßeben. „Sklaven sind wir gewesen dem Pharao in Mizrajim." Warum sagt die Hagadah: „Dem Pharao in Mizrajim?" Hätte es nicht "genügt zu sagen: Dem Pharao? Gab es denn jemals in einem andern Lande einen Herrscher, der den Titel Pharao geführt hat? Oder hätte es nicht genügt zu sagen: in Mizrajim? Da hätte ich ja schon gewußt, daß unsre Väter von Pharao geknechtet worden waren. — Noch schwerer zu verstehen ist der folgende Satz: „Und hätte nicht herausgeführt der Heilige, gelobt sei Er, unsre Mer ans Mizrajim, so wären wir, unsre Kinder und die Kinder unsrer .Kinder geknechtet geblieben von Pharao in Mizrajim." Me kann die Hagadah Lolches behaupten? Seit Jahrtausenden existirt keim Pharao mehr, und Mizrajim hat seitdem viele . politische Umwandlungen erfahren. Auch zur Zeit der Abfassung der Hagadah war das Pharaonenreich seit vielen Jahrhunderten gestürzt, und Aegypten war nacheinander von den Babyloniern, Persern, Griechen und Römern erobert Worden. Es kann demnach unmöglich dem einfachen Wortsinne. gemäß ' verstanden werden, daß wir, wenn uns Gott nicht herausgeführt hätte, noch.heute einem Herrscherund einem Volke untertan wären, die beide nicht'mehr exisiiren. - : . . Außer der Thatsache, daß Gott unsre Voreltern in wunderbarer Weise befreit hat, lagen für die Befreiung der Israeliten aus dem Skavenjoche noch zwei Eventualitäten im Bereiche der Möglichkeit, daß nämlich entweder Pharao und die Aegyp- Ler fteiwillig das Joch der Sklaverei von den Schultern unsrer Vater genommen hätten, oder daß unsere Voreltern aus eigenem Antriebe, durch Empörung gegen ihre Tyrannen, zur Freiheit ausgezogen wären. Wir wollen jetzt die erste Eveu- Lualttät näher in's Auge fassen; die Emancipationseschichte während der neuern Zeit belehrt uns * arüber. Die EmancipaLion ging entweder von oben oder von unten , aus. Von oben ging sie aus, , wenn ein gütiger und gerechter Herrscher das Un-; recht erkannte, unter welchem seine jüdischen Untertanen zu leiden hatten und es deßhalb.zu beseitigen sich entschloß. Von unten ging sie aus, wenn im Volke die Lehre von den allgemeinen Menschenrechten Anklang und Beifall fand, und das Volk oder dessen Verttcter die Anerkennung derselben von der Regierung forderten. Wie sah es nun in Mizrajim aus? Zwischen dem Volke und seinem Fürsten herrschte in Bezug auf die Unterdrückung, Knechtung und Mißhandelung der Israeliten die vollständigste llehereinftimmung. „Und es war nach langer, langer Zeit, da starb der .König