Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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chen betrachtet sich nun als verlobt. Soll aber die Verlobung mit Kiduschin ftattfindcn, so begibt sich an dcnl dazu bestimmten Tag der Bräutigam Abends mit seiner Familie in das Haus der Eltern der Braut, wo in einem Gemache eine. Chuppah (Trauhimmel) schon ausgestellt ist. Der Bräutigam wird nun vom Chacham unter die Chuppah geführt, die Braut, tief verschleiert, am Arme ihrer Munter und geht gleichfalls unter die Chuppah. Der Chacham nimmt dann ein Glas Wein in die Hand und spricht den Segen ns xiia darüber. Hieraus spricht er die Berachah: 12V tdni nmyn by 1212 iwr 121 rnrnewi rix vb i-n.ii rronxn nx worauf der Bräutigam der Braut den Trauring mit den üblichen Worten: '121 'b nsnpc nx.nn an den Finger steckt, und die Verlobung ist vollzogen. In letzterem Falle ist das Pärchen fest mit einander verbunden und die Auslösung der Verlobung kann nur durch die Uebcrrcichung eines 22 (Scheidebriefcs) erfolgen. Der Chacham verliest dann die Tanaün, worauf Süßigkeiten, Backwerk und sonstige Erfrischungen nmhergereicht werden. Braut und Bräutigam gehen wieder auseinander, ohne sich gesehen oder gesprochen zu haben, um erst nach einigen Wochen oder Monaten am Hochzeitstage wieder zusammenzukommcn. Die Hochzeitsfeicrlichkeiten beginnen mit nur wenigen Ausnahmen immer an einem Samstag Abend, um dann eine volle Woche bis zum nächsten Samstag Abend Zu dauern, damit so die sieben Tage der Hochzcitswoche nr^cn 'v' nj?2s? voll sein sollen. Der Sabbat, an dem die Hochzcitsfestlichkcktcn ihren Anfang nehmen, heißt: Sabbat Ettachrir (der Vorbereitungssabbat)" und pflegen der Bräutigam uud die Braut am Nachmittage desselben in ihren rcspectivcu Wohnungen ihre Jugendfreunde, dann ihre Schuluud Spielgcnosscn zu empfangen, um deren Glückwünsche eutgcgenzunehmen. Mit dem Eintritte der Nacht begibt sich eine Saffeh (Festzug) vom Hause des Bräutigams in das der Braut, mn dieselbe abzuholcn und sie ihren zukünftigen Schwiegereltern vorzusührcu. Der Zug, den stets eine Musilbande eröffnet, besteht aus den Auverwandten und Jugeudfrenuden des Bräutigams und den yww chochzcitsgcrwsselt) desselben, die während der ganzen Festwoche Ihm zur Leite ölciUctt mit» ihn stets erheitern und belustigen muffen. ,Sinei tuMi diesen Hochzestsgenossen gehet! zu Leiten der Braut ltrid halten hoch in ihren Händen zwei ans Wachs gefornltc Aiesenhände, deren zehn Finger ebenso viele Kerzen darstellen. Die Kerzen sind an. gezündet nnd verbuiten über das.Hanpt der jagendltchcn Brant eine Vlvi t^lorienschein. Andere Tbeilltrhtner um ,'jnge trage» bnnlsarbigc Papierlaternen, Fackeln und Wachskerzen w ihrer Hand. Tie Braut und ihr Gefolge werden dann im Hanse der Tchwicgcrclteni mit Süßigkeiten und Backwerk bewirchet. während die Musikbande zum Lanze anfspielt. Ist der Tanz zu Ende, so wird die Bram wieder mit demselben Gefolge nach ihrer Behausung zurückgeführt. Am nächstfolgenden ZLbend stattet der Bräutigam mit großem Gefolge feinen zukünftigen Schwiegereltern einen Besuch ab, wo er nun gleichfalls regalirt wird. Selbstverständlich wird dann auch getanzt. Der Besuch des Bräutigams pflegt jedoch die ganze Nacht anzudaucrn. Den Hochzeitstag verbringen sowohl der Bräutigam, als auch die Braut, jeder für sich, im Kreise ihrer Freunde wld Anverwandten. Erst gegen Sonnenuntergang. begibt sich der Bräutigam mit den Seinigen in das Haus der Braut, wo nun das Miuchahgebet recttirt wird. Nach demselben wird die Chuppah ausgestellt, worauf dann die Trauung mit oder ohne Kidufchm, je nachdem letztere schon bei der Verlobung stattgefunden haben, vor sich geht. Hierauf folgt das Hochzeitsmahl, das gewöhnlich die ganze Nacht hindurch andauert. Die Braut speist dabei mit den Frauen in einem besonderen Gemache» und ebenso auch der Bräutigam mit den Männern. Vor Mitternacht läßt dann die Braut dem Bräutigam durch zwei ihrer Freundinnen sage», daß sie nun bereit lei, ihn zu empfangen. Die anwesenden Frauen verlassen hierauf das Vrautgemach und setzen sich vor dessen Thür auf den Boden oder auf Polster nieder. Braut und Bräutigam stehen sich jetzt zum ersten Male in ihrem Leben ganz allein gegenüber. . Es folgen daun noch zahlreiche andere Gelage während der Hochzeitswoche. Am Sabbat darauf, „Sabbat Ettschuisch (der Sabbat der Enthüllung, da an demselben die Braut zum ersten Male seit ihrer Vermählung ihr Gesicht unverhüllt trägt)" genannt, wird der Bräutigam von den Schufchbinim in die Synagoge geleitet, wo sich für ihn neben der BnndcSlade ein mit Teppichen belegter Ehrensitz befindet. Mit donnernder Stimme läßt dann der Hasan sein onxn mejr: (Es erhebe sich der Bräutigam!) ertönen und gravitätischen Schrittes und von seinen Schuschbiniu begleitet, betritt dann der Bräutigam den Almcmor, um. de» Thoraabschnitt vorlescn zu hören. Ihm zu Ehren wird mm der Abschnitt ans der Genesis: v'v'3 *0 p cimxi Her* lesen. Während der folgenden Mischcberachs macken die Väter des jungen Pärchens die Runde durch das Gotteshaus und schütten jedem der Anwesenden ein Paar Tropfen Nosenwalser in dte hohle Hand, damit er den Legen darüber spreche. Abends Hit* det dann im Hanse der Braut ein großes «Schoianfch-